Falsche Angaben, doppelte Anträge : Schlamperei: Bauern verschludern Millionen

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Schluderei auf dem Acker: Landwirte in MV verschenken Subventionen in Millionenhöhe. Durch Fehler und Nachlässigkeiten haben die Bauern in fast 900 Betrieben im vergangenen Jahr rund 1,2 Millionen Euro verloren.

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07. März 2013, 10:08 Uhr

Schwerin | Schluderei auf dem Acker: Hunderte Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern verschenken jährlich Subventionen in Millionenhöhe. Fristen nicht eingehalten, falsche Flächenangaben - durch Fehler und Nachlässigkeiten im jährlichen Antragsverfahren haben die Bauern in fast 900 Betrieben im vergangenen Jahr rund 1,2 Millionen Euro verloren, teilte das Landwirtschaftsministerium mit. Durch ungenaue Flächenangaben oder doppelt gestellte Anträge seien durch die Kontrollbehörden Beihilfen für 1460 Hek-tar aberkannt worden. Knapp 480 000 Euro hätten die Behörden einbehalten. Falsche Angaben hätten die Landwirte um weitere 725 000 Euro gebracht. Durch Anträge seien außerdem auch Ausgleichzahlungen für benachteiligte Gebiete oder Agrarumweltmaßnahmen gekürzt worden. 61 Landwirte verloren im vergangenen Jahr 26 000 Euro, weil sie Antragsfristen verstreichen ließen.

Für die Bauern in MV sind die Direkthilfen von der EU eine der größten Einnahmequellen. Etwa 4700 Betriebe haben im vergangenen Jahr knapp 400 Millionen Euro an Betriebsprämien der Europäischen Union überwiesen bekommen.

Die Finanzhilfen der Steuerzahler werden als Ausgleich für preiswerte Lebensmittel, aber auch für die Pflege der Kulturlandschaft und die Erhaltung der natürlichen Ressourcen gezahlt. Die Prämien sichern bei den Betrieben in MV bis zu 50 Prozent der Betriebseinnahmen im Jahr.

Die Nachlässigkeiten der Bauern verwundern: In der Debatte um die Reform der EU-Agrarförderung wehrten sie sich immer wieder gegen Kürzungen. Die Direktzahlungen seien von entscheidender Bedeutung, wenn die Landwirte die vielfältigen öffentlichen Leistungen nachhaltig erbringen sollen, hieß es beim Bauernverband. Ohne die Stütze aus Brüssel hätten die Bauern kein Auskommen mehr und wäre die flächendeckende Landwirtschaft zum Auslaufmodell geworden. Gleichzeitig setzen die Landwirte aber durch eigene Schlampereien Millionenzahlungen aufs Spiel. "Die Verantwortung trägt jeder Landwirt selbst", sagte Agrarminister Till Backhaus (SPD). Durch selbst verursachte Fehler im Antragsverfahren gingen den Bauern Geld für notwendige Investitionen verloren, kritisierte er die Nachlässigkeiten.

Bis zum 15. Mai können die Landwirte noch die Direktzahlungen für dieses Jahr beantragen. Es liege in der Eigenverantwortung der Landwirte, die Förderanträge gewissenhaft auszufüllen und rechtzeitig zu stellen, sagte Backhaus. Hilfe im teilweise komplexen Antragsverfahren bieten beispielsweise die Bauernverbände an.

Einer früheren Analyse des EU-Rechnungshofes sind etwa zwei Prozent der Förderanträge fehlerhaft. Häufigste Fehlerquelle: Nachlässigkeit bei der Dateneingabe. Betrug sei eher die Ausnahme, hieß es.

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