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Seit 25 Jahren chronische Rückenschmerzen : Schluss mit dem OP-Marathon

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Nach acht Bandscheiben-Operationen, die nicht halfen, fühlt Kurt Rohland seit Wochen eine deutliche Linderung seiner chronischen Rückenschmerzen. Der Parchimer schwört auf die Multimodale Schmerztherapie in Plau.

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erstellt am 10.Sep.2013 | 05:36 Uhr

Plau Am See | Kurt Rohland hat mehr Krankenhäuser von innen gesehen, als ihm lieb ist. 1988 war es, als seine Leidensgeschichte begann. Eine, die fünf bis acht Millionen Schmerzpatienten deutschlandweit mehr oder minder mit ihm teilen. Die meisten jedoch stellt Rohland ganz locker in den Schatten: Zwischen 1989 und 2011 war er insgesamt acht mal an "der" Bandscheibe operiert worden. Rekord mag das nicht sein, ein fragwürdiges Achtungszeichen haben sich Ärzte landauf, landab damit aber zweifellos verdient. Denn die Linderung nach den Eingriffen war nur von kurzer Dauer. "Ich habe Rücken", nimmt der Parchimer sein Schicksal tapfer an. Und er kämpft. Seit einigen Monaten endlich auch mit mehr Erfolg als in den zurückliegenden 25 Jahren zusammen: Seit er als Schmerzpatient im Frühjahr erstmals im Plauer MediClin Krankenhaus multimodal behandelt wurde, geht es dem Rücken des Parchimers heute so gut wie lange nicht mehr.

Welten liegen zwischen dem ersten Auftreten leichter Rückenschmerzen 1988 und dem Ende eines Operationsmarathons, der ihn auf die OP-Tische diverser Krankenhäuser brachte. "Ich hatte solch unerträgliche Schmerzen und war für jede Klinik dankbar, die mir auch hätte helfen können", erinnert sich Kurt Rohland an seine oft verzweifelte Odyssee durch medizinische Akuteinrichtungen, Rehakliniken und Physiotherapien. Doch nichts half. Nach kurzen Berg aufs ging es allzubald wieder bergab. 1998 sogar soweit, dass sich Rohland in den Rollstuhl setzen musste. "Ich konnte mich gar nicht mehr bewegen", sagt der Parchimer, damals soweit, dass er jeden rettenden Strohhalm gegriffen hätte, der sich ihm bietet. "Jetzt gibt’s nur noch eins, wir müssen versteifen", diagnostizierte sein behandelnder Arzt in Rostock. Unter Strohhalm hatte sich der Parchimer allerdings etwas anderes als Titanschrauben und Bügel im Lendenwirbelbereich vorgestellt. Und doch: Am 12. September, 7.30 Uhr lag er wieder im Schein der OP-Lampen. Stundenlang schnitt, bohrte und schraubte das Ärzteteam. Wieder folgten Reha und herkömmliche Schmerztherapien… bis 2006 die zweite Versteifung folgte. Was blieb, waren unerträgliche Schmerzen, die Kurt Rohland nur unter Morphium und Opiaten aushielt. Verschriebenen. Fünf Jahre. 2011 dann der Schock: Zwei der sechs Titanschrauben tief in seiner Wirbelsäule waren gebrochen. In einer weiteren OP wurden sie von Magdeburger Uni-Ärzten entfernt und die Knochen geglättet.

Die gut drei Zentimeter langen Titanspitzen stören Kurt Rohland nicht. Es sind die Schmerzen, die ihn im Frühjahr 2013 in die Notaufnahme der Parchimer Asklepios Klinik treiben. Von dort wird er direkt ins Plauer MediClin gebracht. "Das war mein Glück", sagt Rohland heute. Denn ziemlich zur selben Zeit tritt auch Dr. Ralf Winter, Facharzt für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Notfallmedizin seinen Job als Schmerztherapeut in der Plauer Klinik an. Davor an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf beschäftigt, war Winter Anfang Januar von Plaus Ärztlichem Direktor, Prof. Dr. Erich Donauer, ans MediClin geholt worden, damit er auch hier die Multimodale Schmerztherapie etabliert. Der Standort mit Krankenhaus und angeschlossenem Reha-Zentrum ist denkbar gut.

Kurt Rohland war einer seiner ersten Patienten. Wahrscheinlich auch ein Traumpatient für jeden Schmerztherapeuten. Wegen der Beschwerdedichte, aber auch wegen seiner positiven Einstellung. Statt einer neunten Operation, nahm Winter den Parchimer also unter seine Fittiche und begann, den "achtmal operativ vorbehandelten Rücken" auf seine Art zu therapieren. Serien von Spritzen setzte er auf die Schmerzpunkte entlang der Wirbelsäule. "Das war schon mal richtig gut", sagt Rohland, der längst auf seinen Doktor und dessen Methoden schwört: "Nach und nach ging es meinem Rücken besser." Doch Winter, der für jeden seiner Schmerzpatienten das Behandlungsteam - bestehend aus Ärzten aller behandelnden Disziplinen, Physio- und Psychotherapeuten, Anästhesie-, OP- und Stationsschwestern und natürlich ihm selbst - koordiniert, ging in der Behandlung weiter: "Bei Herrn Rohland wenden wir mit der Thermoläsion ein spezielles Verfahren an. Bei diesem werden die Nerven, die auf den Facettengelenken der Wirbelkörper liegen, durch Wärmezufuhr verödet." Die Patienten würden dadurch keinerlei Defizite erleiden, denn diese Nerven reichen nicht bis in Beine oder Arme. "Es sind sehr kurze Nerven, die aus dem Spinalnerv austreten. Ihre einzige Aufgabe besteht darin, Schmerz zu leiten", erklärt Winter. Quasi ein Wurzelbehandlung am Übel. "Ich fühle mich viel besser", sagt Kurt Rohland, der von den Eingriffen im OP nichts mitbekommt. Um keine Infektion zu riskieren, erfolgt die Läsion C-Bogen gesteuert im mobilen Röntgenapparat, dem sogenannten Bildwandler. Das Ganze wird begleitet von konservativer Wirbelsäulentherapie, in diesem Fall einer Neuromodulation - der Infiltration der tiefen Rückenmuskulatur. "Das ist notwendig, damit wir Herrn Rohland soweit hinkriegen, dass die Physiotherapie richtig greifen kann", sagt Dr. Winter. "Die Rückenmuskulatur ist steinhart. Das wird noch eine Weile dauern." Kurt Rohland nimmt eine mehrwöchige stationäre Behandlung dafür gern in Kauf: "Ich merke ja, wie es mir von Tag zu Tag besser geht. Auch fühle ich mich wohl hier im Plauer MediClin und habe Vertrauen zu meinem Therapie-Team, ganz besonders zu Dr. Winter."

Der will (mit vereinten Kräften) in den nächsten Wochen eine dauerhafte Linderung von Rohlands chronischen Schmerzen erreichen. "Danach ist es zwingend notwendig, ihn in die ambulante Behandlung zu überführen, in der er zielgerichtet weiterversorgt wird", sagt Winter, "denn chronische Schmerzpatienten wie er müssen engmaschig geführt werden, auch psychologisch." Leider sehe die Realität oft anders aus, wie sich auch nach dem ersten Aufenthalt des Parchimers im Frühjahr zeigte, von multimodal auf monomodal umgeschaltet wurde. "Anfang September mussten wir Herrn Rohland wieder stationär aufnehmen. Zwar fangen wir bei seiner Behandlung nicht bei Null an, doch einiges vom schon erreichten Therapiefortschritt haben wir leider eingebüßt."

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