Foto: Jens Büttner

Flüchtlinge in MV : Schuss bei Flüchtlingsheim Horst: Polizei schwieg

09.11.2017

Informationen über Zwischenfall in Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge wurden tagelang zurückgehalten


Die Polizei hat bei Horst (Landkreis Ludwigslust-Parchim) einen aggressiven 29-jährigen Mann aus einem Flüchtlingsheim nur mit einem Warnschuss stoppen und festnehmen können. Ein Beamter wurde bei der Festnahme verletzt. Der Fall ereignete sich bereits am vergangenen Sonnabendabend und gelangte erst am Donnerstag auf Nachfrage unserer Redaktion an die Öffentlichkeit.

Der Asylbewerber soll in der vom Land betriebenen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Nostorf/Horst einen Wachschutzmitarbeiter mit einem Messer bedroht haben. Als die Polizei eintraf, flüchtete der 29-Jährige. Die Beamten nahmen die Verfolgung auf und konnten den Mann einige hundert Meter von der Einrichtung entfernt an einer Bundesstraße stellen. Das Messer hielt der Mann noch in den Händen. Ein Polizist feuerte daraufhin einen Warnschuss ab. Der Mann konnte anschließend überwältigt werden. In den täglichen Polizeimeldungen fand der Zwischenfall mit keinem Wort eine Erwähnung.     

Die Informationssperre wurde von der Polizeiführung verhängt, wie Pressesprecherin Isabel Wenzel mitteilte. Der Tatverdächtige habe unter psychischen Problemen gelitten. „Daher haben wir uns entschlossen, zu diesem Vorfall öffentlich nichts zu sagen, weil es sich hier nach unserer Meinung um ein Krankheitsproblem handelte. Da ist Diskretion geboten.“ Der mutmaßliche Gewalttäter sei nach der Festnahme in eine Klinik gebracht und ärztlich untersuchtv worden. Einen Tag später wurde er wieder aus der Psychiatrie entlassen und kehrte zurück in die Flüchtlingsunterkunft. Eine nachträgliche Ingewahrsamnahme sei rechtlich nicht möglich gewesen, erklärte die Polizeisprecherin. „Wir haben alle Möglichkeiten ausgeschöpft“, sagte Wenzel.

Der 29-Jährige sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft. Das Amtsgericht Ludwigslust hatte am Dienstag einen Haftbefehl wegen Fluchtgefahr gegen ihn erlassen, wie die Staatsanwaltschaft Schwerin dazu mitteilte. Die Behörde ermittelt gegen den Mann wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. 

>> Ein ausführlicher Bericht folgt

Liebe Leserinnen und Leser, im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserer Webseite haben wir unter diesem Text die Kommentarfunktion deaktiviert. Leider erreichen uns zu diesem Thema so viele unangemessene, beleidigende oder justiziable Kommentare, dass eine gewissenhafte Moderation nach den Regeln unserer Netiquette kaum mehr möglich ist. Wir bitten um Verständnis.

von Mayk Pohle und Udo Roll