Studie zur Betreuungs-Qualität : Schlechte Kita-Noten für MV ungerecht

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Streit um Studie der Bertelsmann Stiftung zur Betreuungs-Qualität. Sozialministerin Hesse widerspricht

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29. Juni 2016, 21:00 Uhr

Mecklenburg-Vorpommerns Kindergärten haben in einer Studie der Bertelsmann Stiftung schlechte Noten bekommen. Nirgendwo in Deutschland muss eine Fachkraft so viele Drei- bis Sechsjährige betreuen wie im Nordosten, wie die Stiftung in ihrem aktuellen „Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme“ ermittelte. Das gehe zu Lasten der Bildungsqualität, heißt es in dem Bericht, der gestern in Gütersloh veröffentlicht wurde.

Sozialministerin Birgit Hesse (SPD) widersprach dieser Aussage. Die Kindertagesbetreuung in Mecklenburg-Vorpommern sei deutlich besser als in der Studie dargestellt, sagte sie in Schwerin unter Hinweis auf das sehr hohe Qualifikationsniveau des Kita-Personals in MV. Auch würden die zusätzlichen Fachkräfte in Einrichtungen in Brennpunkt-Vierteln nicht berücksichtigt, wofür das Land jährlich fünf Millionen Euro bereitstelle.

Infografik: Mehr Personal in deutschen Kitas | Statista
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Der Studie zufolge war im März 2015 in Mecklenburg-Vorpommern eine Fachkraft für 14,1 Kinder zwischen drei und sechs Jahren zuständig. Spitzenreiter unter den Bundesländern ist Baden-Württemberg mit 7,3 Kindern je Fachkraft.

Generell müssten im Osten Deutschlands die Erzieherinnen mehr Kinder betreuen als im Westen, schreiben die Autoren der Studie. Im Nordosten habe es in den vergangenen Jahren zwar Verbesserungen gegeben, doch sie reichten nicht aus. 2012 kamen der Studie zufolge auf eine Erzieherin noch 14,7 Kindergartenkinder. Nach den Empfehlungen der Bertelsmann Stiftung sollte sich eine Erzieherin um höchstens 7,5 Kindergartenkinder kümmern müssen. In der Krippe – dort werden die unter Dreijährigen betreut – lautet die Empfehlung drei Kinder je Erzieherin. In Mecklenburg-Vorpommern sind es sechs.

„Der Kita-Besuch allein verbessert nicht die Bildungschancen der Kinder“, sagte der Vorstand der Bertelsmann Stiftung, Jörg Dräger. Zumal das tatsächliche Betreuungsverhältnis im Kita-Alltag noch ungünstiger ausfalle als der rechnerisch ermittelte Personalschlüssel. Der Grund: Die Erzieherinnen wendeten mindestens ein Viertel ihrer Zeit für Team- und Elterngespräche, Dokumentation und Fortbildung auf.

Sozialministerin Hesse zufolge ist die Zählweise für das Personal in den Kitas in den Bundesländern sehr unterschiedlich. „In Mecklenburg-Vorpommern gehen nur Fachkräfte in die Statistik ein“, erklärte sie. Das sei nicht in allen Bundesländern so, weshalb die Angaben nicht vergleichbar seien. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) rief die Länder auf, sich auf bundesweit einheitliche Standards in Kindertagesstätten zu verständigen. Auch die Stiftung sprach sich für bundeseinheitliche Rahmenbedingungen für Kitas aus, um die Chancengerechtigkeit zu erhöhen.

Die Erziehergewerkschaft GEW, die schon lange mehr Erzieher in den Kitas Mecklenburg-Vorpommerns fordert, verlangte ein stärkeres Engagement der Landesregierung. Weniger Kinder in einer Gruppe ermöglichten es den Erziehern, individueller auf jedes Kind einzugehen, sagte die GEW-Landesvorsitzende Annett Lindner. „Davon profitieren alle.“

Um die Personalschlüssel in MV auf das von der Bertelsmann Stiftung empfohlene Niveau zu heben, sind der Studie zufolge zusätzlich 6600 vollzeitbeschäftigte Fachkräfte in Krippe und Kindergarten erforderlich. Dieses Personal würde nach Berechnungen der Stiftung jährlich rund 305 Millionen Euro kosten. Das entspreche fast einer Verdoppelung der bisherigen Personalkosten.

>> Hier geht es zum Ländermonitoring der Bertelsmann-Stiftung

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