Kinderschutzbund : Schüler verhindern Mobbing

Schüler schlichten Streit unter Schülern: Kinderschutzbund-Projekte wie dieses im Landkreis Ludwigslust-Parchim können auch in der Prignitz entstehen.
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Schüler schlichten Streit unter Schülern: Kinderschutzbund-Projekte wie dieses im Landkreis Ludwigslust-Parchim können auch in der Prignitz entstehen.

Streitschlichtungsprogramm des Kinderschutzbundes hat seit 2008 im Altkreis Ludwigslust etwa 500 Schüler erreicht / Ohne Spenden wäre das nicht möglich

svz.de von
02. Dezember 2014, 07:45 Uhr

Ein kleiner Rempler beim Spielen, eine lautstarke Diskussion – normale Situationen auf vielen Schulhöfen in Mecklenburg-Vorpommern. Doch wenn aus den unbeabsichtigten Remplern Ernst oder aus den kleinen Streitigkeiten schwere Konflikte und Mobbing werden, können manchmal nur die Streitschlichter an den Schulen helfen – und diese sind selbst Schüler. „Wenn sich Schüler in einem Konflikt nicht weiter zu helfen wissen, kommen sie zu uns“, sagt Jasmin Krehn. Die 15-Jährige ist Streitschlichterin an der Förderschule „Johann Heinrich Pestalozzi“ in Ludwigslust. Das Projekt hat der Kreisverband Ludwigslust-Parchim des Kinderschutzbundes auf die Beine gestellt.

Dass die Streitschlichter aber nicht immer beliebt sind, musste Raphael Lendt erfahren: Er sollte einen Schüler zu einem Lehrer bringen, doch der Junge wollte partout nicht. „Schließlich kam es soweit, dass er weglief und ich ihn mit einem Freund festhalten musste. Er hat sich aber so gewehrt, dass ich plötzlich seinen Fuß im Gesicht hatte. Keine schöne Erfahrung“, erzählt der 15-Jährige.

An seiner Aufgabe zweifelt Raphael Lendt dennoch nicht. „Es ist wichtig, dass wir diese Arbeit machen, damit andere Kinder nicht gemobbt oder geärgert werden.“ Diese Erfahrung hat Raphael selbst machen müssen: „In der Schule, an der ich vorher war, wurde ich wegen meiner Lernschwäche gehänselt. So ein Erlebnis ist nicht schön. Das möchte ich anderen Kindern ersparen.“

Die Arbeit ist aber auch anstrengend: Neben den jeweils zweimal drei Tagen für die Grund- und die methodische Ausbildung opfern die Schüler oftmals ihre Freizeit, um Konflikte zu lösen oder sich fortzubilden. „Wir bleiben so lange mit den Parteien zusammen, bis es eine Lösung gibt“, sagt Jasmin Krehn. Deshalb sei es hilfreich, wenn die Schüler Unterstützung von den Lehrern erhalten, etwa durch Freitstellung im Notfall.

Methoden zur Konfliktlösung lernen die Schüler in einer grundlegenden Ausbildung und weiteren vertiefenden Seminaren. „Die Schlichter selbst sollen nicht den Konflikt lösen, sondern die Konfliktparteien – und das müssen Jugendliche lernen“, betont Schulsozialarbeiterin Angelika Ebert, die auch im Kinderschutzbund aktiv ist. Sie arbeitet mit den Schülern nicht nur während der Seminare, sondern unterstützt sie auch bei der Konfliktlösung. „Wenn eine Schule das Streitschlichtungsprogramm einführt, ist es unabdingbar, dass sie dies in einer Hausordnung festhält.“

Auch ausgebildete Streitschlichter verlassen irgendwann die Schule. Um den Nachwuchs für das Programm zu sichern, wird aktiv in den siebenten Klassen um sie geworben, denn erst Achtklässler dürfen als Schlichter tätig sein. „Doch schon in der siebten Klasse können sich die Schüler für die Ausbildung bewerben“, erklärt die Schulsozialarbeiterin. Die Kurse sind momentan sehr begehrt, kosten aber auch Geld. Die Landes-Zuschüsse reichen nicht aus, deshalb wird um Spenden geworben: „Allein für dieses Jahr habe ich schon acht Bewerbungen. Es wollen viele junge Leute helfen und mitarbeiten.“ Seit 2008 wurden allein im Alt-Landkreis Ludwigslust etwa 500 Schüler durch das Schlichtungsprogramm erreicht. „Wir wollen noch mehr erreichen“, sagt Angelika Ebert. Schüler helfen Schülern – das ist das Motto der Streitschlichter.

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