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Mecklenburg-Vorpommern

11. Dezember 2017 | 21:58 Uhr

Stasi-Unterlagen : Schreckenslager hautnah

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ausstellung über sowjetisches Gulag-System für MV gebucht. Das Interesse an Heimkinderfonds ist ungebrochen.

svz.de von
erstellt am 23.Jan.2014 | 07:25 Uhr

Die Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Anne Drescher, hat eine eindrucksvolle Ausstellung über das sowjetische Gulag-System für Mecklenburg-Vorpommern gebucht. Die „Spuren und Zeugnisse“ der Straflager aus der Zeit von 1929 bis 1956 werden von Mitte Juli bis Ende Oktober im Schweriner Marstall gezeigt. Die Ausstellung passe zum grundlegenden Auftrag ihrer Behörde, die Vergangenheit aufzuarbeiten, Opfer zu ehren und Betroffene zu begleiten, sagte Drescher gestern in Schwerin.

Unter den 50 000 Deutschen Gulag-Häftlingen seien auch viele Exilkommunisten gewesen, die unter Stalin in den 1930er-Jahren in Ungnade fielen, so Drescher. Nach 1945 kamen auch Zivilisten aus Mecklenburg hinzu. So verschwand etwa der damalige stellvertretende SPD-Vorsitzende Willi Jesse für Jahre in einem Straflager. In vielen Fällen wurde die sowjetische Geheimpolizei bei Verhaftungen vom der DDR-Staatssicherheit beziehungsweise ihrem Vorläufer in der sowjetischen Besatzungszone unterstützt.

Drescher setzt darauf, dass die Ausstellung über die Landesgrenzen hinaus Besucher anspricht. Sie wird nach Berlin, Leipzig und Weimar zum ersten Mal nördlich von Berlin zu sehen sein. Die Ausstellung soll von mehreren Tagungen, Vorträgen und Gesprächen mit Zeitzeugen begleitet werden, um das Gulag-System einzuordnen in das „Jahrhundert der Lager“, wie Drescher sagte. Vorgänger gab es auch in anderen Ländern seit dem Ersten Weltkrieg. Diskutiert werden soll auch die Frage, in welcher Hinsicht das Gulag-System mit den Konzentrationslagern der Nazis vergleichbar ist.


2,8 Mio. Euro für Zöglinge aus DDR-Spezialheimen


Die Landesbehörde hat bislang 2,8 Millionen Euro an Hilfen für rund 500 ehemalige Zöglinge der DDR-Kinderheime bewilligt. Das Geld soll vor allem für praktische Hilfen für den gewöhnlichen Alltag der in der Regel stark traumatisierten Betroffenen ausgegeben werden. Laut Drescher waren sie fast ausschließlich in den DDR-Spezialheimen untergebracht. Fälle, in denen Kinder und Jugendliche in den normalen Kinderheimen der DDR drangsaliert worden wären, seien kaum darunter. Da es abzusehen ist, dass die bislang bundesweit bereitgestellten 40 Millionen Euro nicht ausreichen werden, forderte Drescher erneut von Landes- und Bundespolitikern, den Hilfsfonds für ehemalige DDR-Heimkinder aufzustocken. Weitere 1100 Betroffene haben sich bislang allein bei Dreschers Behörde gemeldet. Sie müssen derzeit bis zu 18 Monaten auf einen Gesprächstermin warten.

Drescher rechnet damit, dass sich bis 2016 insgesamt 3000 ehemalige Heimkinder bei der Schweriner Behörde melden und Hilfen beantragen werden. Experten gehen davon aus, dass insgesamt 135 000 Kinder und Jugendliche zeitweilig in Spezialheimen zur Umerziehung untergebracht waren.


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