Schlecker: Schwierige Job-Suche

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11. Juli 2012, 07:58 Uhr

Schwerin | Rund zwei Wochen nach der Kündigung der 750 Schlecker-Mit arbeiterinnen aus Mecklenburg-Vorpommern sind derzeit 50 wieder in Lohn und Brot, teilte gestern die Arbeitsagentur Nord auf Nachfrage unserer Redaktion mit. Sowohl die Agentur als auch das Arbeitsministerium in Schwerin schätzen ein, dass sich die Vermittlung der Mitarbeiterinnen aus dem Nordosten deutlich schwieriger gestalte als in den Ballungszentren wie Hamburg.

Laut Agentur-Sprecher Horst Schmitt seien 626 Mitarbeiterinnen aktuell arbeitslos gemeldet. In Bewerbungstrainings und Qualifizierungsmaßnahmen befänden sich davon 125. Als nicht mehr arbeitslos gemeldet sind 44 Schlecker-Beschäftigte, diese seien entweder krank oder verrentet, so Schmitt. Der Sprecher des Arbeitsministeriums Mecklenburg-Vorpommern, Christian Moeller, betonte, wie wichtig es sei, sich arbeitslos zu melden - was nach gegenwärtigem Stand rund 130 Beschäftigte aus MV nicht getan haben.

"Das hat eine Sperre der Arbeitsagentur zur Konsequenz, was wiederum dazu führt, dass keine Leistungen gezahlt werden." Wie Moeller machte auch Schmitt unter anderem die vergleichsweise hohen Gehälter bei Schlecker dafür verantwortlich, dass die Mitarbeiterinnen im Nordosten nun schwieriger zu vermitteln seien. Wie der Agentur-Sprecher in Erinnerung rief, hätten die Beschäftigten bei der Drogeriekette zwischen 10 und 13 Euro verdient - was ihnen nun wohl schwerlich geboten wird. Außerdem sei die Mobilität im Flächenland natürlich eingeschränkter: "Es ist ein Unterschied, ob ich in Hamburg oder auch Rostock Arbeit im Einzelhandel suche oder in der Friedländer Wiese sitze", verdeutlichte Ministeriumssprecher Moeller.

Das Ressort hatte vor etwa zwei Wochen bei der landeseigenen Gesellschaft für Struktur- und Arbeitsmarktentwicklung (GSA) eine Telefon-Hotline für ehemalige Schlecker-Mitarbeiterinnen geschaltet. Dort können sich Interessierte über Jobangebote informieren. Auch Unternehmen können unter dieser Nummer Job-Angebote unterbreiten. Bislang habe die GSA 200 Stellen, die für die Schlecker-Mitarbeiterinnen in Frage kämen, recherchiert und an die Jobbörsen der Arbeitsagentur weitergeleitet. Die direkte, unmittelbare Vermittlung von Stellen sei aber Aufgabe der Agenturen für Arbeit, so Moeller. Die Service-Hotline werde gut genutzt. "Zahlreiche ehemalige Schlecker-Mitarbeiterinnen konnten in der ersten Woche beraten werden", sagte der Sprecher. Eine genaue Zahl konnte er gestern noch nicht nennen.

Die Ratsuchenden würden sich nach Arbeit erkundigen, manche wollten aber auch nur ihren Kummer loswerden. Wieder andere meldeten sich mit Beschwerden, unter anderem über die Jobcenter. Die Arbeitsagentur hatte kurz nach der Entlassungswelle angekündigt, jeder der gekündigten 750 Mitarbeiterinnen binnen drei Monaten ein neues Angebot zu unterbreiten - entweder einen neuen Job oder ein Qualifizierungs- bzw. Umschulungsangebot, so die Chefin der Arbeitsagentur Nord, Margit Haupt-Koopmann.

Die Service-Nummer der GSA 0385/55 775 55 ist Montag bis Donnerstag von 8 bis 17.30 und Freitag von 8 bis 15 Uhr besetzt.

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