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Problem Nuckelflasche : Schon Babys haben kariöse Zähne

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Problem Nuckelflaschenkaries: Zahnärzte wollen Blick für Prophylaxe schärfen

svz.de von
erstellt am 25.Sep.2014 | 08:00 Uhr

Durchschnittlich 15 Prozent der Kinder unter drei Jahren haben bereits kranke Zähne. „Die sogenannte Nuckelflaschenkaries ist ein enormes Problem“, betont der Präsident der Zahnärztekammer MV, Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, zum heutigen „Tag der Zahngesundheit“. Die Gebisse der betroffenen Kinder seien durch den Dauerkonsum insbesondere gesüßter Getränke mitunter so stark geschädigt, dass eine Behandlung nur noch unter Vollnarkose möglich ist. Längst nicht immer kämen die Eltern dieser Kinder aus prekären Verhältnissen, auch in der bürgerlichen Mittelschicht sei die Unkenntnis über zahngesunde Ernährung und Mundhygiene groß, so Oesterreich. „Eine spezifische Prophylaxe für diese Altersgruppe, bei der auch die Eltern über Mundhygiene, den Gebrauch von Fluoriden sowie eine mundgesunde Ernährung aufgeklärt werden, gibt es noch nicht“, bedauert der Zahnärzte-Präsident. Erste Krankenkassen hätten diese Leistung teilweise immerhin schon in ihren Katalog aufgenommen. Künftig sollen Frauenärzte und Geburtshilfestationen im Land helfen, den Zahnärztlichen Kinderpass zu verteilen und so über die Bedeutung der Mundgesundheit vom Durchbruch des ersten Zahnes an aufzuklären.

Doch nicht nur sehr junge, auch die betagten Patienten stellen die Zahnärzte im Land vor neue Herausforderungen: Nicht nur, dass sie sich auf immer mehr Ältere einstellen müssen, die nicht mehr in ihre Praxen kommen können. Sie würden auch zunehmend mit Wechselwirkungen alterspezifischer Erkrankungen auf die Mundgesundheit konfrontiert, so Oesterreich.

„Einer Studie der Universität Greifswald zufolge wird bis zum Jahr 2020 die Zahl der Diabetiker im Land um 21 Prozent zunehmen“, so der Zahnmediziner aus Stavenhagen, der auch Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer ist. „Im gleichen Zeitraum wird es 28 Prozent mehr Herzinfarkte und 31 Prozent mehr bösartige Dickdarmerkrankungen geben.“ Das habe auch Einfluss auf die Mundgesundheit. Diabetes und Paradontitis, eine Erkrankung des Zahnhalteapparates, begünstigen sich beispielsweise wechselseitig. Diabetiker mit einer Parodontitis würden wiederum häufiger einen Herzinfakt oder eine Niereninsuffizienz erleiden als Gesunde. Erschwerend käme dazu, dass häufig verordnete Medikamente gegen diese Erkrankungen die Mundgesundheit verschlechtern würden. „Hier müssen wir Zahnärzte in Zukunft viel enger mit den Hausärzten, Internisten oder Diabetologen zusammenarbeiten und uns gegenseitig abstimmen“, betont Oesterreich. Auf dem letzten Zahnärztetag seien dazu bereits erste Vereinbarungen getroffen worden.

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