Schiffbauer zünden Schweißbrenner

Im Trockendock der Warnemünder Werft von Nordic Yards liegt ein Schiff von Norilsk Nickel zur Reparatur. dpa
Im Trockendock der Warnemünder Werft von Nordic Yards liegt ein Schiff von Norilsk Nickel zur Reparatur. dpa

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01. Juli 2010, 11:21 Uhr

Wismar | Darauf haben die Werftarbeiter in Wismar und Warnemünde seit Monaten gewartet: Die ausstehende Finanzierung des seit zwei Jahren einzigen Neubauauftrages auf den beiden angeschlagenen Werften steht möglicherweise unmittelbar bevor. Erst am Dienstag hatte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) bei Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) noch einmal auf eine schnelle Entscheidung der letzten verbliebenen Bank, der bundeseigenen KfW Ipex, gedrängt. Eine andere Privatbank war zuvor aus den Finanzierungsgesprächen ausgestiegen. "Ich höre von der Bundesregierung seit Wochen, dass wir eigentlich am Ziel sind", erklärte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) gegenüber unserer Redaktion. "Deshalb kann ich nicht verstehen, dass die endgültige Bewilligung immer noch nicht erfolgt ist."

Die könnte nun doch bald erfolgen. Gestern erklärte eine KfW-Sprecherin in Frankfurt: "Die Verhandlungen dauern noch an, sie sind aber auf einem guten Weg und wir sind zuversichtlich, dass sie bald zu einem positiven Abschluss kommen."

Das wird Zeit: Auch ohne Komplett-Finanzierung sollen ab heute wieder die Schweißbrenner zischen und in Wismar der Neubau des 100 Millionen Euro teuren eisbrechenden Tankers für den russischen Bergbau-Konzern Norilsk Nickel beginnen. Bislang hatte Werfteigner Witali Jussufow zwei Fünftel der Auftragssumme persönlich abgesichert - 40 Millionen Euro. Der Russe zeigt sich trotz immer wieder kursierender Zweifel an einer Zukunft des Schiffbaus auf den Werften in Wismar und Warnemünde zuversichtlich, dass die Finanzierung gelingen wird. "Wir haben alle Voraussetzungen erfüllt."

Der Werftboss tritt Befürchtungen entgegen, irgendetwas könnte den Bau des Schiffes noch gefährden. "Das werden wir nicht zulassen", betont er. Im September 2011 solle der Großtanker ausgeliefert werden. Auch der Rostocker IG-Metall-Bezirksleiter Rüdiger Klein ist überzeugt, dass das Schiff gebaut wird. Im Zweifel werde sich Jussufow die Finanzierung schon selbst organisieren, glaubt der Gewerkschafter. "Wenn der was sagt, und er sagt ja sehr selten was, dann kann man ihm das auch abnehmen", zollt er dem 30-jährigen Russen Respekt. Der wisse genau: Wenn er einmal etwas sagt, was nicht stimmt, dann glaubt ihm keiner mehr. "Das Misstrauen ist groß."

Der Argwohn hat Gründe und geht vor allem auf den früheren Werfteigner zurück. Andrej Burlakow, auch ein Russe, hatte die beiden Werften vom norwegischen Aker-Konzern im September 2008 erworben, große Versprechungen gemacht, die Pleite im Juni 2009 aber nicht verhindern können. "Die falsche Ausrichtung von Aker hat dazu geführt, dass der Ruf des Unternehmens beschädigt war", sagt Jussufow. Aber das habe mit dem heutigen Unternehmen und seiner Mannschaft nur noch sehr wenig zu tun. "Wir haben keine Schulden oder mit Risiken behaftete Schiffbau-Projekte", betont er und erteilte zugleich Forderungen eine Absage, Teile des Geländes in Warnemünde an andere Nutzer abzutreten. Wenn es wirtschaftlich Sinn mache, könne er sich eine gemeinsame Nutzung des Geländes mit einem Interessenten jedoch vorstellen. "Ich bin ständig offen für solche Angebote." Nordic werde sich in Warnemünde mit der Windkraft-Technologie beschäftigen, daraus könnten sich technologische oder logistische Synergien mit anderen Unternehmen ergeben. Jussufow stellte aber klar: "Eine Herausgabe von Flächen findet hier nicht statt!"

Derzeit sind in Wismar und Warnemünde noch 700 der einst 2400 Mitarbeiter beschäftigt. Im Ingenieur-Bereich sei das Personal gehalten worden, "das Know-how ist nicht verloren gegangen", betont Personalchef Björn Cleven. Für 500 Mitarbeiter gebe es eine Absichtserklärung; sie seien die ersten, die eingestellt werden, wenn die Projekte laufen, so Jussufow. Fernziel sei eine Mitarbeiterzahl von 1600.

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