Schlecker-Läden brauchen "Anschlussverwendung"

Wittenberge: Das ehemalige Geschäft in der Perleberger Straße steht weiterhin leer, nur die Reklametafel erinnert noch an die Drogeriekette.
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Wittenberge: Das ehemalige Geschäft in der Perleberger Straße steht weiterhin leer, nur die Reklametafel erinnert noch an die Drogeriekette.

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15. Januar 2013, 11:52 Uhr

Heute wird das "Unwort des Jahres" bekanntgegeben. Welcher Begriff am häufigsten vorgeschlagen wurde? "Schlecker-Frauen". Und am zweithäufigsten? "Anschlussverwendung". Damit hat ein optimistisch gestimmter Wirtschaftsminister Rösler (FDP) den gekündigten Schlecker-Mitarbeiterinnen empfohlen, sich einen neuen Job zu suchen. Beide Begriffe zählen zum engen Favoritenkreis für die Negativ-Auszeichnung. "Die Jury will mit dem Titel unangemessene oder inhumane Formulierungen aufdecken", sagt die Sprecherin der Jury, die Sprachwissenschaftlerin Nina Janich. In den vergangenen zwölf Monaten sind mehr als 2200 Begriffe bei der Unwort-Jury eingegangen. In der engeren Auswahl sind knapp 20.

Wir meinen: Das Unwort sollte auf jeden Fall etwas mit dem Schlecker-Aus zu tun haben. Denn das wirkt bis heute nach. Die meisten "Schlecker-Frauen" haben keine neue Anstellung gefunden - und damit Philipp Rösler Lügen gestraft. Auch stehen die meisten Schlecker-Filialen leer. In Hagenow und Rostock. In Ludwigslust und Wittenberge. In Demmin und Sternberg. Wie Mahnmale. Oder bei einem Unwort zu bleiben: Auch die Geschäfte warten auf eine "Anschlussverwendung". Und das nicht nur im Nordosten. In Deutschland mussten 7000 Filialen schließen. Einige wurden von der Konkurrenz übernommen, andere ausgebaut und weiter vermietet. Ein Großteil jedoch ist verwaist. Unsere Bilder könnten überall entstanden sein. Es sind Dokumente einer Pleite.

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