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Privatleute renovieren Herrenhäuser in MV : Schloss statt Bungalow

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Knut Splett-Henning gehört mit seiner Familie zu einer Gruppe von Schloss- und Gutshausbesitzern, die mit viel Liebe und persönlichem Einsatz alten Gemäuern zu neuem Glanz verhelfen. Adelig sind die wenigsten von ihnen.

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erstellt am 17.Jan.2012 | 10:00 Uhr

Rostock | Wie ein repräsentativer Zweitwohnsitz sieht die Bleibe von Jutta von Kuick noch nicht aus. Das im Tudorstil gebaute Schloss in Wardow im Landkreis Rostock besticht mit farblosem Putz, Linoleumfußböden, Stuckdecken und freiliegenden Balken im Fußboden.

"Der Vorbesitzer hat im Obergeschoss alle Fußböden herausgerissen. Keine Ahnung, was er damit gemacht hat", sagt die Schlossherrin und zuckt mit den Achseln. Ein paar Räume haben sie und ihr Mann wieder schön hergerichtet und zu ihrem Zuhause gemacht - der Rest des Schlosses, das zu DDR-Zeiten unter anderem als Schule genutzt wurde, ist eine riesengroße Baustelle.

Kuick gehört zu einer Gruppe von Schloss- und Gutshausbesitzern, die im Nordosten mit viel Liebe und persönlichem Einsatz alten Gemäuern zu neuem Glanz verhelfen wollen. Adelig sind die wenigsten von ihnen, und mit Geld kann auch kaum einer um sich werfen. "Das ist ja das Tolle, dass man auch als Normalsterblicher so etwas erwerben kann. Man braucht keine Million", sagt Knut Splett-Henning begeistert. Er und seine Frau Christina sind mit ihren Renovierungsarbeiten schon ein ganzes Stück weiter als Kuick.

Zement und Dachziegel als Währung

Als Christina Splett-Henning 2002 das Gutshaus in Rensow (Landkreis Rostock) für gerade einmal 11 000 Euro ersteigerte, stand das Paar vor einem ähnlichen Scherbenhaufen wie Kuick. In der Auktionsbeschreibung für das Haus stand damals der Hinweis auf "einfachste Ausstattung" und "Schädlingsbefall im Dach". "Das war genau das, was uns damals angemacht hat", sagt Splett-Henning. Das Paar begann, in jeder freien Minute das etwa 800 Quadratmeter große neue Heim zu renovieren und "alles in Zement oder Dachziegel umzurechnen". Mittlerweile sind vier Ferienwohnungen originalgetreu eingerichtet, bald soll einmal wöchentlich ein befreundeter Spitzenkoch die Gäste verköstigen.

So weit ist Kuick noch lange nicht. Einen repräsentativen Zweitwohnsitz will sie anbieten, sieben Suiten inklusive Butlerservice und Chauffeur für Geschäftsleute. Bis zu 3,5 Millionen Euro wird das vermutlich kosten - Geld, das die Eheleute nicht auf der hohen Kante haben und über Fördermittel und mit Eigenleistung aufbringen wollen.

Bis es soweit ist, kann ihr Sohn aber noch getrost im großen Schlosssaal Fußball spielen - der wurde auch früher als Schulturnhalle genutzt. Seine Mutter schwärmt derweil vom "Wild-West-Gefühl" auf dem Land im Nordosten und der Möglichkeit, "hier noch etwas zu entwickeln". Neben ihrem Schloss muss sie sich auch noch um ein etwa sieben Hektar großes Grundstück kümmern, das wieder als Schlosspark hergerichtet werden soll.

Der Park ist auch Andreas Knolls Steckenpferd. Er serviert Besuchern selbst gekelterten Quittensaft und verbringt jede freie Minute auf dem riesigen Grundstück seines Gutshauses in Wesselstorf, in dem er unter anderem alte Obstbaumsorten anbaut. Auch er renoviert seit 1998 Stück für Stück sein Gutshaus und hat im Obergeschoss Ferienwohnungen eingerichtet - Tür an Tür mit drei Mietern, die seit Vorwendezeiten im Gutshaus wohnen. In Knolls Eingangshalle war früher ein Konsum untergebracht.

Zum Schlossherren ist Knoll eher zufällig geworden. "Eigentlich habe ich ein Wochenendhaus an der Ostsee gesucht", sagt er. Nur zufällig sei er dann über die Verkaufsanzeige gestolpert und gleich begeistert gewesen. "Hier hatte ich die meiste Fantasie, was man draus machen könnte". Das Haus habe ihn an die Familienurlaube als Kind erinnert, in Südtirol. "Da waren wir immer bei so einem Grafen, und es gab einen Rittersaal mit alten Rüstungen. Da dachte ich mir, so was will ich auch haben." Ein wenig Größenwahn sei aber auch dabei gewesen, gibt er zu und schmunzelt.

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