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Wahlkampf-Auftakt der SPD : Schulz’ Heimspiel in Parchim

vom
Aus der Onlineredaktion

Der SPD-Kanzlerkandidat beginnt die „heiße Phase“ des Wahlkampf auf einem Fußballplatz in Parchim.

svz.de von
erstellt am 16.Aug.2017 | 20:55 Uhr

Auf dem Fußballplatz, da fühlt er sich zu Hause. Man kann malochen. Die Ärmel hochkrempeln. Das Gras fressen. Den Gegner attackieren. Die linke Seite beackern. Noch als Kind träumte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz davon, später einmal Bundesliga zu spielen. Aber das linke Knie stand im Weg, der Meniskus und die Kreuzbänder. Immerhin: Für ein wenig Bolzen reicht es noch. Dachte sich auch sein Wahlkampfteam. Die von der Landes-SPD angekündigte „heiße Phase“ des Wahlkampfs beginnt für Schulz auf einem abgelegenen Fußballplatz in Parchim.

Wobei: Erst einmal ist niemand da. Keine Manuela Schwesig. Kein Martin Schulz. Nur eine Armada von Journalisten. Kaum jemand interessiert sich für die, die auf dem Rasen für die gute Sachen kicken. Ein von den Jusos organisiertes Turnier gegen Rechtsextremismus, der Storch-Heinar-Cup. Ein Trommler trommelt, es riecht nach Bratwurst. Die SPD hat ein paar Stände aufgebaut, der weiße Baldachin umrahmt von sozialdemokratischem Rot. Wohl ein schlechtes Omen: Einer der Spieler hat das mit dem Dresscode verstanden und trägt ein rotes Trikot, aber es ist vom Hamburger SV, diesem Verein, der selten gewinnt und nur noch von seinem großen Namen lebt.

Zuerst kommt die Ministerpräsidentin. Das Begrüßungskomitee empfängt sie, ein paar SPD-Landtagsabgeordnete und Frank Junge, ebenfalls Sozi, der für den Landkreis im Bundestag sitzt. „Ihr habt ja gleich die ganze Mannschaft hier“, analysiert Schwesig fachmännisch. Und wenig später hinterher Martin Schulz, der übrigens mit zwei Autos vorfährt, einem 7er BMW und einem Audi A8. Ein Hoch auf die Elektroquote.

Dann passiert das, was im modernen Fußball „Pressing“ genannt wird, also die aktive Eroberung des Balles, wenn er noch beim Gegner ist. Journalisten wie Genossen: Sie stürmen auf Schulz zu, lassen ihm keinen Zentimeter Platz. Pressing aus dem Lehrbuch. Schulz, ganz Profi, bleibt gelassen, dribbelt gekonnt durch die Reihen, vorbei am Trommler und den wenigen Fans hinunter auf den Rasen. „Ein toller Termin“ sei das, sagt Schulz, „hier in Mecklenburg-Vorpommern bei Freunden.“ Er spricht davon, „Zeichen zu setzen“ gegen Rechtsextremismus, „in Parchim versteckt sich keiner.“ Bald schon will Schulz den Schwarzen, seinem Gegner um Kapitänin Angela Merkel, „die rote Karte zeigen.“

Schulz ist endgültig in seinem Element. Er schnappt sich einen Ball und versucht ihn hochzuhalten. Klappt nicht. Schulz sagt: „Komm, einen setze ich drauf.“ Er legt sich den Ball auf den Neunmeterpunkt, drückt sein Sakko einem seiner Begleiter in die Hand und läuft an. Mit dem rechten Außenrist schiebt er den Ball flach rechts unten ins Eck. Unhaltbar. Treffer versenkt.

Um Politik geht es auch. An Stehtischen diskutiert er mit Besuchern über ehrenamtliches Engagement, die Lebensleistung der Ostdeutschen, die Flüchtlingspolitik. Schulz: „Ob nun Wahlkampf oder nicht, es gibt Fluchtprobleme“, die von ganz Europa gelöst gehörten. Hinter ihm, auf dem Fußballplatz, läuft längst das Finale.

Bleibt noch das Statement für die TV-Kameras. Schulz, flankiert von Schwesig und Jung, gibt den Trainer auf der Pressekonferenz vor dem großen Spiel. Er schwört seine SPD-Truppe ein: Es braucht Aufbruchstimmung in Deutschland, einen Willen, Dinge zu verändern. Das hat die CDU-Mannschaft nicht. Die SPD, da ist er sich sicher, wird den nächsten Kanzler stellen. Über seine Schulter bekommt er mit: Das Finale muss ins Neunmeterschießen. Schulz grinst. Zur Bundestagswahl am 24. September „wird er den entscheidenden Elfmeter verwandeln“, sagt er.

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