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Mecklenburg-Vorpommern

21. November 2017 | 09:28 Uhr

"Schönheit muss nicht perfekt sein"

vom

svz.de von
erstellt am 18.Apr.2012 | 09:45 Uhr

Cumlosen | Ab Montag kann in der Galerie Rolandswurt in Cumlosen die Ausstellung Quadrium besichtigt werden, bei der vier Künstler aus vier Bundesländern ihre Werke präsentieren. In diesem Jahr widmet sich die Exposition dem Thema "Lyrische Texturen". Der "Prignitzer" stellt die beteiligten Künstlerinnen aus den Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen vor. Den Anfang macht Sabine Schultz aus Magdeburg (Sachsen-Anhalt).

Sabine Schultz ist nicht nur Künstlerin, sondern auch Sammlerin. Sie bewahrt Dinge auf, die andere wohl als nutzlos ansehen und arglos wegwerfen würden: Federn, Steine, Glasscherben, Keramik, verrostete Scheren, leere Zigarettenpackungen. Sie hingegen sortiert die Sachen in Fächern, Schachteln, Schubladen - allerdings nicht, um sie zu horten. Die Künstlerin macht aus ihnen Teile eines Kunstwerks: die Fundstücke fügt sie zu Assemblagen, Materialbildern, zusammen. Mit den auf diese Weise entstandenen, sehr symmetrischen, oft Mandala ähnlichen Bildern erzählt die Magdeburgerin eine persönliche Geschichte, arbeitet ihre Vergangenheit auf. "Ich erfahre dabei auch viel über mich", sagt sie über den Prozess ihrer Arbeit.

Ein gutes Beispiel dafür ist ihre Collage aus alten, bronzezeitlichen Scherben, zwischen denen sie Brieffetzen angeordnet hat. "Das ist ein Liebesbrief meines jetzigen Mannes an mich", erklärt sie. "Mit diesem Werk habe ich mit meinem alten Leben, die Zeit meiner ersten Ehe, abgeschlossen. Mit meinem jetzigen Mann begann für mich nach 27 Jahren ein neuer Lebensabschnitt, und das symbolisiert das Bild für mich." Während sie für ihre Arbeiten sogar die Originale alter Familienfotos zerschneidet, hat sie nur eine Kopie des Liebesbriefes verwendet: "Zum Zerschneiden war er mir dann doch zu schade", sagt die gelernte OP-Schwester.

Alle ihre Fundstücke haben eines gemeinsam: Sie sind im Begriff des Vergehens. Das ist es auch, was Sabine Schultz so sehr fasziniert - dass alle Dinge vergänglich sind, nichts für die Ewigkeit ist. "Deshalb sind viele meiner Arbeiten eben nicht hinter Glas, man kann sie anfassen, sie sind dem Sonnenlicht ausgesetzt. Ich habe nichts dagegen, wenn sie ausbleichen. Das hat für mich auch eine gewisse Ästhetik. Schönheit muss nicht perfekt sein." Ihre künstlerische Tätigkeit begann in den 80er Jahren mit Arbeiten im textilen Bereich. Eine Reise nach Marrakesch war für Sabine Schultz dann die Initialzündung, auf dem Träger Papier zu arbeiten, wie sie sagt: "Dort habe ich in einem Workshop Papier schöpfen gelernt."

Seither arbeitet sie mit den unterschiedlichsten Materialien. Viele davon findet sie auf Spaziergängen, auf Feldern, an der Elbe, in Industriegebieten. Anderes, vor allem Fotos und Schriftstücke, sind Flohmarktfunde. Welche Dinge Sabine Schultz für ihre Bilder verwenden will, weiß sie oft im Vorhinein: "Ich habe ein Konzept im Kopf und weiß, wie das Bild später aussehen soll. Dann suche ich gezielt nach bestimmten Stücken." Viele Stücke, darunter eine mumifizierte Erdkröte, hebt sie aber auf, bis sie eine Gelegenheit findet, sie zu verarbeiten.

Sabine Schultz hat in Magdeburg eine eigene Galerie "Überfluss", die sie gemeinsam mit der Schmuckdesignerin Friederike Bogunski betreibt. In ihrem dortigen Atelier, wo sie all ihre Fundstücke aufbewahrt, entstehen die Assemblagen.


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