Schlecker-Aus: Ende im Kaufrausch

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Maria Röhlich (24) aus Güstrow deckte sich vor allem mit Windeln und Babynahrung ein. Foto: Anne Schwartz

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08. Juni 2012, 07:24 Uhr

Güstrow | Ausnahmezustand gestern in der Schlecker-Filiale am Platz der Freundschaft in Güstrow. Wie in den restlichen Schlecker-Märkten begann gestern deutschlandweit der große Ausverkauf. In Güstrow gab es dabei Rabatte zwischen 30 und 50 Prozent auf das gesamte Sortiment, so dass zahlreiche Artikel bereits nach wenigen Stunden vergriffen waren.In den nächsten Tagen sollen dem Plan zufolge die Preise weiter reduziert werden - je nach Fortschritt des Verkaufs. Die deutschlandweit gut 13 000 Mitarbeiter der Kette sollen ihre Kündigung zum Monatsende erhalten.

Zu den ersten Kunden gehörte gestern früh die Güstrowerin Maria Röhlich. "Ich habe vom Ausverkauf gehört und gleich zugeschlagen", sagte die Mutter von zwei Kindern. "Ich benötige besonders Windeln und Babysachen, die kann man schließlich auf Vorrat kaufen", meinte sie.

Ähnlich früh war auch Rentnerin Ruth Ortmann in der Güstrower Schlecker-Filiale, jedoch eher aus Gewohnheit: "Ich habe hier oft und gerne eingekauft, da schwingt bei der bevorstehenden Schließung auch viel Wehmut mit. Auch um die zahlreichen Mitarbeiter tut es mir unheimlich leid", betonte die 78-Jährige.

Eben diese Mitarbeiter, vor allem Frauen, sollen nach dem Willen von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Arbeitsagenturchef Frank-Jürgen Weise Fachkräftelücken in anderen Branchen füllen. Besonders gefragt würden Erzieher und Altenpfleger.

Für die Güstrowerin Marlene Raimund ist dieses Gedankenspiel jedoch "ein Unding und absoluter Schwachsinn". "Ich habe selbst jahrelang als Horterzieherin gearbeitet, später eine Umschulung zur Alten- und Familienpflegerin gemacht. Das sind Berufe, für die man berufen sein muss, sie aber nicht gezwungenermaßen ausführen kann", ist die 71-Jährige überzeut. "Die Politik kann nicht einfach bestimmen, wer welchen Job ausübt", so Marlene Raimund.

Die Güstrower Schlecker-Mitarbeiter durften gestern keine Stellung nehmen, die Enttäuschung aber auch Wut über das bevorstehende Aus waren ihnen jedoch ins Gesicht geschrieben.

Ein Datum für das endgültiges Ende der Schlecker-Läden gibt es indes noch nicht; zuletzt war von Ende Juni die Rede. Die Abwicklung des Konzerns - der Ausverkauf der restlichen Ware sowie etwa der Verkauf von Immobilien und Auslandsgesellschaften - könnte laut Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz zwischen 500 und 700 Millionen Euro bringen. Dem stehen bislang Forderungen in Höhe von rund 665 Millionen Euro entgegen. Insgesamt sind rund 25 000 Schlecker-Mitarbeiter von der Insolvenz betroffen.

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