Rostock : Schiffe ohne Kapitän im Hafenverkehr

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Rostocker Forscher entwickeln System zum autonomen Navigieren von Schiffen

svz.de von
16. Juni 2016, 08:00 Uhr

Fahrerlose Autos, führerlose Züge und nun Schiffe ohne Kapitän im Verkehr in Ostseehäfen: Forscher der Universität Rostock und der Hochschule Wismar wollen neue Steuerungs- und Regelungsmethoden entwickeln, die in Zukunft einen vollautomatischen Schiffsbetrieb in sicherheitskritischen Bereichen mit erhöhtem Sicherheitsrisiko wie Häfen, Hafeneinfahrten oder auch engen Wasserstraßen ermöglichen – ohne menschliche Unterstüzung. Mit den neuen Systemen, die Daten des europäischen Satellitennavigationssystems Galileo nutzten, sollen Schiffe künftig autonom navigieren können, teilte die Universität Rostock gestern mit.

Schiffe ohne Kapitän: Auf See gebe es bereits entsprechende Systeme, die Schiffe ohne Besatzung fahren ließen, erklärte Prof. Torsten Jeinsch gestern. In sicherheitskritischen Bereichen mit viel Verkehr wie in Häfen würden entsprechende Systeme jetzt entwickelt – Grundlagenforschung, mit der die Rostocker im Weltvergleich in der Spitzengruppe liegen. Es werde aber noch Jahre dauern, bis Schiffe ohne Kapitän in den Rostocker Hafen einlaufen könnten. Mit dem vom Bund mit 440 000 Euro unterstützen Projekt Galileo-Nautic sollen in einem ersten Schritt zunächst Assistenzsysteme entwickelt werden, mit deren Hilfe Schiffe energiesparender vor allem aber sicherer unterwegs sein können, sagte Jeinsch. Damit würden Grundlagen für den autonomen Schiffsverkehr auch in Häfen gelegt. Entsprechende Tests mit kleineren Wasserfahrzeugen würden im Rostocker Forschungshafen erfolgen. Die immer größer werdenden Schiffe seien ohne Assistenzsysteme nicht händelbar. In Zeiten des zunehmenden Schiffsverkehrs bräuchten Menschen Unterstützung, um die steigende Zahl an Informationen für einen sicheren Schiffsverkehr überblicken zu können.

Die Wirtschaft setzt auf die Rostocker Forschung: Wie in anderen Branchen auch gehe der Trend auch in der Schifffahrt zur Automatisierung, erklärte Jonas Wagner vom Verband Schiffbau und Meerestechnik (VSM) in Hamburg – um Kosten zu senken, vor allem aber auch um die Schifffahrt sicherer zu machen. 90 Prozent aller Unfälle auf See würden durch Fehler von Menschen verursacht, meinte Wagner.  

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