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Trotz guter Qualifikation und offener Stellen : Schranken bei der Jobsuche

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„Fachkräfte sind gesucht. Die aktuelle Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt bietet auch für ältere Erwerbslose zunehmend mehr Möglichkeiten." Wenn Egon Tilse solche Sätze hört, dann kann er nur abwinken.

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erstellt am 05.Aug.2012 | 10:23 Uhr

Schwerin | "Fachkräfte sind gesucht. Die aktuelle Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt bietet auch für ältere Erwerbslose zunehmend mehr Möglichkeiten." Wenn Egon Tilse solche Sätze hört, dann kann er nur abwinken. Der 61-jährige Schweriner ist mal wieder auf Jobsuche. "Aber in meinem Alter sind die Chancen trotz guter Qualifikation nicht besonders groß." Das sei seine Erfahrung - leider.

Tilse studierte in den 70er-Jahren an der Ingenieurhochschule in Wismar, war zu DDR-Zeiten als Bauleiter und Technologe tätig. Auch nach der Wende ging es für den Schweriner beruflich zunächst voran. 2001 wurde er dann für zwei Jahre zum ersten Mal arbeitslos, 2005 verlor er erneut den Job. 2009 und 2010 arbeitete Tilse in einem Schweriner Planu ngsbüro. Danach meldete er sich wieder arbeitssuchend.

Der 61-Jährige nimmt an, was ihm geboten wird. "Ich sehe nach links und nach rechts", sagt Tilse. So stieg er im Frühjahr dieses Jahres auch auf einen so genannten Segway und leitete Busse des Nahverkehrs durch die Mecklenburgstraße. "Die Arbeit hat mir Spaß gemacht", betont Tilse. Beherzt habe er sich mit dem kleinen Motorgefährt vertraut gemacht. Angst dürfe man eben nicht haben, wenn man beruflich am Ball bleiben wolle.

Den Job als Segway-Fahrer hatte Tilse mit Unterstützung des Bildungsträgers RegioVision gefunden, der ihm auch schon bei der Vermittlung ins Schweriner Planungsbüro behilflich gewesen war. Über die RegioVision absolvierte der Schweriner unter anderem auch ein Bewerbungstraining, vertiefte seine Computer-Kenntnisse und hielt sich sportlich fit, gefördert aus dem Bun desprogramm "Perspektive 50plus - Beschäftigungspakte für Ältere in den Regionen". "Es gelingt uns, etwa jeden vierten Teilnehmer wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren", berichtet Manfred Porepp, Jobmentor bei RegioVision. Um älteren Erwerbslosen auf dem Arbeitsmarkt eine Chance zu geben, bedürfe es grundsätzlich aber der Anstrengung vieler Akteure.

Auch die Schweriner Arbeitsagentur leiste ihren Beitrag, unterstreicht der stellvertretende Leiter, Lothar Michael. So werde etwa ein Eingliederungszuschuss für Arbeitslose über 50 Jahren weitaus länger gewährt als für jüngere Erwer bslose. Er wolle die Situation aber auch nicht beschönigen, sagt Michael. Trotz zahlreicher offener Stelle hätten es Ältere nach wie vor schwer, einen Job zu finden. "Viele Unternehmen geben jüngeren Bewerbern mit Blick auf eine langfristige Perspektive im Betrieb immer noch den Vorzug", erläutert der Vize-Chef der Arbeitsagentur.

Dabei sprechen die Zahlen für sich: Jede r dritte der aktuell insgesamt rund 24 700 Arbeitslosen in der Region ist 50 Jahre und älter, jeder fünfte bereits 55 Jahre und älter. "Die Unternehmen kommen angesichts der demogra fischen Entwicklung an einem Um denken nicht vorbei. Wenn sie ihren Personalbedarf sichern wollen, müssen sie stärker als bisher auch auf ältere Bewe rber zurückgreifen", verdeutlicht Michael.

Chancen für ältere Arbeitssuchende sieht der stellvertretende Agentur-Leiter unter anderem in der Service-Center-Branche und im Bereich der Verwaltung. "Aber auch im gewerblichen Bereich, etwa für Elektriker oder Mechatroniker, eröffnen sich durchaus Möglichkeiten", so Michael. Punkten könnten ältere Bewerber bei Arbeit gebern insbesondere mit ihrer Erfahrung, ihrer Zuverlässigkeit und ihrer Motivation. "Gemischten Teams aus jüngeren und älteren Mitarbeitern gehört wahrscheinlich die Zukunft", erklärt der Vize-Chef der Agentur.

Egon Tilse jedenfalls gibt nicht auf, hört sich weiter um, schreibt Bewerbungen. "Ich möchte noch etwas leisten", sagt der 61-Jährige. Noch einmal als Bauleiter zu arbeiten, das sei sein Traum.

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