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IQB-Bildungstrends : Schlechter rechnen und schreiben

vom
Aus der Onlineredaktion

Mieses Zeugnis für Deutschlands Grundschüler wegen Zuwanderung und Inklusion? Hintergründe zur neuen Bildungsstudie

von
erstellt am 13.Okt.2017 | 20:55 Uhr

Lange Zeit gab es vor allem gute Nachrichten von Deutschlands Grundschulen, nun wendet sich das Blatt: Schüler der vierten Klassen schneiden in Mathematik, bei Zuhören und Rechtschreibung deutlich schlechter ab als vor fünf Jahren. So jedenfalls das Fazit der Studie „IQB-Bildungstrends“ im Auftrag der Kultusministerkonferenz (KMK). Es gibt bundesweiten Handlungsbedarf. Weshalb sind Deutschlands Grundschüler zurückgefallen? Rasmus Buchsteiner beantwortet wichtige Fragen.

Wer wurde getestet?
29 529 Schüler aus allen Bundesländern haben teilgenommen, überprüft wurden ihre Leistungen in Mathematik und Deutsch. Dabei ging es unter anderem um Textaufgaben zu Mustern, Form- und Raumverständnis, Zahlen, Größen und Wahrscheinlichkeiten. Im Fach Deutsch wurden Zuhören, Rechtschreibung und Lesen getestet.

In welchen Bereichen haben sich Grundschüler verschlechtert?
Die Leistungen im Lesen sind bei bundesweiter Betrachtung weitgehend stabil geblieben. Dennoch: Jeder achte Viertklässler erreicht nicht den Mindeststandard. Bei Zuhören und Orthografie im Fach Deutsch verschlechterten sich die Leistungen bezogen auf die gesamte Bundesrepublik im Schnitt um gut fünf beziehungsweise zehn Prozentpunkte. In Mathematik gab es einen Rückgang um sechs Prozentpunkte.

Wer schneidet am schlechtesten ab?
In der Gesamtschau fällt auf: Bayern, Sachsen und das Saarland belegen im Länderranking jeweils die vorderen Plätze. Unterdurchschnittlich schneiden Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen ab. Ganz hinten liegen die beiden Stadtstaaten Bremen und Berlin. Hamburg hat sich im Vergleich zu 2011 deutlich verbessert. In zahlreichen Ländern gab es deutliche Verschlechterungen: So sank der Anteil der Kinder, die in Mathematik mindestens die Regelstandards erreichen, in Baden-Württemberg, Bremen, MV, Niedersachsen, NRW und Sachsen-Anhalt.

Wie groß sind die Unterschiede zwischen einzelnen Ländern?
Der Abstand ist zum Teil enorm. So erreichten in Bremen 40,2 Prozent der Viertklässler nicht einmal die Mindeststandards bei der Rechtschreibung, in Berlin sind es 33,6 Prozent und in Niedersachsen 27,9 Prozent, in Bayern jedoch nur 12,5 Prozent. Im Fach Mathematik liegt die Spanne beim Anteil der Grundschüler, die die Mindeststandards verfehlen, zwischen 8,3 Prozent (Bayern) und 35,5 Prozent (Bremen).

Wie erklären die Studienautoren den Abwärtstrend?
Es wird auf grundlegende Veränderungen in der Zusammensetzung der Grundschulklassen verwiesen: Erstens, der Anteil von Zuwandererkindern ist bundesweit deutlich gestiegen, um 8,9 Prozent auf 33,6 Prozent. An rund einem Viertel der Schulen sind es sogar mehr als 40 Prozent. Hier handelt es sich meist um Kinder der zweiten Migrantengeneration. Zweitens, immer mehr Kinder mit Behinderungen sind an regulären Grundschulen. Hintergrund ist die Schließung von Förderschulen im Zuge der Inklusion.

Unterm Strich: Die Klassen sind heterogener geworden, die Herausforderungen für die Lehrer gestiegen. Die Studie zeigt, dass nicht allein die Leistungen von Zuwandererkindern in der 4. Klasse schlechter geworden sind, sondern auch die von Schülern ohne Migrationshintergrund.

Welche Konsequenzen müssten folgen?
„Die Länder haben sich zu wenig darum gekümmert, dass ausreichend Lehrkräfte ausgebildet werden“, erklärt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Anders argumentiert der Deutsche Lehrerverband. „Mit Sicherheit haben die Leistungsabfälle auch mit dem stark gestiegenen Anteil von Kindern mit Zuwanderungsgeschichte zu tun“, so Verbandschef Heinz-Peter Meidinger. „Es gibt aber offensichtlich Länder, denen es trotz hohen Migrationsanteils besser gelingt, diese zu guten Leistungen zu bringen als andere.“ Es müsse nun geklärt werden, was die Siegerländer besser machten als die abgehängten.


 

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