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MV-Forscher entwickeln Bio-Pflanzenschutzmittel : Schützendes Pilzgas für Bananen

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Millionen Tonnen Obst, Gemüse und Getreide werden bisher für Transport und Lagerung mit chemischen Pflanzenschutzmitteln haltbar gemacht. Nun setzen Mecklenburger Forscher dafür auf ungiftige Gase eines Pilzes.

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erstellt am 30.Jan.2012 | 08:21 Uhr

Wismar | Bio-Früchteschutz statt chemische Keule: Mit natürlichen Pilzgasen wollen Mecklenburger Forscher künftig gegen gefährliche Erreger auf Obst, Gemüse und Getreide vorgehen. Die Prophyta Biologischer Pflanzenschutz GmbH und die Hochschule Wismar entwickeln dazu in den nächsten zwei Jahren gemeinsam ein Verfahren, um die Stoffwechselgase des ursprünglich in Südamerika entdeckten Pilzes "Muscodor albus" industriell herstellen und als umweltfreundliches Fungizid weltweit auf den Markt bringen zu können, kündigte Prophyta-Geschäftsführer Peter Lüth gestern in Wismar an.

Ein aussichtsreiches Geschäft: Die EU plant bis 2013 eine Reduzierung der chemischen Pflanzenschutzmittel um mindestens 50 Prozent gegenüber 2005, wie das Wirtschaftsministerium erklärte. Derzeit würden jährlich Milliarden Tonnen Obst und Gemüse weltweit eingelagert, verschifft und transportiert. Zum Schutz vor Pilzen, Keimen und Bakterien würden die Nahrungsmittel mit chemischen Substanzen begast oder behandelt. Umweltfreundlicher indes seien biologische Mittel auf Basis von Mikroorganismen, sagte Johannes Jehle, Leiter des Instituts für biologischen Pflanzenschutz (Julius Kühn-Institut (JKI) Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen). "Diese ungiftige Methodik ist völlig ungefährlich für Mensch und Umwelt", erklärte der Experte.

Das neue Pilzgas könnte auch des Deutschen liebste Frucht, die Banane, auf natürliche Weise vor Fäulnis bewahren, hofft Lüth. Jährlich gingen weltweit rund 10 Millionen Tonnen Bananen aus den Hauptanbaugebieten etwa in Südamerika auf die Reise rund um den Erdball. Damit die gelben Früchte sicher und appetitlich beim Verbraucher ankommen, würden sie vor dem Transport in chemische Substanzen getaucht. Diese Mittel könnten problemlos durch das neue biologische Gas ersetzt werden, hofft der Wismarer Wissenschaftler. Damit lasse sich der Gebrauch toxischer Begasungsmittel deutlich reduzieren und die Lagerfäule umweltschonend und ohne Rückstände bekämpfen. Die Neuentwicklung sorgt für Arbeit in MV: Das neue Verfahren solle in vier bis fünf Jahren produktionsreif sein, kündigte Lüth an. "Das Pflanzenschutzmittel soll in Wismar produziert werden." Prophyta werde dazu eine neue Produktionslinie aufbauen. Damit könne dann die Gesamtproduktion verdoppelt werden.

Prophyta hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der führenden Hersteller von bilogischen Pflanzenschutzmitteln entwickelt. Das 1992 in Malchow auf der Insel Poel gegründete Unternehmen entwickelt, produziert und vermarktet biologische Präparate auf Basis lebender Mikroorganismen wie Pilzen, um chemische Pflanzenschutzmittel zurückzudrängen. In Wismar werden jährlich unter anderem rund 350 Tonnen eines aus Pilzsporen gewonnenen Granulats hergestellt. Das biologische Fungizid "Contans WG" kommt seit Jahren in den USA und der EU auf Raps-, Blumen-, Salatfeldern gegen eine Pflanzenfäule zum Einsatz. Das Präparat trage zur natürlichen Gesundung von Ackerböden bei, erklärte Agrarwissenschaftler Peter Lüth.

Für seine Erfindung wurde er 2002 mit dem Deutschen Umweltpreis geehrt. Das jetzt gestartete zweijährige Forschungsprojekt der Mecklenburger wird vom Land mit insgesamt 132 000 Euro gefördert. Die Art der Verbundforschung solle in Mecklenburg-Vorpommern intensiviert werden, erklärte Wirtschaftminister Harry Glawe (CDU) gestern. Für den Zeitraum 2007 bis 2013 stehen im Land insgesamt rund 155 Millionen Euro für Forschung und Entwicklung zur Verfügung. Davon sind 113 Millionen Euro bisher in 624 Forschungsprojekten gebunden, 258 gehören zu Verbund-Vorhaben von Wirtschaft und Wissenschaft.

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