Zappanale bei Bad Doberan : Schillernde Klänge in großer Tradition

Die Bands präsentierten ein hochkarätiges musikalisches Programm.
Die Bands präsentierten ein hochkarätiges musikalisches Programm.

Der 29. Zappanale-Jahrgang bot erlesene musikalische Feinkost

svz.de von
22. Juli 2018, 20:45 Uhr

Unbestritten war Frank Zappa einer der innovativsten Komponisten und Entertainer der populären Musik des 20. Jahrhunderts – möglicherweise der innovativste. Diese Erkenntnis erhärtete sich erneut auf der gestern in den späten Abendstunden zu Ende gegangenen 29. Zappanale auf der ältesten Rennbahn Deutschlands.

Zappas musikalisches Erbe widersetzte sich hier in geradezu beeindruckender Weise einer Einordnung nach Genres. Ob Doo Wop, Psychedelia, Art-Rock, Progressive-Klänge, moderne Klassik oder Jazz-Rock Fusion – die aus mehreren europäischen Ländern, Japan und den USA angereisten Musiker und Formationen brachten ein vielfältiges, stets hochkarätiges musikalisches Programm auf die beiden Festivalbühnen.

Dass Zappas Musik manchmal eine Herausforderung sein kann, bewies der Auftritt des mit viel Vorschusslorbeeren angekündigten US-amerikanischen Power-Trios Terry Bozzio, Patrick O’Hearn & Warren Cuccurullo. Die Musiker waren an der Einspielung von mehr als zwei Dutzend Zappa-Alben beteiligt, brachten ein mehr als dreistündiges hochkomplexes Programm zu Gehör, das neben Zappa-Stücken und Improvisationen auch eigene Kompositionen und Abstecher zu Duran Duran und den Beach Boys beinhaltete. Als Gast hatte das Trio den Zappa-Freund und Ausnahme-Gitarristen Denny Walley eingeladen, der sich zum Show-Finale ein herrliches Gitarrenduell mit Warren Cuccurullo lieferte und zuvor zweifelnde Fans aus dem Stand heraus besänftigte.

Publikumsliebling des 29. Zappanale-Jahrgangs war die aus Österreich stammende Formation Sex Without Nails Bro’Sis, die unter dem Motto „The Torture Never Stops“ unter der Federführung des Gitarrenvirtuosen Conrad Schrenk eine musikalische Reise durch alle Schaffensperioden Zappas von 1968 bis 1992 antrat.

Großartig war auch der Beitrag der polnischen Band Tatvamasi, die gekonnt Jazz und Rock-Elemente miteinander kreuzte.

Die größte musikalische Überraschung bot eine aus Großbritannien angereiste Formation, deren Wurzeln in der illustren Canterbury-Szene liegen. Das Songbook-Ensemble brachte Kompositionen der unvergessenen Avantgarde-Musikerin Lindsay Cooper in ein mitunter fast atemberaubendes Format, beeindruckte mit starken Einzelleistungen, die von der Keyboarderin Yumi Hara, dem Drummer Chris Cutler und dem Multi-Instrumentalisten Tim Hodgkinson geboten wurden. Beeindruckend war die Gesangsleistung von Dagmar Krause, nach wie vor eine der wichtigsten Stimmen des britischen Progressive-Rock.

Zum Abschluss freute sich das Publikum bei Redaktionsschluss auf den finalen Auftritt der Grandmothers of Invention (USA) mit den Altmeistern Bunk Gardner (Sax) und Don Preston (Keyboards & Synthesizers), zwei Zeugen einer glorreichen Vergangenheit, jener Zeit, als die Musik Frank Zappas gerade begann, weltweit für Aufmerksamkeit zu sorgen.

 

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