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Stuttgart/Schwerin : Schnörkelbriefe für Tausende Euro

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Auktionshaus verkauft wertvolle Sammlung historischer Briefe und Belege aus Mecklenburg

svz.de von
erstellt am 28.Feb.2017 | 11:50 Uhr

Im Auktionshaus Christoph Gärtner bei Stuttgart steht für die nächsten vier Wochen ein großes Stück Mecklenburger Postgeschichte zum Verkauf. Eine Auktion am Freitag hatte noch keinen Bieter gefunden. Von frühen Botenbriefen des 16. Jahrhunderts über amtliche Verordnungen bis zur neuzeitlichen Post befinden sich viele Seltenheiten in den 14 Alben der Sammlung „Postgeschichte Stadt Schwerin (Mecklenburg)“. Startpreis: 10 000 Euro.

Die Sammlung beinhaltet Dokumente seit Beginn der staatlichen Postverwaltung um 1700, diverse Fürstenbriefe, Postscheine aus dem 18. Jahrhundert und einen Rekrutierungsbefehl aus der „Vestung Schwerin“ von 1809. Außerdem finden sich Dokumente aus der Zeit des österreichisch-deutschen Postvereins 1850 sowie alle Briefmarkenausgaben des Herzogtums. Auch Marken und Belege aus der DDR und der jungen Bundesrepublik sind Teil dieser Sammlung. Sie ist eine Zeitdokumentation der letzten 400 Jahre Postgeschichte Mecklenburgs.

Auffällig sind zwei sogenannte Schnörkelbriefe des Herzogs Christian Ludwig zu Mecklenburg-Schwerin (1683-1756) mit eigenhändiger Unterschrift. Die reiche Verzierung der Schrift hatte einen ernsten Hintergrund: „Es galt als respektlos, wenn ein Brief nicht verziert war. Je ausladender die Schrift und ausführlicher die Anrede war, desto mehr Ehre erwies man dem Adressaten. Für die Schnörkelbriefe beauftragte man extra Schreiber, die diese Kunst beherrschten“, erläutert Unternehmensleiter Christoph Gärtner.

Die Post von damals kann heute Tausende Euro wert sein. Das älteste Stück in den Schweriner Alben ist ein Botenbrief von 1593. Damals existierte noch kein staatliches Postwesen. Kuriere auf Pferden ritten Tag und Nacht, um Post von einem zum anderen Ort zu bringen, manchmal in Rekordzeit. „In dringenden Angelegenheiten legten berittene Boten die Strecke von Frankfurt am Main nach Schwerin in anderthalb Tagen zurück. Später übernahmen das Postkutschen. Dies erkennt man leicht am Datum des Absenders und dem Posteingangsstempel“, so der Experte.

Die Briefsammlung stammt direkt aus der Landeshauptstadt. Eine Schwerinerin beauftragte das Unternehmen „Christoph Gärtner“ mit dem Verkauf. Sie selbst möchte anonym bleiben. Ihr verstorbener Ehemann sammelte über Jahrzehnte hinweg die Briefe, Notizen und Meldungen aus dem historischen Mecklenburg. „Zwischen 800 und 1000 Belege befinden sich in diesem einzigartigen Angebot für den norddeutschen Raum“, sagt Christoph Gärtner, Eigentümer des Auktionshauses.

Doch  ist der   Preis von 10 000 Euro realistisch? Vor wenigen Jahren versteigerte das Auktionshaus eine ähnliche Sammlung mit einem Zuschlag von 6400 Euro. Vom Auktionshaus wird aber betont, dass diese bei Weitem nicht so umfangreich und philatelistisch gehaltvoll war, wie das aktuelle Angebot aus Schwerin. „Wenn jeder der fast tausend Briefe im Schnitt bei zehn Euro liegt, sind wir schon bei dem aktuellen Startpreis. Und gerade die älteren Schriftstücke sind noch deutlich wertvoller. Entscheidend ist aber immer, ob ein oder mehrere Liebhaber gefunden werden, die ein solches Objekt zu schätzen wissen. Der Interessentenkreis bei solch regional begrenzten Angeboten ist sehr speziell. Dies wird sich in den nächsten Wochen zeigen“, so Gärtner.

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