Turmdachsanierung an St. Marienkirche : Schönheitskur für Plaus Grand Dame

Auf die Turmsanierung folgt der Chorraum: Pastor Stephan Poppe (re.) erklärt, welche Arbeiten hier vorgenommen werden sollen.
1 von 3
Auf die Turmsanierung folgt der Chorraum: Pastor Stephan Poppe (re.) erklärt, welche Arbeiten hier vorgenommen werden sollen.

Wie ein Mantel aus Metallstreben und Planen legt sich das stählerne Gerüst um den Turm der alten Dame. Vom höchsten Punkt der St. Marienkirche rieselt Schutt. Statt Glockengeläut schallt Baustellenlärm.

von
23. Mai 2012, 11:58 Uhr

Plau am See | Wie ein Mantel aus Metallstreben und Planen legt sich das stählerne Gerüst um den Turm der alten Dame. Vom höchsten Punkt der St. Marienkirche rieselt Schutt. Statt Glockengeläut schallt Baustellenlärm vom Plauer Wahrzeichen. Die Arbeiten am Dachstuhl haben begonnen. Mit dem letzten Schritt der Außensanierung erhält die Plauer Kirche eine umfangreiche Frischzellenkur. Die ist dringend nötig, denn der Zahn der Zeit hat Spuren hinterlassen - auch am Kirchturm. An zwei Stellen ist der Dachstuhl kaputt und damit in sich nicht mehr stabil. An der Spitze, auf der sonst der Wetterhahn thront, läuft Regen in das Gemäuer. Das darunter liegende Holz beginnt zu verrotten und muss erneuert werden. Auch der Putz in den Blendnischen und zerstörte Ziegel müssen ausgetauscht werden. Zuerst aber wird das Gebälk an beschädigten Stellen ausgebessert. Der Zimmermann hat sich bereits an die Arbeit gemacht. Stück für Stück werden die Ziegel vom Dach entfernt, das Holz freigelegt. Auch wenn hier ein Großteil erneuert werden muss: Etwas alter Charme soll erhalten bleiben. Wenn die alten Handstrichbiber es zulassen, kommen sie wieder auf das Dach. "Man soll die alte Handwerkskunst der Ziegelherstellung sehen können", sagt Pastor Stephan Poppe und blickt gen Turmspitze. Auf dem daneben liegenden Dach des Kirchenschiffes ist das Vorhaben "Alt trifft neu" bereits gelungen: Ein Teil der Biberschwänze wurde aus der alten Dachbedeckung übernommen.

Der letzte Arbeitsschritt am Turm ist noch lange nicht getan ist: Der Förderverein St. Marien eV. plant indes schon die nächsten Projekte für sein kulturhistorisches Schätzchen. "Nächstes oder übernächstes Jahr geht es an die Innensanierung. Dann soll’s hier drin im Chorraum weitergehen", sagt der Fördervereinsvorsitzende Axel Tohtz und tritt durch die wuchtige Kirchtür. Aus dem gleißenden Sonnenlicht geht es ins dunkle Gemäuer. Eine angenehme Kühle haucht aus dem Schiff. Zwischen Altar und Bänken gehen die ersten Besucher des Tages auf Erkundungstour durch das Gotteshaus. Erste Eindrücke des bauhistorischen Faceliftings sind bereits zu entdecken: Kleine Wandflächen linksseitig das Altars zeigen, wie der sanierte Chorraum einmal aussehen könnte. Der Rest des Chorraumes zeigt sein altes Gesicht. Durch die bunten Fenster bricht das Sonnenlicht auf die noch unbehandelten Wände. Die Fenster allerdings, die sind neu. Sie sind die eindrucksvollen Zeichen der ehrenamtlichen Fördervereinsarbeit und des Engagements der Plauer. "Das sind meine Fenster", sagt Fördervereinsmitglied Rüdiger Hoppenhöft stolz und deutet auf zwei blaue Rosetten gleich über dem Altar. Als die prächtigen Kirchenfenster vor Jahren erneuerten wurden, konnte jeder Plauer ein Stück davon kaufen und so die Sanierung unterstützen. Auch heute sind die Seestädter neben zahlreichen Sponsoren stärkstes Rückgrat des Fördervereins. "Wir haben viele große und kleine Spenden erhalten", sagt Axel Tohtz stolz. Die Unterstützung kommt nicht von ungefähr. "Die Kirche ist schließlich ein Stück Heimat", sagt der Fördervereinsvorsitzende. Damit das Wahrzeichen erhalten werden kann, sind aber auch große Summen nötig. Ein neuer Scheck stopft ein großes Loch: Marina Raddatz und Stephan Neitzel von der Sparkasse Parchim-Lübz haben dem Förderverein eine Spende in Höhe von 5000 Euro übergeben. Damit soll ein Teil der 20000 Euro abgedeckt werden, die der Förderverein derzeit noch als Fehlbedarf für die Turmsanierung verbucht. Auch eine Stiftung hat bereits finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt. Die Schönheitskur für Plaus sakrale Grand Dame schlägt teuer zu Buche. "Wenn wir mit dem Turm fertig sind, dann haben wir 750000 Euro verbaut", sagt Pastor Stephan Poppe. Die Investition lohnt sich: St. Marien ist nicht nur Heimstätte der Kirchgemeinde, sondern auch Plaus größter Konzertsaal. Veranstaltungen wie der Musiksommer ziehen regelmäßig Besucher in das Kirchenschiff. Auch bei Urlaubern steht die Kirche hoch im Kurs: Um die 15000 Gäste zählt das Gotteshaus pro Jahr. Daran will die Kirchgemeinde anknüpfen.

Einen ersten Eindruck der derzeitigen Sanierungsarbeiten können Plauer und Urlauber bei einem Informationsnachmittag in der St. Marienkirche erhalten: Am 21. Juli ab 15 Uhr werden im Wahrzeichen erste Resultate der Sanierung präsentiert.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen