Kinder : Schulsport für viele ein rotes Tuch

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Grund: Bewegung und Beweglichkeit von Kindern nehmen kontinuierlich ab

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22. März 2014, 08:34 Uhr

Egal ob laufen, springen oder werfen: „Die sportliche Leistungsfähigkeit von Kindern hat sich in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich verschlechtert“, konstatiert der Rostocker Sportwissenschaftler Dr. Matthias Weippert. Mehrere Studien – einige davon allerdings schon etwas älter – würden das vor allem für den Bereich der Leichtathletik im Schulsport belegen: So hat sich binnen zehn Jahren das durchschnittliche Ergebnis zwölfjähriger Jungen im Schlagballweitwurf von 32 auf 27 Meter verringert. Mädchen dieses Alters seien beim 60-Meter-Sprint innerhalb von 15 Jahren um eine ganze Sekunde langsamer geworden. Beim Ausdauerlauf wurden, über einen 20-Jahres-Zeitraum beobachtet, um ein Fünftel schlechtere Ergebnisse erreicht. „Die Hälfte aller Kinder schafft es heute nicht mehr, bei der Rumpfbeuge im Liegen ihre Fußsohle zu erreichen“, nennt Weippert ein weiteres Beispiel. Misserfolge aber demotivierten die Kinder, für die der Sportunterricht teilweise zum sprichwörtlichen roten Tuch werde.

Die Gründe für die verschlechterten Leistungen liegen für den Sportwissenschaftler auf der Hand: „Die gesamte Bewegungszeit hat extrem abgenommen.“ Während sich Kinder und Jugendliche in den 70er-Jahren täglich noch drei bis vier Stunden bewegt hätten, sei es heute nur noch eine Stunde – und die auch nicht mehr besonders intensiv. Dafür würden 40 Prozent der Jungen zwischen 14 und 17 Jahren heute fünf Stunden täglich vor dem Fernseher, Computer oder der Spielkonsole verbringen. Jedes sechste Mädchen dieses Alters telefoniert täglich drei Stunden lang. Eine Folge: Immer mehr Kinder und Jugendliche sind übergewichtig. Schon im Kindergarten ist es jedes zehnte Kind, in der Grundschule bereits beinahe jedes fünfte. Dafür würden Kraft, Ausdauer und allgemeine Beweglichkeit immer mehr abnehmen.

Viele Sportlehrer seien auf die damit verbundenen Herausforderungen nicht vorbereitet, so Weippert, der heute auf einer Schulsportkonferenz in Güstrow über mögliche Konsequenzen sprechen will. Neue Unterrichtskonzepte seien erforderlich, nachdenken müsse man auch über neue Normen für die Leistungsbewertung. Denn grundsätzlich, so Weippert, sei die Einstellung der Mädchen und Jungen zu sportlicher Betätigung eine positive: Immerhin 80 Prozent der unter 15-Jährigen gehören einem Sportverein an.

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