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„Noten sind egal“ : Schlechtes Zeugnis wird geraucht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Aktion aus Berlin: Leonidas-Net-Stiftung ruft zu bundesweiten Demonstrationen auf.

Heiß hergehen könnte es am 22. März vor dem Rostocker Rathaus. Denn an diesem Tag könnten sich einige Schüler einen lang gehegten Wunsch erfüllen und in aller Öffentlichkeit ihr Zeugnis anzünden, genauer gesagt: rauchen. Zu dieser Protestaktion unter dem Motto „Du bist nicht deine Schulnote“ ruft die Leonidas-Net-Stiftung auf der Internetseite unschulbar.net auf.

„Sag deinen Eltern vorher nichts von der Demonstration“, heißt es auf der Internetseite. Hinzu kommt ein Text von Mitarbeiter Kai Bergmann, der auf angebliche Verfehlungen von Eltern und Lehrern sowie die Medienkultur hinweist: „Ihr (Eltern; Anm. der Red.) habt eure Kinder abgestempelt und es versäumt, ihnen das beizubringen, was im Leben wirklich wichtig ist.“ oder „Ihr Eltern, ich verachte eure Designeranzüge, ich verachte eure schnellen Autos, (...), ich verachte eure Karrieren, die auf Ärscheküssen aufgebaut sind, (...), denn hinter dem Vorhang eurer Show liegen die leblosen Körper eurer Kinder“, heißt es weiter in Bergmanns Text. „Ich habe es satt, talentierte Menschen zu treffen, denen in der Schule jahrelang gesagt wurde: Du bist dumm, du bist dumm, du bist dumm“, klagt Bergmann an. „Du kannst dich, egal mit welchen Noten, bei uns bewerben (...). Einzige Bedingung ist, dass du bereit bist deine Schule kurzfristig abzubrechen“, so die Initiatoren auf der Internetseite mit Hinblick auf die Demonstrationen. Auf diesen werden den Schulabbrechern eine zweite Chance gegeben und eine Ausbildung zum Programmierer angeboten. Aufgerufen zu der Aktion sind ausschließlichJugendliche, die älter sind, als 18 Jahre.

„Wir wollen mit dieser Aktion Aufmerksamkeit bekommen – von den Schulabbrechern und der Politik“, sagt Initiator George Papa auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Auftaktveranstaltung ist am 21. März in Berlin geplant, am 22. März soll vor dem Rostocker Rathaus demonstriert werden. „Innerhalb von 16 Tagen planen wir, die großen Städte der Bundesrepublik abzufahren und mit Schülern ins Gespräch zu kommen“, so Papa weiter. Der 39-Jährige hat vier Kinder – sein ältester Sohn ist 19 Jahre alt. „Daher kenne ich mich mit dem Schulsystem aus. Ich habe auch ein paar Jahre im Ausland gelebt und kenne die Unterschiede zwischen anderen Bildungssystemen und unserem.“ Laut George Papa machen Lehrer und Eltern zu viel Druck, was die Schulebetrifft. „Die deutschen Schulen stecken in einer Krise, und das kann so nicht weitergehen“, fordert er.

Der größte Kritikpunkt der Leonidas-Net-Stiftung ist, dass Schulabbrecher und die „schlechten Schüler“ abgestempelt werden. „Einige von ihnen sind sehr schlau, aber manche Fächer in der Schule liegen denen nicht und schon haben sie einen schlechten Durchschnitt und werden als ,dumm‘ abgestempelt“, erklärt der Berliner Papa. Dass diese Aktion, wie von vielen Politikern vermutet, eine Aufhetzung gegen das Schulsystem sei, weist der Familienvater von sich: „Einige Politiker haben bei uns angerufen und sich beschwert. Deswegen haben wir auch die Kommentar-Funktion auf unserer Seite entfernt.“ Dort hätten Jugendliche zum Großteil ihre Schule und einzelne Lehrer beleidigt. „Wir wollen provokativ sein, aber trotzdem seriös bleiben, deshalb mussten wir dies unterbinden“, sagt Papa.

Aufmerksamkeit haben die Initiatoren nicht nur aufgrund der Veranstaltung bekommen, sondern vor allem wegen der versprochenen Preise wie Smartphones, die es bei den Demonstrationen geben soll. „Aufgrund erhöhten Drucks von Seiten der Politik haben sich unsere Sponsoren zurückgezogen und wir werden keine Preise mehr verlosen“, heißt es dazu nur noch auf der Seite.

Auf die geplante Aktion reagiert schon jetzt Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD): „Es ist bemerkenswert, mit welcher Verachtung und Geringschätzung die Initiatoren agieren. Sie beschimpfen auf ihrer Internetseite Lehrer und Eltern gleichermaßen. Sie fordern Schülerinnen und Schüler dazu auf, die Zeugnisse den Eltern nicht zur Kenntnis zu geben, sondern vorher zu verbrennen. Ich bitte daher alle Eltern insbesondere im Raum Rostock, vor der Zeugnisausgabe vorsorglich mit den eigenen Kindern über die geplante Aktion zu sprechen, um diesen Unsinn zu verhindern.“

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erstellt am 22.Jan.2014 | 07:30 Uhr

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