Partei-Skandal : Schockierende Entgleisung auf Facebook

Nach massiver Kritik an einer Hetzattacke gegen FDP-Parteichef Rösler hat ein Stralsunder Mitglied der Grünen seinen Austritt aus der Partei erklärt.

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06. Mai 2013, 08:10 Uhr

Stralsund/Berlin | Nach der massiven Kritik an einer Hetzattacke gegen FDP-Parteichef Philipp Rösler hat ein Stralsunder Mitglied der Grünen gestern seinen Austritt aus der Partei erklärt. Damit wolle er Schaden von den Grünen abwenden, sagte Christopher Kerkovius. Zuvor hatte sich die Grünen-Landesvorsitzende Claudia Müller klar von dem Kommentar des Parteimitglieds gegen Rösler distanziert und ihm indirekt den Austritt nahegelegt. Der Stralsunder hatte eigenen Angaben zufolge am Wochenende in einem Internetkommentar bedauert, dass sich die rechtsextreme NSU nicht solche (gemeint war FDP-Chef Rösler) vorgenommen habe. Diese Äußerung nahm das Grünenmitglied, das 2006 für den Landtag kandidiert hatte, später zurück. Er habe sich inzwischen auch in einer Mail an Rösler gewandt und um Entschuldigung gebeten, sagte der 69-Jährige. Die Parteispitze begrüßte den Austritt als "einzig richtige Konsequenz". Landeschefin Müller hatte den Kommentar als menschenverachtende Äußerung bezeichnet, die sprachlos mache. Die schockierenden Entgleisungen auf Facebook seien inakzeptabel und mit den Grundsätzen grünen Denkens und Handelns vollkommen unvereinbar. Grünen-Landtagsfraktionschef Jürgen Suhr, der ebenfalls aus Stralsund stammt, sprach von einer "Entgleisung, die in keinster Weise akzeptabel ist". Landesparteivorstand und Kreisvorstand wollten sich gestern Abend mit dem Vorgang befassen.

Scharfe Kritik kam auch aus den Reihen der FDP. Der ehemalige Landtagskandidat der Grünen habe mit seinen menschenverachtenden Aussagen die Grenzen der Meinungsfreiheit deutlich überschritten, sagte FDP-Landesgeneralsekretär Thomas Heldberg. Mit der Äußerung "verharmlost er auf unterstem Niveau die Morde der rechtsextremistischen NSU." Inzwischen ist bei der Staatsanwaltschaft in Stralsund eine Strafanzeige eingegangen. Sie soll nach einem Bericht des NDR von einem FDP-Mitglied stammen. "Wir prüfen jetzt die Vorwürfe", sagte Oberstaatsanwalt Hans Gibbels.

Der Stralsunder Grüne hatte mit seiner Äußerung einen Internet-Eintrag kommentiert, in dem es hieß, Rösler fordere eine Lohnuntergrenze von vier Euro. "Schade, dass die NSU-Gruppe sich nicht solche vorgenommen hat, denn das wäre nicht so schlimm!", schrieb der 69-Jährige, wenig später nahm er den Kommentar wieder aus dem Netz. Allerdings zu spät: Er war bereits über Facebook weiterverbreitet worden.

"Es tut mir unendlich leid, dass ich in meiner Empörung über die Nachricht, (die vermutlich auch noch falsch war!), dass Herr Rösler angeblich 4.- Euro als Lohnuntergrenze gesagt haben soll, so aus der Fassung geraten bin", schreibt der Grüne bei Facebook. Er finde das selbst völlig inakzeptabel und bitte alle, die er verletzt habe, um Verzeihung. Kerkovius wolle nun aus dem Netzwerk austreten, weil er wisse, dass er manchmal zu Überreaktionen neige.

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