zur Navigation springen

Mecklenburg-Vorpommern : Schullandheime auf der Kippe

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Angebote für Kinder- und Jugendtourismus geschrumpft, Land zögerlich bei Förderung der Unterkünfte

von
erstellt am 13.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Vor wenigen Jahren war Mecklenburg-Vorpommern in Deutschland noch Vorreiter beim Kinder- und Jugendtourismus. Inzwischen wird das Angebot immer kleiner, konstatiert Bernd Karsten vom Schullandheimverband des Landes. In den vergangenen acht Jahren seien mehr als 40 Quartiere mit knapp 4000 Betten „vom Markt“ gegangen. Das entspricht rund 20 Prozent der Einrichtungen. Karsten beklagt, dass die Große Koalition und die Landesregierung sich nicht klar äußern wollen, ob sie die – häufig gemeinnützigen – Unterkünfte fördern wollen oder nicht.

Während die Jugendherbergen in Mecklenburg-Vorpommern jedes Jahr 218 000 Euro vom Sozialministerium überwiesen bekommen, müssen die anderen, meist sehr viel kleineren Anbieter sich mit „Projekten“ um öffentliche Zuschüsse bewerben. Karsten schätzt, dass die Kinder- und Jugendunterkünfte pro Jahr rund 2,6 Millionen Übernachtungen bewältigen. Die Jugendherbergen haben daran „nur“ einen Anteil von einem Fünftel.

Um künftig mithalten zu können, müssten vielerorts die Träger der anderen Heime sanieren und modernisieren. Es fehlt ihnen jedoch das Geld, dies allein zu stemmen, sagt Karsten. Sonst drohen weitere geschlossen zu werden. Von früher 44 Schullandheimen sind zum Beispiel sowieso nur noch 14 übrig. Auch von diesen stehen einige auf der Kippe, so Karsten. Er sieht die Vielfalt der Möglichkeiten in Gefahr. Viele verschiedene Träger würden auch viele verschiedene Konzepte anbieten und sehr unterschiedliche Zielgruppen ansprechen und ins Land lotsen können.

„Es geht um Jugendtourismus, nicht um Familientourismus“, sagt Kasten. Es sei für die soziale und pädagogische Arbeit wichtig, dass Kinder und Jugendliche mit ihren Sportvereinen, Schulklassen, Jugendfreizeiten, Tanz- und Musikgruppen oder kirchlichen Rüstzeiten ohne Eltern unterwegs sein können.

Im Schweriner Landtag haben die Kinder- und Jugendtouristiker bislang aus ihrer Sicht keine klaren Antworten bekommen. Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) hingegen verwies vor Kurzem darauf, dass sein Ministerium gerade eine Studie erarbeiten lasse, um die 240 betroffenen Unterkünfte „einmal in den Blick zu nehmen. Das dauere halt noch gewisse Zeit.

Der SPD-Abgeordnete Patrick Dahlemann dämpfte bereits im Juli in einer Rede vor dem Landtag Karstens Hoffnungen auf öffentliche Unterstützung. Schließlich gebe es immer weniger Schüler, die in die Heime fahren könnten. Und außerdem gehe nun einmal der Trend zum Besuch in großen Städten. Und die Reise-Wünsche der Kinder und Jugendlichen könnten schlecht ignoriert werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen