"Schule Plus" gerät außer Plan

Seit fünf Jahren läuft das Projekt "Schule Plus" im Land erfolgreich. Dabei werden spezielle Nachmittagskurse für Schüler angeboten, die von außerschulischen Dozenten geleitet werden. Doch in diesem Schuljahr drohte das Projekt zu scheitern: Die Finanzierung erfolgte mit erheblicher Verspätung.

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10. April 2009, 09:46 Uhr

Schwerin/Rostock | Erleichterung bei 450 Dozenten im Land: Endlich bewilligte das Wirtschaftsministerium die seit Anfang des Schuljahres versprochenen Gelder in Höhe von 2,1 Millionen Euro. Geld, auf das die Projektträger und Dozenten seit Oktober warten mussten. Es geht um die Honorarzahlungen für ihre Kurse an den Ganztagsschulen.

Eine der Dozentinnen ist die Kulturwissenschaftlerin Steffi Guddat. Sie dreht an der Gesamtschule in Rövershagen mit 12- bis 14-Jährigen einen Spielfilm. "Seit Oktober unterrichte ich die Schüler in der Videokunst", erzählt die 30-Jährige, "doch erst nun bekam ich endlich das Honorar dafür".

Ähnliche Erfahrungen sammelte auch Christoph Chciuk. Er unterrichtet nachmittags ein Wahlpflichtfach an einer Rostocker Gesamtschule: "Ich hatte Glück, dass die Rostocker Kunstschule in Vorkasse ging", sagt der 30-jährige freie Künstler. "Niemand von uns Dozenten wusste, ob ,Schule plus tatsächlich finanziert wird."

Das Projekt "Schule Plus" läuft seit fünf Jahren. Laut Konzept beauftragen Bildungseinrichtungen für Nachmittagskurse außerschulische Fachdozenten. Gefördert werden derzeit 500 Projekte aus den Bereichen Neuen Medien, Naturwissenschaft, Technik, Gesellschaft und Forschung. Insgesamt 5300 Schüler nutzen nach Angaben der Regionale Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie (kurz RAA) die Angebote der Nachmittagskurse. Die Trägergemeinschaft besteht aus den Vereinen "Deutsche Kinder und Jugendstiftung" (DKJS) sowie der RAA. An die RAA stellen Träger die Anträge für ihr Projekt und von ihr bekommen sie die Gelder überwiesen. Finanziert wird "Schule Plus" von Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds. Das Ministerium für Wirtschaft in Schwerin reicht die Finanzen an DKJS und RAA weiter. Diese wiederrum verteilen das Geld an die Träger.

Für eine 90-Minuten-Unterrichtseinheit wird der Dozent mit bis zu 45 Euro vergütet. Doch der Fördermittelbescheid vom zuständigen Wirtschaftsministerium kam erst vor einigen Tagen: Empörung beim größten externen Träger für die Schulprojekte im Land, dem Institut für neue Medien (IFNM) in Rostock. "Wir haben durch das lange Hinhalten jegliches Vertrauen in das Ministerium verloren", sagt Geschäftsführer Klaus Blauzun. In der Zeit von Oktober bis Februar wurden die Träger vier Mal vertröstet. "Immer wieder hieß es von Seiten der RAA und dem Wirtschaftsministerium, das Geld würde demnächst überwiesen", so Blauzun.

"Wir bekamen Schwierigkeiten, unter diesen Umständen kompetente Dozenten für die Arbeit mit den Kindern- und Jugendlichen an Schulen zu gewinnen", sagt Simone Briese von der Rostocker Kunstschule, einem anderen externen Träger für "Schule Plus"-Projekte. Beide werfen dem Ministerium vor, ungenügend kommuniziert zu haben.

Schulen gründen gemeinnützige VereineDas Wirtschaftsministerium räumt ein, viel Zeit während des Prüfverfahrens für die Mittelzuweisung benötigt zu haben. Knackpunkt war ein Streit zwischen dem Ministerium und der RAA. Hans-Christoph Sauer, zuständig für die Umsetzung des Programms aus dem Ministerium, sagt: "Es war notwendig, mit der RAA über ihre Konditionen neu zu verhandeln". Mit dem Betreuen und Vermitteln der Projektgelder finanziert sich die RAA. Von Seiten des Ministeriums seien ihre Konditionen allerdings überhöht gewesen. "Nun sind die Fördermittel von insgesamt 2,1 Millionen bis Ende 2011 sicher", beschwichtigt Gerd Lange, Sprecher vom Wirtschaftsministerium.

Unterdessen verabschieden sich die Schulleitungen zunehmend von der ursprünglichen Idee, externe Dozenten an die Bildungseinrichtungen zu holen. Nach Auskunft der RAA werden mittlerweile lediglich 60 Prozent der Künstler und Wissenschaftler von außerschulischen Organisationen gestellt. 40 Prozent der Dozenten seien Lehrkräfte der eigenen Schule, "die in ihrer Freizeit Kurse anbieten", wie Eike Schulze von der RAA erklärt. Vor allem Lehrer mit Teilzeitverträgen würden die Möglichkeit nutzen, auf die zusätzlichen Gelder vom europäischen Sozialfonds zuzugreifen. "Um als Schule die Fördermittel nutzen zu können, gründen sie gemeinnützige Vereine", sagt Eike Schulze. Er wolle nicht ausschließen, dass daher verstärkt Schulfördervereine im Land gegründet worden sind.

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