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Medizinische Versorgung : Schnellere Wege zum Facharzt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bundesregierung will Ärzte verpflichten, Patienten über ein Service-Center Termine zu vermitteln / Kritik aus MV: Das wird zu anonym

Seit 2011 Jahren schicken Hausärzte in Mecklenburg-Vorpommern ihre Patienten in dringenden Fällen besonders schnell zum Facharzt. Nun befürchten sie, dass ihr in Deutschland einmaliges Beschleunigungsmodell durch bundesweite Vorschriften ausgehebelt wird.

Die CDU/SPD-Bundesregierung erwägt, die Ärzteschaft zu verpflichten, Service-Center einzurichten, die Patienten am Telefon einen Termin beim Facharzt vermitteln sollen. Die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) und die Kassenärztliche Vereinigung Mecklenburg-Vorpommerns (KVMV) sehen das skeptisch. „Das wird zum anonymen Massengeschäft“, sagte KVMV-Vorstand Axel-Rambow gestern in Schwerin. Es bestehe die Gefahr, dass Patienten an einer Hotline nur noch Nummern in ihr Handy eintippen. Das persönliche Gespräch zwischen dem Arzt und dem Patienten dürfe aber nicht wegfallen, so der Schweriner Kardiologe Karsten Bunge.

In Mecklenburg-Vorpommern gebe es längst ein bewährtes Verfahren, um den Weg vom Hausarzt zum Facharzt zu ebnen, sind sich KVMV und AOK einig. Wenn der Hausarzt die Überweisung mit einem „A“ kennzeichnet, weil es sich um einen medizinisch besonders dringenden Fall handelt, bekommt der Kranke innerhalb eines Tages einen Termin beim Facharzt. Steht auf der Überweisung ein „B“, kümmert sich der Facharzt spätestens nach sieben Tagen um den Patienten. Das haben KMKV sowie die AOK und einige andere Krankenkassen 2011 vereinbart. Schriftlich festgelegte Kriterien, nach denen „A“ und „B“ vergeben werden, gibt es nicht. Jeder Fall müsse individuell diagnostiziert werden, so die Experten.

Auf jeden Fall bekommen „A“- und „B“-Patienten von ihrem Hausarzt ausführliche Krankenunterlagen mit auf den Weg. Von 1,65 Millionen Überweisungen pro Quartal waren im vergangenen Jahr nur 20000 mit „A“ oder „B“ gekennzeichnet, teilten AOK und KVMV mit.

Obwohl also weniger als zwei Prozent aller Überweisungen diese beschleunigte Behandlung erfahren, seien die Patienten in Mecklenburg-Vorpommern nicht unzufriedener mit den Ärzten als anderenorts. Wer ohne „A“ oder „B“ überwiesen wird, muss unterschiedlich lange auf einen Termin beim Facharzt warten. Beim Augenarzt dauere es in Mecklenburg-Vorpommern im Durchschnitt 16 Tage. Das hat nach Angaben der AOK eine Studie ergeben. Der grüne Bundestagsabgeordnete Harald Terpe begrüßte das Wartezeiten-Modell aus Mecklenburg-Vorpommern. Es zeige, „dass vor Ort ohne gesetzgeberischen Einfluss schon heute passgenaue Lösungen erprobt und umgesetzt werden“.




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