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Landtagswahl MV und ihre Folgen : Schreck-Pomm und Grusel-Szenarien

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kann man nach dem Wahlerfolg der AfD noch Urlaub in MV machen?

svz.de von
erstellt am 06.Sep.2016 | 21:00 Uhr

Es gibt Schlagzeilen in diesen Tagen, die wie eine Reisewarnung klingen: „Schreck-Pomm“ titelte die Bild-Zeitung nach dem Erfolg der Alternative für Deutschland (AfD) bei der Landtagswahl am vergangenen Sonntag. Die Hamburger Morgenpost druckte in fetten Lettern „Zum Schämen“ .

Der Einzug der Populisten in den Schweriner Landtag als zweitstärkste Kraft hinter den Sozialdemokraten hat Mecklenburgs Landtag bundesweite Aufmerksamkeit verschafft.

Die Partei, die ausschließlich mit Stimmungsmache gegen Flüchtlinge punktete, heimste aus dem Stand rund 21 Prozent der Stimmen ein. Das sind die nüchternen Fakten und sie sind nicht schön. Und der Rechtsruck in der Wählerschaft sollte alle etabalierten Parteien zum Nachdenken anregen, warum zehntausende ihrer bisherigen Anhänger auf einmal zur Populisten-Truppe übergelaufen sind und diese es auch noch geschafft hat am vierten September rund 55.000 ehemalige Nichtwähler wieder an die Urne zu bringen.

Andererseits haben sich mehr als 70 Prozent der Wähler für Parteien jenseits des rechten Randes entschieden. Mecklenburg-Vorpommern wird also auch zukünftig von Demokraten regiert. Das scheint ein bisschen unterzugehen. Im Zentrum der Berichterstattung steht dagegen eine Minderheit. Schaut man sich Schlagzeilen und Kommentare im Netz an, könnte leicht der Eindruck entstehen, in Meck-Pomm hätten braune Kräfte das Ruder übernommen und jeder Urlauber und Gast müsse fortan um sein Leben fürchten. „Das am dümmsten besiedelte Bundesland“, twitterte ein Grünenpolitiker und stellte damit alle Einwohner unter eine Art Generalverdacht. Wahlsieger ist aber nicht die Partei um AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm geworden, sondern die SPD mit Ministerpräsident Erwin Sellering.

Die Schreck-Pomm-Schlagzeile findet auch Tobias Woitendorf, Sprecher des Tourismusverbandes nicht besonders gelungen. „Das ist eine Verunglimpfung des Landes und so eine negative Zuschreibung macht auch uns zu schaffen“, sagt Woitendorff. Vorurteile gegen Fremde und Tourismus würden natürlich nicht zusammenpassen. Die AfD sei mittlerweile aber ein gesamtdeutsches Phänomen. Dem müsse sich nicht nur die Branche in Mecklenburg-Vorpommern stellen, sagt Woitendorff weiter.

Mögliche Auswirkungen auf den Tourismus seien derzeit ohnehin nur schwer einzuschätzen. Es gibt Menschen, auf die das Wahlergebnis der AfD befremdlich wirkt und die sich verunsichert fühlen. „Auf der anderen Seite wissen wir noch gar nicht, wie demokratisch die AfD sich aufstellt und welche Arbeit sie im Parlament abliefert.“ Das wird sich in den kommenden Monaten zeigen. „Wir müssen dagegen erklären und zeigen, dass wir ein offenes und gastfreundliches Land sind“, sagt Woitendorff.

Allein wegen des AfD-Erfolges die Apokalypse über Mecklenburg-Vorpommern auszurufen, ist deshalb vielleicht etwas unfair. Baden-Württemberg ist schließlich auch nicht untergegangen. Dort zogen die Populisten mit 15 Prozent ins Länderparlament ein. Und es soll nach wie vor viele Menschen geben, die dort freiwillig Urlaub machen.

>> Alles rund um die Landtagswahl finden Sie in unserem Dossier.

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