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Tunnelkongress in Rostock : Schummrig im Tunnel

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Beim 1. Deutschen Tunnelkongress in Rostock loben alle die hohen Sicherheitsstandards – ein Restrisiko bleibt

Autofahrer können nach Einschätzung von Experten bedenkenlos in deutsche Tunnel hineinfahren. „Die Bauwerke sind in einem guten Zustand und die Sicherheitsstandards hoch“, lautete die allgemeine Meinung beim 1. Deutschen Tunnelkongress für Betriebstechnik, Sicherheit und Telematik gestern in Rostock. Aus den Katastrophen der vergangenen Jahrzehnte, etwa in den Alpen, sei viel gelernt worden. „Es gibt keinen Tunnel mehr ohne Videoüberwachung, jeder Quadratmeter kann eingesehen werden“, sagte der Direktor des Instituts für Straßenwesen an der Technischen Hochschule Aachen, Bernhard Steinauer. Allerdings gebe es keinen Grund zur Zufriedenheit. „Deutschland hat Glück gehabt. Wir dürfen nicht sagen, dass wir besser sind als andere Länder.“ Denn die Schwachstelle im System Tunnel bleibe der Mensch.

Dies bestätigte Simone Saalmann vom ADAC. Beobachtungen hätten gezeigt, dass Autofahrer oft zu spät reagieren oder trotz roter Ampeln in Tunnel fahren. „Manche wollen noch von einem Unfall ein Filmchen drehen statt die Beine in die Hand zu nehmen und aus dem Tunnel zu laufen.“ Saalmann berichtete, dass bei einem Test im Jahr 1999 von 20 Tunneln noch fünf als bedenklich und drei als mangelhaft eingestuft worden waren. 2012 fiel keiner mehr durch. In Deutschland gibt es den Angaben zufolge 330 Tunnel mit einer Gesamtlänge von 250 Kilometern.

Nach der EU-weiten Einführung einer Richtlinie im Jahr 2004 hätten alle Länder ihre Tunnel nachgerüstet, berichtete Steinauer. Überwachungsanlagen, Löschsysteme und schnelle Warnsysteme für Rauch- oder Brandentwicklung seien installiert worden.

Derzeit werde ein Infrarot-System entwickelt, das unnatürliche Hitze etwa an Reifen oder Bremsscheiben feststellen kann. Dann würde ein Auto schon gestoppt, bevor es in den Tunnel fährt. Es werde auch an Systemen gearbeitet, die Gefahrgutzeichen an Lastwagen erkennen.„Dann wissen wir jederzeit, welches Gefahrenpotenzial sich aktuell im Tunnel befindet“, sagte Steinauer.

Wünschenswert wäre, wenn es alle 150 Meter einen Notausgang gäbe. Heute liege der Mindestabstand bei 300 Metern. Die Experten in Rostock waren sich aber einig, dass eine Umrüstung aller Tunnel auf den technisch höchsten Stand aus finanziellen Gründen nicht machbar ist. Trotzdem könnten deutsche Autofahrer beruhigt sein, sagte Steinauer. „Manchmal, wenn ich so durchs Ausland fahre und sehe Tunnel ohne Beleuchtung, da wird es mir schon schummrig.“  

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