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Übergewichtige Kinder : Schüler-Fitness auf dem Prüfstand

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

NRW plant Tests, MV nicht – doch auch hier gibt es ein gewichtiges Problem

svz.de von
erstellt am 22.Mai.2014 | 07:59 Uhr

Mehr Zeit vor Fernseher oder Computer, dafür weniger Bewegung – das schlägt sich bei immer mehr Kindern und Jugendlichen auf der Waage nieder: Jedes siebte Kind in Deutschland ist übergewichtig, bei jedem 17. Kind wird sogar Adipositas, also krankhaftes Übergewicht, diagnostiziert. Nordrhein-Westfalen will dem nun entgegensteuern und ab August in vorerst 25 Modellkommunen einen Fitnesstest für Grundschüler einführen. In Mecklenburg-Vorpommern sei Vergleichbares nicht geplant, erklärte der Sprecher des Bildungsministeriums, Henning Lipski, gestern auf Nachfrage unserer Redaktion. Hier setze man stattdessen auf „Bewegungsorientierte Gesundheitswochen“, für die das Ministerium Grundschulen Empfehlungen zur Verfügung stelle.

Gründe dafür gibt es auch hier allemal: Dem im vergangenen Jahr veröffentlichten Kinder- und Jugendgesundheitsbericht zufolge ist auch in Mecklenburg-Vorpommern der Anteil übergewichtiger und motorisch auffälliger Kinder seit Jahren besorgniserregend hoch. So waren im Schuljahr 2011/12 immerhin zwölf Prozent der Erstklässler übergewichtig, 5,3 Prozent sogar adipös. Sportliche Freizeitangebote und Projekte zum Thema gesunde Ernährung in Kindertagesstätten zeigten also nicht die gewünschte Wirkung, konstatiert der Bericht.

Mit zunehmendem Alter wird der Anteil übergewichtiger und adipöser Kinder im Land sogar noch größer. 2011/12 war gut jeder fünfte Achtklässler (21,7 Prozent) übergewichtig, jeder zehnte (10,3 Prozent) sogar adipös. Das schlägt sich in ihrer Beweglichkeit nieder: Die Hälfte aller Kinder erreicht bei der Rumpfbeuge im Liegen ihre Fußsohle nicht mehr. Zwölfjährige Jungen werfen heute mit dem Schlagball im Durchschnitt fünf Meter weniger weit als vor zehn Jahren (damals 32, heute 27 Meter). Zwölfjährige Mädchen sind im gleichen Zeitraum beim 60-Meter-Lauf um eine ganze Sekunde langsamer geworden.

Die Ursachen sind vielschichtig. Großen Stellenwert hat dem Kinder- und Jugendgesundheitsbericht zufolge die Ernährung, die einerseits durch Werbung, andererseits durch fehlendes Vorbild im Elternhaus beeinflusst wird. Rostocker Sportwissenschaftler verweisen aber auch darauf, dass sich Kinder immer weniger bewegen. In den 70er-Jahren waren vier bis fünf Stunden körperliche Aktivität am Tag normal – heute ist es noch eine Stunde, und auch in der wird kaum geschwitzt.
 

 

 

 

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