zur Navigation springen

Rettungscopter : Schneller als jeder Rettungsschwimmer

vom
Aus der Onlineredaktion

DRK auf Usedom setzt an Stränden auch auf Hilfe aus der Luft

svz.de von
erstellt am 22.Aug.2017 | 21:00 Uhr

Es ist ein ungleicher Wettkampf: Während sich Rettungsschwimmer Max Hartrampf bei einer Übung noch mühsam durch die Wellen zur hilfesuchenden Schwimmerin kämpft, leistet die Rettungsdrohne schon wertvolle Hilfe. Mit etwa 65 Stundenkilometern ist die Drohne über die Ostsee zu der Frau gesurrt und lässt eine Schwimmhilfe neben ihr ins Wasser fallen. Das Paket bläst sich zu einem gelben Schlauch auf, an den sich die Frau klammern kann, bis der Rettungsschwimmer bei ihr ankommt.

Die Wasserwacht des DRK setzt bei Badeunfällen jetzt testweise auf Unterstützung aus der Luft. Gestern stellte das DRK am Strand von Bansin das Pilotprojekt vor.

Bis zum Frühjahr 2018 will die Hilfsorganisation Erfahrungen sammeln, ob mit der Drohne Hilfesuchenden im Wasser schneller und besser geholfen werden kann.

Für Thomas Pohlers vom DRK-Kreisverband Ostvorpommern-Greifswald liegen die Vorteile klar auf der Hand: „Für einen in Gefahr geratenen Schwimmer können wertvolle Sekunden bis zum Eintreffen der Rettungsschwimmer gewonnen werden.“ Zudem könne das mit einer Kamera ausgestattete Fluggerät bei der Suche nach Vermissten helfen.

Das Konzept ist nicht neu in Deutschland. Auch in Bayern erprobt die Wasserwacht Rettungsdrohnen. Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft hatte ferngesteuerte Fluggeräte schon 2016 in Scharbeutz im Einsatz. An den Stränden von Mecklenburg-Vorpommern ist dies jedoch der erste Test von Drohnen. Das DRK will auch prüfen, wie stabil die Fluggeräte auch bei ungünstigen Witterungsverhältnissen und damit in Situationen funktionieren, in denen Badende am häufigsten in Not geraten. Bis Windstärke sechs sei das Gerät bereits getestet worden, sagt Pohlers.

Die Luftfahrtbehörde des Energieministeriums und der Landesdatenschutzbeauftragte gaben für das Projekt bereits grünes Licht. „Wenn wir mit Kameras agieren, haben wir grundsätzlich ein datenschutzrechtliches Problem“, sagt Landesdatenschutzbeauftragter Heinz Müller. Strände seien öffentliche Räume, in denen sich Menschen leicht bekleidet bewegen. Um sicher zu stellen, dass die Strandbesucher nicht in ihrer Privatsphäre gestört werden, würden die Bilder auf der Kamera nicht gespeichert, der Strand werde nicht gefilmt. Der Funkverkehr sei verschlüsselt, sagt Müller.

Die Luftfahrtbehörde des Landes hat eine bis 31. März 2018 befristete Genehmigung für den Abwurf der Schwimmhilfe erteilt, nachdem sich Experten den von der Hochschule Neubrandenburg entwickelten Abwurfmechanismus vorführen ließen. Für den Betrieb der Drohne benötige das DRK keine extra Genehmigung, sagte Guido Vauk von der Behörde.

Für Wasserwacht-Wachleiter Sebastian Antczak stellt die Drohne eine wertvolle Ergänzung zur Arbeit der Rettungsschwimmer dar. „Jede Sekunde, die wir früher am Verunglückten sind, ist Gold wert.“ Allein an den Stränden der drei Kaiserbäder mussten die Wasserretter in diesem Jahr zu 24 Einsätzen auf dem Wasser ausrücken. Zwei Menschen konnten nur tot geborgen werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen