Deutscher Schulpreis 2013 : Schulen aus MV machen sich rar

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Prof. Dr. Thomas Häcker red

Der Professor Thomas Häcker aus Rostock wirkt in der Jury für den Deutschen Schulpreis der Robert-Bosch-Stiftung mit. Motto 2013: Dem Lernen Flügel verleihen. Die Entscheidung fällt heute in Stuttgart.

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21. März 2013, 09:55 Uhr

Rostock | Heute fährt Prof. Thomas Häcker, Direktor des Instituts für Schulpädagogik an der Universität Rostock, nach Stuttgart zur Entscheidung über den Deutschen Schulpreis der Robert-Bosch-Stiftung. Motto 2013: Dem Lernen Flügel verleihen. Der Dozent gehört zu einem runden Dutzend Bildungsforscher und -politiker aus Deutschland, Österreich, den Niederlanden und der Schweiz, die über eine der renommiertesten Ehrungen für Schulen bundesweit befinden. Der Hauptpreis ist mit 100 000 Euro dotiert, 2012 war er der Evangelischen Schule Neuruppin (Brandenburg) zuerkannt worden. Marlis Tautz sprach mit dem Juroren über seine Arbeit.

Herr Professor, wie sind Sie zur Mitarbeit in der Jury gekommen?

Prof. Häcker: Im Herbst vergangenen Jahres wurde ich für vier Jahre in die Jury berufen. Kandidaten werden auf Empfehlung angesprochen.

Was genau ist Ihre Aufgabe?

Aus den 114 Bewerbungen um den Schulpreis 2013 wurde eine Vorauswahl getroffen, die Top 50. In unserer ersten Jurysitzung haben wir daraus die Top 20 gekürt. Dazu wurden Tandems aus je zwei Juroren gebildet, die 14 bis 15 Bewerber anhand ihrer schriftlichen Selbstdarstellungen zu bewerten hatten. Bei den letzten 20 prüfen dann Besuchsteams aus mehreren Jurymitgliedern, ob die Realität der eingereichten Präsentation und den Kriterien des Schulpreises entspricht. Die Teams besuchen die Schulen für je zwei Tage und verfassen einen ausführlichen Abschlussbericht. Auf dieser Grundlage entscheidet die Jury. Neben dem Hauptpreisträger gibt es zwei weitere Preise und eine Liste mit nominierten Schulen.

Das klingt nach einer Menge Zeit- und Arbeitsaufwand…

Es macht tatsächlich sehr viel Arbeit. Manche Schulen bewerben sich mit Dossiers von plus/minus 150 Seiten. Dennoch ist das für mich wie eine Tankstelle. Ich darf Schulen kennenlernen und besuchen, die sich auf den Weg gemacht haben und gemeinsam ein Konzept verfolgen. Das ist sehr bereichernd.

Gibt es ein allgemein gültiges Erfolgsrezept für eine gute Schule?

Das kann ich ganz klar mit Nein beantworten. Ich staune selbst immer wieder, wie viele Facetten guter Schule es gibt. Entscheidend ist die Frage: Was ist eine gute Schule an einem bestimmten Standort. Eine der Schulen, die ich besuchen konnte, steht zum Beispiel in Mannheim mitten im Rotlichtbezirk und hat demzufolge eine ganz spezielle Schülerklientel.

Unter den diesjährigen Bewerbern waren nur drei Schulen aus Mecklenburg-Vorpommern, keine schaffte es ins Finale. Aus Nordrhein-Westfalen gingen 30 Schulen ins Rennen, fünf sind in der engeren Auswahl. Wodurch entsteht dieses Ungleichgewicht?

Die Zahl der Bewerbungen aus NRW - etwa ein Viertel - bildet die Quantität ab (NRW ist das bevölkerungsreichste Bundesland, die Red.). Das gilt auch für andere große Länder wie Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen. Beim ersten Schulpreis 2006 hatten sich noch 28 Schulen aus Mecklenburg-Vorpommern beworben, insgesamt waren es bis jetzt 44. Ich würde mich freuen, wenn Schulen, die sich noch nicht getraut haben, ihre Zurückhaltung aufgeben, und Schulen, die es schon mal probiert haben, es wieder versuchen. Denn es gibt eine ganze Reihe von Schulen, deren Arbeit sich sehen lassen kann.

Bringen Sie gute Konzepte eher mit staatlichen oder mit privaten Schulen in Verbindung?

Sowohl als auch. Interessant ist es hier, die Genese vieler Privatschulen einmal näher zu betrachten. Die fallen ja nicht vom Himmel. Sie werden oft von Lehrerinnen und Lehrern gegründet, die selbst lange an staatlichen Schulen gearbeitet und sich dort sehr engagiert haben. Einige von ihnen wollen dann pä dagogisch und didaktisch noch einige Schritte weiter gehen und stoßen an gewisse Grenzen. Es gibt gute staatliche Schulen und solche in privater Trägerschaft. Manche Schulen in privater Trägerschaft nutzen ihre pädagogischen Möglichkeiten sehr innovativ aus, manche mutige staatliche Schulen tun das aber ebenso.

Was macht Ihrer Ansicht nach eine gute Schule aus?

Drei Kriterien erscheinen mir besonders wichtig. Zum ersten: der Umgang mit Leistung. Dabei muss scharf getrennt werden zwischen der Lernsituation und der Leistungserbringung. In der Lernsituation müssen Fehler zugelassen werden, um daraus zu lernen. Bei der Leistungserbringung wiederum sollen Fehler vermieden werden. Dafür sind verständliche, transparente Gütekriterien notwendig. Lehrer müssen den Schülern inhaltlich gehaltvolle Rückmeldungen über die erbrachte Leistung geben, was war gut, was nicht und aus welchen Gründen. Zweites Kriterium: der Umgang mit Vielfalt. Eine gute Schule akzeptiert die Verschiedenartigkeit von Menschen als Normalfall und als Bereicherung.

Und das dritte Kriterium?

Das betrifft die Unterrichtsgestaltung und die Frage, inwieweit sich die Schule in der Verantwortung sieht für den Lernerfolg der Schüler im Unterricht. Dabei geht es nicht nur um ein gutes Lernangebot, sondern auch darum, wie dieses Angebot vom Schüler genutzt werden kann. Und der I-Punkt ist, dass sich eine gute Schule als Ganzes versteht, das die Überzeugungen für Konzept und Arbeitsweise auf allen Ebenen gemeinsam erarbeitet und vertritt.

Wann steht der Schulpreisträger 2013 fest?

Die Jury wird am Donnerstag die Entscheidungen treffen, verkündet werden sie aber erst zur Preisverleihung mit Kanzlerin Merkel am 3. Juni in Berlin. Alle Jurymitglieder sind zum Stillschweigen verpflichtet.


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