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Minderjährige Flüchtlinge in Rostock : Schleuser verdienen am Elend der Kinder

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Neun minderjährige illegale Flüchtlinge im Rostocker Seehafen aufgegriffen

von
erstellt am 07.Jul.2015 | 06:30 Uhr

Szenen, die auch erfahrenen Bundespolizisten ans Herz gehen: Im Rostocker Seehafen wurden allein am vergangenen Sonntag neun illegale Flüchtlingskinder mit und ohne Eltern aufgegriffen. So entdeckte die Polizei am frühen Morgen in einem Berliner Taxi im Seehafen vier afghanische Kinder im Alter zwischen 10 und 13 Jahren . „Die Geschwister waren ohne Eltern nach Kopenhagen unterwegs“, berichtete Polizeisprecher Frank Schmoll. Der Taxifahrer habe in der Vernehmung gesagt, ein unbekannter Mann habe ihm für die Tour 750 Euro versprochen. 550 Euro habe das älteste Kind ihm bereits gegeben. Die Geschwister waren zuletzt in einer Kindereinrichtung in Gießen (Hessen) untergebracht.

Die Bundespolizei alarmierte den Rostocker Kindernotdienst. Gegen den Taxifahrer wird wegen Schleusung ermittelt. Nähere Hintergründe sind bislang nicht bekannt. Nur Stunden später stellte die Bundespolizei eine syrische Flüchtlingsfamilie mit zwei Kindern im Alter von fünf und neun Jahren in einem Fernbus nach Dänemark fest. Die Familie war mit gefälschtem Visa unterwegs. Für die Fälschungen und die Schleusung von Syrien nach Deutschland soll der Familienvater 10  000 Euro bezahlt haben. Die Familie stellte Asylantrag.

Acht Iraker ohne Reisepapiere wurden ebenfalls am Sonntag im Seehafen in einem österreichischen Taxi entdeckt – unter ihnen drei Kinder. Das Taxi kam aus Wien und wollte auf ein Fährschiff nach Schweden. Gegen den 39-jährigen Taxifahrer wird ermittelt.

Durch Krieg und Verfolgung steigt auch in Mecklenburg-Vorpommern die Zahl der festgestellten bandenmäßigen Schleusungen. In den ersten sechs Monaten 2015 wurden laut Bundespolizei 140 geschleuste Flüchtlinge im Land aufgegriffen. Das waren 20 Illegale mehr als im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres. Die meisten der Geschleusten wurden im Rostocker Seehafen entdeckt. Viele gaben bei den Vernehmungen an, dass sie den Schleusern 8000 bis 15000 US-Dollar (6450 bis 12000 Euro) für die Flucht bezahlen mussten. Der Großteil von ihnen kam aus Syrien. Knapp 50 Schleuser konnte die Polizei im vergangenen Jahr landesweit festnehmen.

Wegen der hohen Anzahl von Kindern unter den Geschleusten, wurde in der Rostocker Dienststelle der Bundespolizei extra ein Spielzimmer eingerichtet, berichtete Schmoll. Das Spielzeug spendeten Kinder der Grundschule Gehlsdorf.

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