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Mecklenburg-Vorpommern

22. November 2017 | 16:03 Uhr

Inklusionsmodell : Schulkonzept mit Lücken

vom

Viele Eltern fühlen sich vom Schweriner Bildungsministerium schlecht über die Zukunft der Regel- und der Förderschulen informiert. Es bleibt ein heiß diskutiertes Thema.

svz.de von
erstellt am 13.Nov.2011 | 08:55 Uhr

Schwerin | Viele Eltern fühlen sich vom Schweriner Bildungsministerium schlecht über die Zukunft der Regel- und der Förderschulen informiert. Das wurde bei einer Podiumsdiskussion über die so genannte Inklusion deutlich, die der Landeselternrat am Sonnabend in Linstow veranstaltete. "Es bleibt ein heiß diskutiertes Thema", sagte Vorstandsmitglied Torsten Werner. "Bei vielen Eltern ist noch nicht angekommen, welche Schüler künftig gemeinsam auf welche Schulen gehen sollen und wie das vorbereitet und organisiert wird." Das Konzept der Inklusion sieht vor, möglichst viele Förderschulen nach und nach aufzulösen und die betroffenen Kinder stattdessen an den Regelschulen gezielt zu fördern.

Zahlreiche Zettel schrieb ein Mitarbeiter des Bildungsministeriums voll, um grundsätzliche Bedenken wie auch konkreten Ärger der rund 100 Elternräte zu notieren und dem neuen Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) zu präsentieren. Einige Eltern befürchten Nachteile für ihre Kinder, wenn die Schüler aus den Regelschulen und bisherigen Förderschulen nach und nach gemeinsam in einer Klasse sitzen. Die einen glauben zum Beispiel, dass das Leistungsniveau der Klasse sinkt und ihr Kind den Sprung ins Gymnasium nicht schafft. Eltern von Förderschülern wiederum haben Angst, dass ihre Sprösslinge ohne den "Schonraum" der Förderschule und die besondere Betreuung der Sonderpädagogen in einer Regelklasse untergehen, wenn das Inklusions-Modell seinem Ideal nicht gerecht wird.

Während die Eltern wussten, dass auf Rügen seit einem Jahr ein Modellversuch zur Inklusion läuft, fühlten sich viele davon überrumpelt, dass Schüler mit Lernschwierigkeiten inzwischen im ganzen Land an den Regel-Grundschulen und nicht mehr an Förderschulen eingeschult werden. Darauf seien weder die Lehrerinnen noch die Eltern ausreichend vorbereitet worden, kritisierte ein Vater. "Manchmal fühlen wir uns wie Versuchskaninchen."

Gut zehn Prozent von 127 000 Schülern in MV haben einen "Förderbedarf". Der Anteil liegt doppelt so hoch wie im Bundesschnitt. Ein Viertel der betroffenen Kinder gehen bereits auf Regelschulen. Die SPD/CDU-Koalition hat inzwischen die Einführung der Inklusion gebremst. Das Rügener Modell soll "frühestens zum Schuljahr 2014/15" auf alle Schulamtsbezirke ausgedehnt werden. Zur neuen Landeselternratsvorsitzenden wurde indes Yvonne Tabel-Blaumann aus Neuenkirchen bei Greifswald gewählt.

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