Schlürf und plopp… und Wampe?

Bubbles ohne Tea: Die innen flüssigen Fruchtsirup-Perlen sind der große Clou des Trendgetränkes. Schroeder
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Bubbles ohne Tea: Die innen flüssigen Fruchtsirup-Perlen sind der große Clou des Trendgetränkes. Schroeder

svz.de von
01. Juni 2012, 12:51 Uhr

Schwerin | Ein Getränk geht um in Deutschland. Grellfarbig, zuckersüß und mit merkwürdigen Glibberbällchen drin: "Bubble Tea", zu Deutsch: Perlen-Tee, der aus Asien stammt. Im Frühjahr haben allein in Schwerin drei entsprechende Läden eröffnet, es gibt sie in Rostock, in Stralsund und in Metropolen wie Berlin und Hamburg gibt es Bubble-Tea-Bars schon gehäuft.

"Jetzt ist Saison, wer das Geschäft nicht verpassen will, muss seinen Laden eröffnet haben", sagt Tan Huynh, Sprecher des Unternehmens Bobo-Q, einem der größten Bubble Tea-Anbieter in Deutschland, das seine Shops im Franchise-System eröffnet. Vergangene Woche gab es deutschlandweit 92 Bobo-Q-Teebars, dazu Läden in Israel und Holland, Östereich und Polen. Projekte in Spanien, Österreich, Dubai und der Türkei sind in Planung. "Es gab Zeiten, da sind wir kaum hinterhergekommen, drei bis fünf ernsthafte Anfragen pro Woche", sagt Tan Huynh hörbar zufrieden.

Hinter Bobo-Q steckt offiziell eine Geschichte, die alle Lizenznehmer erzählen: Entstanden ist das in Berlin-Neukölln ansässige Unternehmen aus der Sehnsucht dreier Freunde aus Asien, den Chinesinnen Zhu und Zhou und dem Taiwaner Lai, deren Kinder den Perlen-Tee (siehe Hintergrund) aus der Heimat vermissten. Den gab es in Berlin nicht, Zhu, Zhou und Lai besorgten sich also die Zutaten aus Asien und eröffneten 2009 ihre erste Bubble-Tea-Bar. Die drei Gründer sind heute die Chefs von Bobo-Q und arbeiten mit dem Weltmarktführer für Bubble-Tea-Zutaten zusammen, Possmei aus Taiwan, über den die durchgestylten Bobo-Q-Läden Technik und Zutaten beziehen. "Die Geschichte stimmt wirklich", sagt Tan Huynh.

Nicht jeder ist glücklich mit dem Boom des Tee-Getränkes. Verbraucherzentralen und Krankenkassen warnen: Das Gemisch aus Tee, Sirup und Aromen sei viel zu kalorienhaltig für ein Erfrischungsgetränk. "Dem Verbraucher sollte klar sein, dass er eine Süßigkeit zu sich nimmt", sagt die Schweriner Diätassistentin Katrin Rahnvon der Techniker-Krankenkasse MV: "Es handelt sich um flüssige Dickmacher. Ein 0,2-Liter-Becher Bubble Tea enthält 300 bis 500 Kalorien. Das ist rund ein Drittel des Tages-Energiebedarfs eines Kindes." Die Verbraucherzentralen warnen sogar: Die dicken Glibberperlen seien gefährlich für kleine Kinder - sie könnten sich daran verschucken und ersticken.

