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Mecklenburg-Vorpommern

18. Dezember 2017 | 14:06 Uhr

Schon 3650 Täter über 60 Jahre alt

vom

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erstellt am 11.Sep.2013 | 06:23 Uhr

Schwerin | Alter schützt vor Torheit nicht - und auch nicht vor Straftaten. In Mecklenburg-Vorpommern werden immer mehr Senioren als Tatverdächtige ermittelt. Im vergangenen Jahr waren bereits 3650 Täter über 60 Jahre alt, teilte das Landeskriminalamt (LKA) auf Anfrage unserer Redaktion mit. Gut ein Drittel von ihnen sind Frauen. Im Jahr zuvor waren noch 3280 kriminelle Senioren festgenommen worden.

Für das LKA ist der demografische Faktor die Hauptursache. "Es gibt eben immer mehr ältere Menschen", sagt LKA-Sprecher Michael Schuldt. Darum würde sich auch ihr prozentualer Anteil am Kriminalitätsgeschehen vergrößern. Zudem ist die Lebenserwartung auf mittlerweile über 80 Jahre angestiegen. Erst im Juli dieses Jahres war vor dem Rostocker Landgericht ein Verfahren gegen eine 75-jährige Rostockerin wegen banden- und gewerbsmäßiger Erpressung gegen eine Geldauflage von 20 000 Euro eingestellt worden. Die Frau ist die Mutter des verurteilten Erpressers der Liechtensteinischen Landesbank (LLB).

"Schwere Straftaten kommen bei Senioren allerdings selten vor", sagte der Greifswalder Kriminologe Professor Frieder Dünkel. Nach einer aktuellen Studie der kriminologischen Abteilung des Max-Planck-Instituts in Freiburg nimmt Trunkenheit am Steuer den ersten Platz in der Rangfolge der Straftaten ein. Häufige Delikte sind nach anderen Studien auch Fahrerflucht nach einem Verkehrsunfall, Schwarzfahren und Ladendiebstahl. Altersarmut sei für manche ein wichtiges Tatmotiv, aber nicht das einzige. Andere ältere Straffällige gaben an, es gehe ihnen schlicht um den Nervenkitzel. Sie wollten einfach gegen gesetzliche Normen verstoßen.

Nach Angaben aus dem Bundeskriminalamt (BKA) nehmen auch einfache Körperverletzungsdelikte, Beleidigung, Nötigung und Tankbetrug bei der Generation Ü 60 zu. "Bemerkenswert ist, dass ältere Tatverdächtige meistens erstmals polizeilich in Erscheinung treten, man spricht hier von Spätkriminalität", sagte BKA-Chef Jörg Ziercke in einem Interview mit der Zeitschrift "Die Polizei". Die Ursache dafür sei häufig eine misslungene Bewältigung der sozialen Begleiterscheinungen des Älterwerdens wie das Ausscheiden aus dem Erwerbsleben und der damit verbundene Verlust etwa von Verantwortung, sozialen Kontakten und eigenen finanziellen Ressourcen.

Beim LKA in Rampe bei Schwerin hat man bereits Konsequenzen gezogen. Um im Bereich der Alterskriminalität die Entwicklungen besser zu erkennen, wird die Erfassung in der Kriminalitätsstatistik verändert. Wie LKA-Sprecher Schuldt bestätigte, werden mit dem Berichtsjahr 2013 erweiterte Tabellen angeboten, die ein differenzierteres Bild der Seniorenkriminalität ermöglichen.

Auch die Justiz reagiert. Ein Senioren-Trakt im Gefängnis wäre im Bedarfsfall denkbar, hieß es aus dem Schweriner Justizministerium. Die Zahl der Gefangenen im Seniorenalter hat sich in Mecklenburg-Vorpommern mit 14 Inhaftierten im Jahr 2009 auf 27 im Jahr 2012 nahezu verdoppelt.

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