Ludwigslust : Schleimige Plage frisst Beete leer

<strong>Nacktschnecken:</strong> Nicht nur für den Vorsitzenden der Kleingartenfreunde 'Wiesengrund' in Groß Laasch, Peter Siemens, sind diese Plagegeister ein Übel, das am Gemüse und Blumen unerbittlich nagt. Die Tiere sind derzeit vielerorts eine Plage. Foto: Harald Schulz
Nacktschnecken: Nicht nur für den Vorsitzenden der Kleingartenfreunde "Wiesengrund" in Groß Laasch, Peter Siemens, sind diese Plagegeister ein Übel, das am Gemüse und Blumen unerbittlich nagt. Die Tiere sind derzeit vielerorts eine Plage. Foto: Harald Schulz

Nacktschnecken sind mit ihrem unzähmbaren Fressdrang derzeit zur Plage geworden. Gemüseanbauer, Kleingärtner und Liebhaber von blühenden Beetpflanzen müssen täglich die Plagegeister entsorgen.

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19. Juli 2012, 10:54 Uhr

Ludwigslust | Nacktschnecken sind mit ihrem unzähmbaren Fressdrang derzeit zur Plage geworden. Gemüseanbauer, Kleingärtner und Liebhaber von blühenden Beetpflanzen müssen täglich das Erdreich um die Pflanzen herum nach den schleimigen Schädlingen absuchen und die Plagegeister entsorgen. Der tierische Vernichtungsfeldzug macht auch vor Friedhöfen nicht halt. Dort raffen sie über Nacht die gepflanzte Pracht bestimmter Blumen, wie beispielsweise Tagetes, hinweg. Und liebend gern vertilgen sie frische Salatblätter, Erdbeeren, Petersilie und überhaupt alles, was einen krautigen Wuchs hat, bis zum Stumpf.

Dass die gemeine Nacktschnecke in diesem Sommer in solchen Populationen auftaucht, liegt schlicht an dem feucht-warmen Klima, weiß Hannelore Düde, studierte Pflanzenschutzexpertin und Leiterin des Gartenfachmarktes "Storchennest" in Ludwigslust. "Dieser Wettermix lockt die während der Nacht aktiven Weichtiere förmlich in Scharen an die Erdoberfläche. Die Grundvoraussetzung für die Fresszüge ist allerdings eine ausreichende Feuchtigkeit in der Umgebung."

Eine Nacktschnecke kann im Jahr bis zu 900 Eier ablegen

Die Nacktschnecke, von der eine riesige Vielfalt auch im mecklenburgischen Erdreich vorkommt, besitzt einige Eigenschaften, die ihr Überleben sichert. Als Zwitter kann eine Schnecke im späten Frühjahr, Mitte Sommer und eventuell nochmals im Spätherbst jeweils bis zu 300 Eier im Erdreich ablegen. Das Ausbrüten des Geleges und sogar ein Überwintern hängt von der Erdwärme ab. Selbst fristet die Schnecke ihr unterirdisches Dasein der Temperatur angepasst, in unterschiedlich tiefen Regionen. Und wenn dann alles optimal für die Schnecken zusammenpasst, kommen sie über Nacht in Heerscharen an die Erdoberfläche und richten das Unheil unter den Gewächsen an. Bereits im Morgengrauen haben sich, bis auf wenige Nachzügler, wieder alle in der feucht-warmen Erde verkrochen.

"Die unendliche Menge der Plagegeister aus dem eigenen Garten zu verbannen, ist eine unendliche Aufgabe, denn sie sind ja bereits da, lautet die fast entwaffnende Information von Hannelore Düde. Und doch gibt es vorbeugende Möglichkeiten, die Nacktschnecke nicht aus dem Erdreich zu locken. Die Pflanzenschutzexpertin rät, die Pflanzen stets morgens, nie abends, und nicht flächendeckend zu wässern. Eine große Hilfe sind so genannte Schneckenzäune. Die allerdings müssen freistehend sein, damit die Kriechtiere den Zaun nicht über Halme und Blätter überwinden. Der heimische Garten oder das Blumenbeet müssen Zugänge für die natürlichen Feinde der Nacktschnecken bieten. Bei Igel, Spitzmaus, Maulwurf, Fröschen und einigen Vogelarten steht der schleimige Kriecher auf dem Speisezettel. Das Erdreich nicht nur umgraben, sondern den Boden zerkrümeln, hilft gegen das Ablegen der Eier. Und der Garten sollte erst nach dem letzten Frost umgegraben werden, damit die Eier der noch kühlen Luft ausgesetzt sind.

Mit einem Klassiker, dem schleimigen Ungemach Herr zu werden, räumt Hannelore Düde auf: Die Bierfalle lockt nicht nur Schnecken in der nahen Umgebung der Flasche an. Den Duft nehmen noch sehr viele andere, weit davon entfernte Schnecken auf. Um die Population in Grenzen zu halten, sei es ratsam, tote Schnecken zu vergraben, so Expertin Düde, da die Nacktschnecke auch die eigene, jedoch tote Art nicht verschmäht.

Was bleibt als Mittel der Wahl: Einige Hobbygärtner greifen zu brutalen Mitteln, wie kochendes Wasser oder die auf Feuchtigkeit angewiesenen Tiere mit Salz zu bestreuen. Der Vorsitzende vom Kleingartenverein "Wiesengrund" in Groß Laasch, Peter Siemens, und Hannelore Düde sind gemeinsam überzeugt, dass die beiden effektivsten Mittel gegen die Nacktschneckenplage das tägliche und gründliche Absammeln der, zugegeben, ekelig wirkenden Tiere den erhofften Erfolg bringt. Was dann mit den Schnecken passiert, sei jedem selbst überlassen, so ihre Meinung.

Die andere Empfehlung ist der Einsatz von so genanntem Schneckenkorn, das der Anwender im Fachhandel erhalten kann. Das Gift sollte allerdings den Inhaltsstoff "Eisen III-Phosphat" enthalten. Die Schnecken nehmen die Körner auf, verkriechen sich ins Erdreich und verenden. Doch der Nachwuchs gedeiht gleich nebenan und wartet auf feuchte Wärme.


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