Skurrile Urteile rund ums Fliegen : Schnarchen erlaubt - stinken nicht

<strong>Ein schnarchender Nachbar </strong>im Flugzeug ist kein Reisemangel. <foto>Foto: Lufthansa/dapd</foto>
Ein schnarchender Nachbar im Flugzeug ist kein Reisemangel. Foto: Lufthansa/dapd

Schwitzende Passagiere, ein schnarchender Sitznachbar oder ein Todesfall an Bord - auf dem Flug zum Ferienziel kann es unerfreuliche Überraschungen geben. Einige Betroffene ziehen daher nach dem Urlaub vor Gericht.

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14. Juni 2012, 11:17 Uhr

Schwitzende Passagiere, ein schnarchender Sitznachbar oder ein Todesfall an Bord - auf dem Flug zum Ferienziel kann es unerfreuliche Überraschungen geben. Einige Betroffene ziehen daher nach dem Urlaub wegen vermeintlicher Reisemängel vor Gericht - oftmals, aber nicht immer unbegründet. Die kuriosesten Urteile, zusammengestellt vom Verbraucherportal für Fluggastrechte flightright, im Überblick:

Schlechter Geruch

Für denjenigen, der einen übelriechenden Sitznachbarn hat, kann sich der Flug unendlich lang anfühlen. Wegen strengen Körpergeruchs musste ein Passagier am Flughafen Honolulu das Flugzeug vor seinem Rückflug nach Düsseldorf wieder verlassen. Auf die Bitte des Flugbegleiters, das Hemd zu wechseln, konnte er nicht reagieren, da seine Koffer bereits im Frachtraum verstaut waren. Der Passagier argumentierte damit, bei tropischen Temperaturen mit drei Koffern durch den nicht klimatisierten Flughafen gerannt und nicht verschwitzter als andere Reisende gewesen zu sein. Doch das half alles nichts: Da die Airline die Beförderung von Reisenden mit "extremem Körpergeruch" in ihren Geschäftsbedingungen ausgeschlossen hat, musste der Passagier draußen bleiben. Vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf klagte er anschließend auf 2200 Euro Schadensersatz. Das hielt das Gericht jedoch für überzogen und sprach dem Kläger lediglich die Kosten in Höhe von 260 Euro für die zusätzliche Hotelübernachtung zu, die er wegen des verpassten Fluges in Anspruch nehmen musste (OLG Düsseldorf, AZ: I-18U 110/06).

Verspätung wegen Todesfall

Zwar steht Reisenden bei erheblichen Flugverspätungen von mehr als drei Stunden eine Entschädigung für die Unannehmlichkeiten des Wartens zu, allerdings gilt dies nicht bei außergewöhnlichen Umständen. Ein Fluggast klagte vor dem Amtsgericht Frankfurt/Main auf Schadensersatz, nachdem er in Kairo seinen Anschlussflug zum Roten Meer aufgrund eines Todesfalls an Bord der Maschine verpasst hatte. Die Klage auf 400 Euro Schadensersatz wurde jedoch abgewiesen, da die Fluggesellschaft gegen Verzögerungen, die sich durch einen plötzlichen Todesfall ergeben, "keine zumutbaren Maßnahmen" ergreifen könne (AG Frankfurt, AZ: 31 C 2177/10 [83]).

Schnarchen kein Reisemangel

Schnarchende Sitznachbarn sind auf einem Langstreckenflug besonders ärgerlich. Wer dem Jetlag durch Schlafen vorbeugen will, hat da leider schlechte Karten. Ein Reisender erhob Klage gegen die Fluggesellschaft, weil auf seinem Langstreckenflug nach Südafrika ein schnarchender Nebenmann seine Nachtruhe störte. Der Kläger wollte aufgrund dieses vermeintlichen Reisemangels den Flugpreis mindern; die Klage wurde allerdings vom Amtsgericht Frankfurt abgewiesen. Begründung: Schnarcher sind eine Unannehmlichkeit, aber kein Reisemangel. Das Gericht urteilte: Bei einem Langstreckenflug sei es normal, dass Reisende schlafen und einzelne Personen schnarchen (AG Frankfurt, AZ: 31 C 842/01-83).

Ungünstige Flugzeiten

Wer bei einer Pauschalreise vorab keine verbindlichen Reisezeiten vereinbart, muss laut Amtsgericht München damit rechnen, dass der Flug auch zu unkomfortablen Zeiten, etwa mitten in der Nacht, stattfinden kann. Geklagt hatte ein Paar, dass eine Pauschalreise in die Türkei antreten wollte. Als dem Ehemann die Flugtickets ausgehändigt wurden, sah er, dass das Flugzeug um 22.25 Uhr starten und um 2.25 Uhr nachts in Izmir landen sollte. Das Reisebüro lehnte trotz Nachfrage eine Umbuchung des Fluges ab. Daraufhin stornierte das Paar die Reise und verlangte die Rückerstattung des Reisepreises sowie Schadensersatz. Das Amtsgericht München befand, dass das Paar aufgrund der späten Abflugzeit einen ausgedehnten Mittagsschlaf hätte halten können. Auch sei während des mehrstündigen Fluges sowie Transfers weiterer Schlaf möglich gewesen. (AG München, AZ: 173 C 23180/10)

"Die Forderungen einiger Flugpassagiere sind zwar überzogen, doch generell gilt, dass Flugreisende nicht jeden Mangel hinnehmen müssen", erklärt Dr. Philipp Kadelbach, Rechtsexperte bei flightright. "Reisende sollten in jedem Fall prüfen, ob ihr Flug tatsächlich aufgrund von höherer Gewalt’ verspätet gestartet ist oder annulliert wurde.

Fluggesellschaften sind nur bei "außergewöhnlichen Umständen" wie zum Beispiel Naturkatastrophen von Entschädigungsleistungen befreit. Bei technischen Defekten am Flugzeug ist die Fluggesellschaft hingegen dazu verpflichtet, Ausgleichszahlungen zu leisten. Denn sie hätte eine entsprechende Vorsorge treffen müssen, um solche Fälle zu vermeiden."

Der Tipp vom Experten: Wer Probleme mit der Airline hat, sollte diese noch vor Ort am Flughafen beanstanden sowie Beweise sammeln, zum Beispiel Fotos von der Abflugtafel machen und sich die Verspätung quittieren lassen.

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