Preis-Explosion : Schock für privat Versicherte

23-47509488

Bei der DKV steigen die monatlichen Tarife im April teilweise um bis zu 130 Euro . Hunderttausende sind davon betroffen.

svz.de von
04. März 2016, 08:00 Uhr

Beitragsschock für hunderttausende privat Versicherte: Bei der DKV, Deutschlands zweitgrößter privaten Krankenversicherung, steigen die monatlichen Tarife im April teilweise um bis zu 130 Euro. Betroffen sind rund 60 Prozent der rund 880 000 DKV-Versicherten. Über alle Tarife würden sich die Beiträge im Schnitt um 7,8 Prozent erhöhen. Hätte der Konzern nicht noch Rückstellungen von 439 Millionen Euro genutzt, wäre die Erhöhung womöglich noch drastischer ausgefallen. So habe man sie auf 129,90 Euro mehr im Monat begrenzen können sowie auf 79,90 Euro für über 65-Jährige, bestätigt eine Sprecherin.

Das PKV-System an einem Wendepunkt? Droht eine Überforderung der Versicherten? Die Entwicklung bei den Prämien setzt die Politik zumindest mittelfristig unter Zugzwang.

Kurzfristig rät der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), erst einmal zum Tarifwechsel. „Jeder privat Versicherte, der von einer Steigerung der Beiträge betroffen ist, kann prüfen, ob es für ihn Alternativen gibt“, erklärte Laumann gestern im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion. „Denn jeder Versicherte hat das Recht, in einen günstigeren gleichartigen Tarif seiner Krankenversicherung zu wechseln. Hier gibt es oft erhebliche Unterschiede in den Beiträgen.“

In Branchenkreisen wird argumentiert, dass es „in den vergangenen Jahren insgesamt eine moderate Beitragsentwicklung“ gegeben habe. Angestellte mussten zwischen dem Jahr 2000 und 2016 jährlich im Schnitt 3,7 Prozent mehr für die Vollversicherung zahlen. Zu Jahresbeginn hat es noch einmal einen Anstieg um im Schnitt 4,1 Prozent gegeben, berichtete kürzlich der Branchendienst „Map-Report“.

Doch nicht alle Konzerne verlangen mehr von ihren Versicherten: Die Debeka als Deutschlands größte private Krankenversicherung hält ihre Beiträge in diesem Jahr stabil. Für 1,5 Millionen ihrer Mitglieder gibt es sogar Beitragssenkungen.

In PKV-Kreisen wird außerdem daran erinnert, dass selbst die Tarife, bei denen es hohe prozentuale Aufschläge gegeben habe, noch deutlich günstiger seien als die Vergleichsbeiträge für freiwillig Versicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Die SPD sieht die jüngsten Entwicklungen bei der Prämie als Alarmzeichen. Viele langfristige Anlagen der Versicherer würden auslaufen, deshalb landeten die Unternehmen in der Niedrigzins-Falle, so die Argumentation.

Medizinischer Fortschritt, steigende Lebenserwartung und weniger Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenversicherung als gedacht – die Gründe für die Probleme in der privaten Krankenversicherung sind vielfältig.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach verweist darauf, dass die PKV gerade für junge Menschen nicht mehr attraktiv sei. „Sie haben Angst vor immer höheren Beiträgen und fürchten, dass im Alter ein Großteil ihrer Rente verbraucht wird durch die PKV-Prämie“, erklärte Lauterbach gestern im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen