Na sowas! Erfindungen aus MV : Schutz kommt während des Falls

Prof. Ralf Salomon (li.) und Gerald Bieber zeigen den Prototyp von ihnen entwickelte Sturzerkennungssystem.Dörte Rahming
Prof. Ralf Salomon (li.) und Gerald Bieber zeigen den Prototyp von ihnen entwickelte Sturzerkennungssystem.Dörte Rahming

Viele Senioren sind nicht mehr hundertprozentig fit, stürzen häufig. Zwei Ingenieure aus Rostock haben deshalb begonnen, ein System zu entwickeln, um ältere Menschen vor schweren Verletzungen zu schützen.

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21. Mai 2013, 11:37 Uhr

Viele Senioren sind nicht mehr hundertprozentig fit, stürzen häufig. Pro Jahr brechen sich dabei bundesweit 160 000 Menschen den Oberschenkelhals. Die Heilung ist langwierig, oft kommen die Patienten gar nicht wieder richtig auf die Beine. Zwei Ingenieure aus Rostock haben deshalb begonnen, ein System zu entwickeln, um ältere Menschen vor solchen Verletzungen zu schützen.

Prof. Ralf Salomon von der Fakultät für Informatik und Elektrotechnik an der Universität Rostock ist Experte für sogenannte eingebettete Systeme. "Das sind praktisch alle Computer, die man nicht in der Hand hält oder die nicht auf dem Tisch stehen", erklärt Salomon. "Ein Beispiel sind Waschmaschinen, deren Programme von einem Mikrocomputer im Innern gesteuert werden."

Zusammen mit Gerald Bieber vom Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung entwickelte Salomon die Idee. "Es gibt schon Sturzerkennungssysteme, mit denen jemand Hilfe holen kann, wenn er gestürzt ist und sich verletzt hat", weiß Salomon. "So wird er wenigstens nicht unbemerkt hinter der Wohnungstür liegen und verhungern. Aber wir wollen anders helfen: Es soll gar nicht erst zu einem Knochenbruch kommen."

Im Team analysierten die Ingenieure den Vorgang des Fallens. "In einer Turnhalle haben wir Übungen gemacht - stolpern, drehen, hinfallen - und versucht, ob man mit einer Software erkennen kann, ob jemand stürzt oder nicht. Das funktioniert." Das etwa handygroße System erkennt den Sturz in dem Moment, wenn er beginnt: Ein 3-D-Beschleunigungssensor identifiziert die Bewegung. Die Forscher fanden heraus, dass jeder Sturz mit einer Rotation des Körpers verbunden ist. Reflexartig streckt der Mensch die Hände aus und versucht sich abzufangen - eine weitere Gefahr. Für die Erkennung könnten unterstützend Luftdrucksensoren verwendet werden. Diese errechnen aus dem sich verändernden Luftdruck auf 50 Zentimeter genau die Höhe, in der ein Gegenstand sich befindet -- allerdings auch, wenn er in einem Fahrstuhl fährt. Hier ist weitere Forschung nötig.

Wenn der Mensch also stolpert und fällt, bleibt etwa eine halbe Sekunde Zeit, einen Schutz zu aktivieren. "Das könnte eine Art Airbag sein, den der Nutzer trägt, vielleicht wie eine Spezialhose", erklärt der Experte. "Die Forschungen in dieser Richtung konnten wir leider noch nicht abschließen, weil dafür das Geld fehlt."

2009 gewann das Projekt den Venture Cup, einen Ideenwettbewerb für Forscher aus Mecklenburg-Vorpommern. Mit dem Preisgeld konnten die Wissenschaftler das Projekt weiterentwickeln - für endgültige Fertigstellung, Studien und die Markteinführung reichte es jedoch nicht. Bis heute suchen sie Investoren für die letzten Schritte. "In Deutschland entstehen jedes Jahr Kosten von etwa zwei Milliarden Euro durch solche Verletzungen", meint Salomon. "Diese Kosten ließen sich minimieren, wenn es weniger solcher Verletzungen gäbe."

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