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Klassenfahrten ins KZ : Schüler reisen in die Geschichte

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Land erweitert Förderangebot für Fahrten zu KZ-Gedenkstätten: Bethe-Stiftung und MV stellen gemeinsam jährlich 220 000 Euro bereit

von
erstellt am 03.Feb.2015 | 07:39 Uhr

Geschichte ist mehr als Zahlen und Fakten. Das gilt besonders, wenn es um die Auseinandersetzung mit dem wohl dunkelsten Kapitel in der deutschen Geschichte geht – dem Holocaust. Der Zentralrat der Juden schlägt nun vor, dass jeder Schüler ab der neunten Klasse verpflichtend eine KZ-Gedenkstätte besucht. „Theorie und Unterricht sind schließlich die eine Sache, das konkrete Erleben vor Ort, die plastische Anschauung die andere“, sagte Zentralrats-Präsident Josef Schuster in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Bundesländer, in denen es eine solche Pflicht nicht gibt – so wie in Mecklenburg-Vorpommern – forderte er auf, eine entsprechende Regelung einzuführen.

Bildungsminister Matthias Brodkorb (SPD) lehnt die Idee jedoch ab. Er hält es zwar für wichtig, dass sich Schüler mit der deutschen Geschichte auseinandersetzen, sich mit den Folgen des Zweiten Weltkrieges an authentischen Orten beschäftigen, einen Zwang aber für wenig sinnvoll. Er setzt vielmehr auf die Freiwilligkeit interessierter Schüler.

Das Engagement der jungen Generation unterstützt Mecklenburg-Vorpommern auch finanziell. So können Schulen seit 2008 Fördermittel für Klassenfahrten zu Gedenkorten der Opfer der jüngeren deutschen Geschichte beantragen. Doch damit nicht genug. Nun soll die Gedenkarbeit über den Holocaust an MVs Bildungseinrichtungen noch intensiviert werden. Dafür stockt das Land sein Förderangebot auf. Das Bildungsministerium arbeite gegenwärtig ein neues Programm aus, mit dem es jährlich knapp 450 Mädchen und Jungen möglich sein soll, für wenig Geld an anspruchsvollen Bildungsreisen zu osteuropäischen Gedenkstätten teilzunehmen.

Dafür kooperiere das Land mit der Bethe-Stiftung. Die private Organisation der Eheleute Roswitha und Erich Bethe sei bereit jährlich 150  000 Euro für Schülerfahrten zur Verfügung zu stellen. Das Land gebe 70  000 Euro dazu. „Dadurch können mehrtägige Auslandsreisen für Schüler so hoch unterstützt werden, dass für diese lediglich ein Teilnahmebeitrag in Höhe von 40 Euro zu entrichten sein soll“, erläutert Henning Lipski, Sprecher des Bildungsministeriums, die Pläne. „Die Jugendlichen könnten beispielsweise das Konzentrationslager in Auschwitz besichtigen, eine Stadtführung durch Krakau machen sowie die Fabriken von Oskar Schindler und das damalige Judenviertel besuchen. Damit können die Jugendlichen Geschichtsunterricht an einem Ort erleben, wo Geschichte passiert ist“, sagt Erich Bethe, der die nach ihm benannte Stiftung 1996 geründet hat. „Damit wollen wir einen Beitrag leisten, dass die Geschehnisse von einst nicht in Vergessenheit geraten“, so der 74-Jährige.

Eine entsprechende Absichtserklärung beider Partner sei bereits unterzeichnet. Ein Vertrag folge. Dieser sehe zudem vor, dass die Fahrten über einen Träger der politischen Bildung organisiert werden, der den Schulen bei der Antragsstellung und der Abrechnung der Mittel unterstützen soll.

Voraussetzung für eine Zuwendung sei ein zugrunde liegendes pädagogisches Konzept. „Wichtig ist, dass Lehrer die Schüler auf die Thematik vorbereiten“, sagt Bethe. Außerdem sei eine Präsentation der gewonnenen Erkenntnisse nach der Reise Pflicht. „Die Schüler können ihre Erlebnisse und Erfahrungen in Vorträgen oder Diskussionsrunden wiedergeben – vielleicht auch im Zusammenhang mit einem Elternabend“, erklärt der Stifter.

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