Schulleitervereinigung MV : Schulleiter: „Wir fahren auf Verschleiß“

Blick in ein Klassenzimmer. Fast jeder Zweite ist unzufrieden mit dem Bildungssystem in Deutschland.
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Blick in ein Klassenzimmer. Fast jeder Zweite ist unzufrieden mit dem Bildungssystem in Deutschland.

Im 25. Jahr ihres Bestehens schlägt die Schulleitervereinigung MV Alarm: Immer mehr Aufgaben, zu wenig Leitungszeit und eine geringe finanzielle Wertschätzung

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24. April 2018, 20:45 Uhr

Im 25. Jahr ihres Bestehens schlägt die Schulleitervereinigung MV Alarm: Immer mehr Aufgaben, zu wenig Leitungszeit und eine geringe finanzielle Wertschätzung bringen die Schulleiter im Land an den Rand der Belastungsgrenze. „Wir fahren auf Verschleiß“, sagte die erste Vorsitzende der Schulleitervereinigung Heike Walter. „Wir müssen die Schulpflicht durchsetzen, die im Ernstfall mit viel bürokratischem Aufwand oder einem Hausbesuch verbunden sein kann. Ständig kommen Erlasse und Verordnungen. Dazu kommt ein Datenerfassungssystem, das täglich unzählige Eingaben erfordert. Dann die Nachweisführung für Maßnahmen, die über den Europäischen Sozialfonds gefördert werden“, listet Heike Walter die Aufgaben auf.

All dies sei mit der gegenwärtigen Menge an Anrechnungsstunden für die Leitungsarbeit immer schwerer zu bewältigen. Im Schnitt, je nach Schülerzahl und Schulart würden die Leiterkollegen zwischen 9 und 15 Stunden pro Woche unterrichten. Ziel der Schulleitervereinigung ist, die Unterrichtszeit auf 3 bis 7 Stunden pro Woche zu reduzieren. Unattraktiv werde der Leiterjob auch durch die geringen Zulagen, die bei etwa 200 Euro Brutto im Monat liegen. Komme ein verbeamteter Lehrer an die Schule, überrundet er beim Einkommen zumeist seinen eigenen Schulleiter.

Ihren Unmut über die Entwicklung wollen die Schulleiter auf ihrem Verbandstag heute in Güstrow an Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) herantragen. Öfter habe man dem Ministerium die Sorgen per Brief geschildert, die Reaktionen darauf seien eher entgeisternd gewesen, beschreibt es Heike Walter.

Unterstützung erhalten die Lehrer von den Linken im Landtag. „Schulleiter werden zunehmend im Spannungsfeld zwischen Unterricht und Schulleitung zerrieben“, warnte Fraktionschefin Simone Oldenburg. Für ihre verantwortungsvolle Tätigkeit bekämen Schulleiter gerade einmal 120 Euro mehr als Kollegen ohne Leitungsaufgaben. Die Aufgabe als Schulleiter müsse wesentlich attraktiver gestaltet werden, so Oldenburg. 500 Euro mehr hält die Abgeordnete für angemessen. „Das könnte der Finanzminister aus der Kaffeekasse zahlen“, glaubt sie. Mehr Geld wird es jedoch nicht geben. „Durch ein noch höheres Gehalt würden die Aufgaben nicht weniger“, teilt das Bildungsministerium mit. Man sei aber offen für Verbesserungsvorschläge bei den Arbeitsabläufen.

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