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Mecklenburg-Vorpommern

19. August 2017 | 18:56 Uhr

Justiz MV : Schlechte Noten für Juristen

vom
Aus der Onlineredaktion

Richterbund: Zu wenige Absolventen haben das Zeug zum Richter oder Staatsanwalt

Die Gerichte und Staatsanwaltschaften in Mecklenburg-Vorpommern benötigen in den kommenden Jahren dringend Verstärkung – doch nur die wenigsten Jura-Absolventen im Land bringen die notwendigen Voraussetzungen für das verantwortungsvolle Amt als Richter oder Staatsanwaltschaft mit.

Von den 207 Kandidaten, die zwischen 2014 und 2016 zum Zweiten Juristischen Staatsexamen antraten, erhielten nur zwei Absolventen die Note „gut“. Lediglich 15 Kandidaten schlossen die Abschlussprüfung mit dem Prädikat „voll befriedigend“ ab, das als Eintrittskarte in den Richterberuf oder den Dienst bei der Staatsanwaltschaft dient. Das geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken im Landtag zu den Abschlussnoten der Volljuristen im Nordosten
hervor .

Bei mehr als jedem dritten Prüfungskandidaten stand demnach nur „befriedigend“ oder „ausreichend“ auf dem Zeugnis. „Da ist noch Luft nach oben“, ordnet der Vorsitzende des Richterbundes in MV, Axel Peters, die Leistungen der Nachwuchsjuristen in MV ein. Die Justiz im Land suche händeringend gut ausgebildeten Nachwuchs. „Wir stehen vor einer großen Pensionierungswelle“, warnt Peters.

Nach Berechnungen des Richterbundes werden bis zum Jahr 2031 rund zwei Drittel der Richter und Staatsanwälte in Pension gehen. „Es ist deshalb enorm wichtig und höchstes Eigeninteresse, dass wir im Land potenziellen Nachwuchs für die Justiz ausbilden “, sagt Peters. Dass verhältnismäßig wenige Examenskandidaten bei der Abschlussprüfung das Ticket für den Job als Richter lösen, führt Peters vor allem auf Versäumnisse beim juristischen Vorbereitungsdienst zurück. „Das Referendariat wurde jahrelang stiefmütterlich behandelt“, erklärt der Vorsitzende des Richterbundes.

In dem zweijährigen Ausbildungsabschnitt durchlaufen die angehenden Juristen verschiedene Stationen wie Gericht und Staatsanwaltschaft, um praktische Erfahrung zu sammeln. Im Anschluss folgt das zweite Staatsexamen.

Die Ausbildung im Referendariat sei über Jahre aber alles andere als professionell abgelaufen, beklagt Peters. Die Betreuung der Schützlinge sei unzureichend gewesen. Es fehlte an elektronischen Lernprogrammen und Fachliteratur. Mittlerweile wurden laut Peters im Land aber „die Zeichen der Zeit erkannt“ und die Ausbildung der Juristen verbessert. Hoffentlich rechtzeitig genug.

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erstellt am 13.Aug.2017 | 09:00 Uhr

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