Rudern gegen die Krise : Schottel-Propeller weltweit gefragt

Der Propeller-Hersteller Schottel in Wismar baut seine Spezialantriebe derzeit fast nur noch für ausländische Werften. Foto: Jens Büttner dpa/lmv
Der Propeller-Hersteller Schottel in Wismar baut seine Spezialantriebe derzeit fast nur noch für ausländische Werften. Foto: Jens Büttner dpa/lmv

Die deutsche Schiffbaukrise ist noch nicht vorüber. Zulieferer versuchen gegenzusteuern. Der Propeller-Hersteller Schottel in Wismar baut seine Spezialantriebe derzeit fast nur noch für ausländische Werften.

svz.de von
17. Juli 2012, 10:02 Uhr

Vier neue Hafenschlepper für den Nordosten Chinas sind der jüngste Auftrag der Wismarer Schottel GmbH, einem Hersteller von Schiffsantrieben und Manövriersystemen. 40 Tonnen wiegt ein einziger Ruderpropeller für ein chinesisches Schlepperschiff, 2,50 Meter misst die bronzene Schraube mit speziell designten Flügeln im Durchmesser. „Genauigkeit bei der mechanischen Bearbeitung und Endmontage auf den Hundertstel Millimeter exakt entscheidet mit über Leistung und Energieeffizienz des Antriebs“, sagt Projektmanager André Kadenbach.

Das Wismarer Zuliefererunternehmen rudert gegen die seit drei Jahren anhaltende deutsche Schiffbaukrise an. „Wir sind nur moderat von Auftragsrückgängen betroffen“, sagt Vertriebsingenieur Joachim Pflug. Die rundum steuerbaren Schiffsschrauben des Mecklenburger Unternehmens, sogenannte Verstellpropeller, hätten nach wie vor eine starke Marktposition. So sei seit Anfang 2012 die Kurzarbeit im Unternehmen wieder vorbei. „Wir kommen wohl noch einmal mit einem blauen Auge davon“, meint Pflug.
Wismar habe 2011 mit 70 Propellern ein positives Betriebsergebnis erzielt. Seit Mitte vorigen Jahres seien Aufträge für 60 Verstellpropeller-Wellensysteme eingegangen - fast ausschließlich für Spezialschiffe wie Schlepper, Fähren, Eisbrecher, Feuerlösch- oder Ölbekämpfungsschiffe sowie Offshore-Versorger in Asien, Amerika, Nord- und Südeuropa. „Der konventionelle Markt für Frachtschiffe, der früher an die 40 Prozent des Umsatzes ausmachte, ist praktisch zusammengebrochen“, räumt Pflug ein.

Zugleich liegt die Jahresproduktion der Gruppe mit Sitz in Spay am Rhein (Rheinland-Pfalz) stabil bei über 600 Propelleranlagen. Für die drei Werke in Deutschland und China ist der Gesamtumsatz seit mehreren Jahren rückläufig und lag 2011 bei 230 Millionen Euro.
Weltweit beschäftigt die Schottel-Gruppe aktuell gut 1000 Mitarbeiter, davon 800 in Deutschland. Schottel Wismar zählt 187 Beschäftigte in zwei Unternehmen, davon zehn Lehrlinge und ein Dualstudent.
Trotz der tonnenschweren Stahl- und Bronze-Anlagen: „Bei der Fertigung kommt es auf Feinheiten an“, erklärt Qualitätsmanager Gunnar Dieckmann. „Köpfchen ist bei jeder Anlage gefragt, ob mechanisch oder elektrisch angetrieben, mit verstellbarem oder festem Propeller oder gar ausgeführt als Twin-Propeller mit zwei Schrauben auf einer Welle für Schiffe mit geringem Tiefgang.“ Schließlich entscheide auch die optimale Konstruktion und Auslegung eines Antriebs über eine möglichst geringe Reibung im Wasser und einen sparsamen Spritverbrauch des Fahrzeugs.

Neu im Repertoire der Mecklenburger Antriebsbauer sei ein Verstellpropeller mit fünf statt vier Flügeln, erklärt Vertriebsexperte Pflug. Der Vorteil der Innovation: Mehr Schubkraft könne bei geringem Tiefgang übertragen und eine höhere Geschwindigkeit erreicht werden. Zugleich ließen sich Schwingungen und Geräuschpegel reduzieren. Einsatz dieses Hightech-Antriebs: Auf Polizei- und Patrouillenbooten, schnellen Fähren oder Luxusjachten.
Ihr Debüt werde die fünfflügelige Schraube aus Mecklenburg noch in diesem Jahr auf einem Überwachungsboot im Indischen Ozean haben.


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