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Detektoren aus Schwerin : Schnüffeln für sicheren Gipfel

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schweriner Gefahrstoff-Detektoren sollen Treffen der G 20-Staatschefs vor Gas-Attacken schützen

svz.de von
erstellt am 14.Jun.2017 | 12:00 Uhr

Gefahrenabwehr aus Mecklenburg-Vorpommern: In Schwerin entwickelte hochsensible Gefahrstoff-Detektoren sollen beim bevorstehenden G 20-Gipfel der Regierungschefs der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer ab 8. Juli in Hamburg für Sicherheit sorgen. Dafür sei die Technik- und Umweltschutzwache der Hamburger Berufsfeuerwehr von der Schweriner Technologiefirma Airsense Analytics mit mehreren High-tech-Analysegeräten vom Typ GDA ausgestattet worden, die an allen sensiblen Treffpunkten und im Umfeld zum Einsatz kommen sollen. Die Geräte könnten winzigste Spuren von Gefahrstoffen erkennen und analysieren, sagte Airsense-Chef Wolf Münchmeyer: „Das Gerät ist fast so sensibel wie eine Hundenase.“

Der elektronischen Schnüffelnase aus Schwerin entgeht dabei so gut wie nichts: Binnen weniger Sekunden könne das Gerät, das einzeln etwa so viel wie ein Mittelklassewagen kostet, 80 verschiedene chemische Substanzen sowie Explosivstoffe und radioaktives Material identifizieren, die schon in niedrigen Konzentrationen toxisch wirken können und weitere bis zu 3000 erkennen. Die Reihe der zu erkennden Gefahrenstoffe werde ständig erweitert, sagte Münchmeyer: „Die Liste nimmt kein Ende.“

Sicherheitsexperten in der ganzen Welt greifen auf die Technik aus Schwerin zurück: So haben sich Polizei, Armee, Marine und Veranstalter schon bei den Gipfeltreffen der wichtigsten Staats- und Regierungschefs in 2007 in Heiligendamm und im vergangenen Jahr im bayrischen Schloss Elmau auf die Detektoren verlassen. Sie seien auch bei den Olympischen Spielen 2016 in Brasilien und zuvor im russischen Sotschi, bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südamerika, aber auch beim Papstbesuch in Brasilien zur Gefahrenabwehr eingesetzt worden. Mehr als 90 Prozent erwirtschafte Airsense bislang im Ausland, erklärte Münchmeyer – außer in Russland. Die von der EU wegen des Ukraine-Konfliktes und der Annexion der Krim verhängten Sanktionen hätten das Geschäft völlig zum Erliegen gebracht. Bislang sei auch offen, ob bei der Fußball-WM 2018 die Schweriner Detektoren eingesetzt werden könnten, sagte Münchmeyer und forderte ein Ende der Sanktionen.

Die Entwicklung aus Schwerin ist gefragter denn je: „Der Markt scheint unendlich“, erklärte Münchmeyer: „Wir wachsen stark.“ Gerade erst sei die Produktion um gut ein Drittel erweitert worden. Noch in diesem Jahr sollen weitere Fachleute eingestellt werden, kündigte der Firmenchef an. Endlich würden aber auch Sicherheitsbehörden in Deutschland die Vorzüge der Analysegeräte aus MV erkennen. Nach siebenjährigen Verhandlungen hätten deutsche Zollbehörden die Geräte eingekauft. In den kommenden fünf Jahren sollen 250 Geräte ausgeliefert, die Fachleute trainiert und Servicestrukturen aufgebaut werden, sagte Münchmeyer: „Unser weltweit größtes Projekt.“ So würden künftig in allen deutschen Häfen und darüber hinaus Container mit Importware auf gefährliche Gase untersucht – zum Schutz für Zollbeamte, Verbraucher und Händler und Verarbeiter. Die Gefahr scheint groß: In bis zu 30 Prozent der Container würden bedenkliche Konzentrationen von Chemikalien festgestellt, sagte Münchmeyer.

In den kommenden Jahren wollen die Schweriner Techniker zudem hoch hinaus: Vor Jahren machten sie sich mit der Entwicklung einer elektronischen Nase für den Einsatz in der Weltraumstation einen Namen. Jetzt nehmen sie an einem internationalen Projekt teil, mit dem die Kabinen- und Cockpitluft in Flugzeugen überwacht werden soll. „Alles noch in der Forschungsphase“, sagte Münchmeyer. Mit Ergebnissen sei frühestens in zehn Jahren zu rechnen.

Münchmeyer war zusammen mit seinem Partner Andreas Walte Mitte der 90er-Jahre von der Technischen Hochschule Hamburg nach Schwerin gekommen und hat mit öffentlicher Finanzhilfe eine der bisher erfolgreichsten Technologiefirmen in MV aufgebaut. Aus der Zwei-Mann-Firma ist mittlerweile ein 35 Mitarbeiter zählendes Unternehmen für hochspezialisierte Meßtechnik geworden.

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