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Internet setzt Einzelhandel zu : Schöne Städte – leere Läden

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Stadterneuerung in MV ist eine Erfolgsgeschichte, doch sie steht vor neuen Aufgaben – das Internet setzt dem Einzelhandel zu

Nach 25 Jahren steht die Stadterneuerung in Mecklenburg-Vorpommern vor neuen Herausforderungen. Gerade kleinere Kommunen hätten es schwer, die Innenstädte vital zu halten, sagte der Vorstandsvorsitzende des Städte- und Gemeindetages, Reinhard Dettmann, auf einer Feierstunde zu Stadterneuerung gestern in Greifswald. Einzelhändler spürten den Druck des Internets. Es falle schwer, Nachfolger für die Geschäfte zu finden. Angesichts dieser Tendenzen betonte Dettmann: „Die Stadterneuerung bleibt eine Daueraufgabe.“ Es müsse verhindert werden, dass Touristen leere Innenstädte vorfinden. „Zum Schluss haben wir dann nur noch Museen, für die wir Eintritt nehmen müssen.“

Nach Einschätzung des Professors für Stadtplanung Peter Dehne stehen die Städte vor dem größten Umbruch der vergangenen 15 Jahre. Die Verlagerung des Handels in das Internet könne zu einer neuen negativen Dynamik führen, warnte er. Nicht der demografische Wandel bedrohe die Innenstädte, sondern Veränderungen in der Arbeitswelt. Seine Idee: Händler in den Innenstädten sollten „Omnichannels“ nutzen, das heißt neben der Präsentation und dem Verkauf in einem Innenstadt-Geschäft die Waren auch über das Internet anbieten.

Zugleich warnte Dehne vor einer zunehmenden Differenzierung zwischen den Städten. Während große Kommunen wie Rostock und Greifswald wüchsen, hätten kleinere diese Dynamik nicht. Dies führe zu einer Spreizung. Ziel der Städtebauförderung müsse es deshalb auch künftig sein, die urbane Lebensqualität in den kleineren Städten zu erhalten.

Die Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern sind in den vergangenen 25 Jahren einer milliardenschweren Schönheitskur unterzogen worden. Rund fünf Milliarden Euro flossen nach Angaben von Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) seit 1991 landesweit aus der Städtebau- und Wohnraumförderung in rund 20 000 Einzelvorhaben. 120 Kommunen des Landes hätten von diesen Programmen profitiert. Schulen, Rathäuser, Wohnungen, Plätze, Museen und Kirchen seien saniert worden. „Das ist eine Erfolgsgeschichte“, sagte Glawe. Vielerorts sei es gelungen, den individuellen Charakter der historischen Innenstädte zu erhalten oder wiederherzustellen.

Die Städtebauförderung gehe weiter, betonte der Minister. So stünden 200 Millionen Euro aus EU-, 57 Millionen Euro aus Städtebaufördermitteln und weitere 30 Millionen Euro für besonders finanzschwache Kommunen zur Verfügung. Auf die veränderten wirtschaftlichen und demografischen Rahmenbedingungen werde durch die Anpassung der Förderprogramme zu reagieren sein, sagte Glawe. Dazu gehöre die Sicherung der Daseinsvorsorge im ländlichen Raum, die barrierearme Gestaltung von Plätzen, Gebäuden und des Wohnumfeldes.

Schwerpunkte sind auch die energetische Erneuerung und die Förderung des sozialen Zusammenhaltes in den Stadtquartieren.

Nach Ansicht des Stadtplaners Dehne stößt Stadterneuerung dann an Grenzen, wenn die Stadtzentren nur aus Hüllen und schönen Fassaden bestehen, ansonsten aber leer blieben. Notwendig seien deshalb gebietsbezogene Entwicklungskonzepte und der flexible Einsatz von Fördermitteln.

Mit Hilfe der Stadterneuerungsprogramme sind nach Einschätzung Dehnes nach der Wende die Städte in Mecklenburg-Vorpommern in großem Stil vor dem Verfall gerettet und ein kulturelles städtebauliches Erbe erhalten worden, was es in westdeutschen Bundesländern nur noch vereinzelt gebe.  

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