Aber wie schmeckt es? Auf zum Selbstversuch, in einer frisch eröffneten Bubble-Tea-Bar in Schwerin, die zu keiner Kette gehört. Erster Eindruck: Man sollte ein entscheidungsfreudiger Mensch sein, um Bubble Tea zu trinken. Auch, weil man dazu stehen muss, Unmengen Kalorien einzusaugen. Vor allem aber: Weil die Kombinationsmöglichkeiten bei dem Trend-Getränk kaum überschaubar sind. Welcher Grund-Tee? Fruchtaroma, und wenn ja, welcher Sirup? Milch? Joghurt? Klassische Tapioka-Perlen hinein oder trendige "Popping Bobas", die so schön im Mund platzen? Vielleicht auch noch Gelee-Streifen? Nein, wir fangen simpel an: Schwarztee mit Limettensirup und Mango-Bobas. Die Asiatin hinter dem Tresen zapft Tee in einen Becher, misst eine ziemlich massive Portion Limettensirup ab, füllt beides mit Eis in einen Shaker, den sie in eine mechanische Rüttelvorrichtung spannt. Das Gerät rattert einige Sekunden, dann wird die Mischung in den Servierbecher gesiebt, in dem schon eine Kelle der außen glibberigen und innen flüssigen Mango-Perlen wartet. Nun noch einen Foliendeckel aufschweißen. Auch dafür gibt es eine Maschine, die bei einem Internet-Händler soviel kostet wie der Rüttler: 1150 Euro. So ist der Bubble Tea transportfähig, bitte sehr, 2, 50 Euro. Wenn man trinken will, sticht man einen überdimensionalen Halm durch die Deckelfolie. Also los: Pieks. Schlürf. Hm. Schwarztee halt, aber pappsüß und mit einem penetranten Limettenaroma, das sehr künstlich schmeckt. Und diese sensationellen Perlen? Schlürf, plopp. Tatsächlich, es schmeckt nach Mango, auch künstlich, und auf der Zunge bleibt die glibberige Außenhaut zurück, die sich anfühlt wie eingeweichte Gelatine.

Tan Huynh bestreitet gar nicht, dass Bubble Tea enorm süß sein kann. "Wir haben mit dreiviertel der heutigen Sirup-Dosierung angefangen", sagt der Bobo-Q-Sprecher. Aber die deutschen Kunden hätten nach mehr Süße verlangt. Dennoch kämen die Zubereitungen aus seinem Hause nicht auf die von den Krankenkassen kritisierten Kalorienwerte, so Tan Huynh. Über die Produkte der Konkurrenz könne er natürlich nichts sagen.

Hintergrund: Der Bubble-Tea-Markt ist umkämpft. Tee, verschiedene Instant-Pulver, Sirups und die "Bobas" - all das gibt es von verschiedenen Anbietern. Ein Internet-Versender bietet ein Gebinde mit vier 3, 2-Kilo-Eimern Mango-Bobas für 59, 90 Euro an, als rund 15 Euro pro Eimer. Bei einem anderen Großhändler kostet eine ähnliche Sorte 29. 90 pro Eimer, einer verlangt für eine andere Sorte 34, 90 Euro. Für rund 180 Portionen soll so ein 3,2-Kilo-Eimer reichen, die Perlen für einen Becher kosten also rund 20 Cent. Ach ja, die Zutaten. Auf dem Etikett eines Boba-Eimers ist aufgeführt: Mangosirup,Wasser, Zucker, Farbstoffe (E102, E110) Kaliumsorbat (E202), Apfelsäure (E296)… Und welche Geschmacksrichtung es auch ist: Kalziumlaktat (E327) und Seetangextrakt (E 407a) sind immer dabei. Dann tropft man mit Seetangextrakt , den man als "Alginat" kaufen kann, versetzten Saft in eine Kalziumlaktat-Lösung, formen sich außen verfestigte Kugeln - "Popping Bobas" sind geboren.

Die seien in der Tat nichts für kleine Kinder unter fünf Jahren, sagt Tan Huynh von Bobo-Q: "Aber darauf weisen wir in unseren Läden auch hin. Nebenbei: Es gibt diverse Süßigkeiten in dieser Form und Größe, über die sich niemand aufregt." Ein bisschen unfair findet er die Vorwürfe gegen den angeblich so kalorienreichen Bubble Tea nämlich schon: "Die Varianten mit Milchtee zum Beispiel gibt es ohne Sirup." Und da jede einzelne Portion frisch nach dem Baukasten-System zusammengemixt werde, müsse der gesundheitsbewusste Kunde ja nur sagen: "Bitte nicht so süß."

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