Kartellamt ermittelt gegen Stahl-Konzerne wegen Preisabsprachen : Schienen-Kartell: Auch Schwerin abgezockt?

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Millionensummen haben Schwerin und Rostock zuletzt in das Netz ihrer Straßenbahnen investiert. Und sind dabei möglicherweise die Opfer eines Schienen-Kartells geworden. Es geht um Betrug und illegale Preisabsprachen.

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07. Januar 2013, 07:32 Uhr

Rostock/Schwerin | Millionensummen haben Schwerin und Rostock in den letzten Jahren in das Netz ihrer Straßenbahnen investiert. Und sind dabei möglicherweise die Opfer eines Schienen-Kartells geworden. Es geht um Betrug, illegale Preisabsprachen und den möglichen Schadenersatz.

Ein Kartell rund um das Unternehmen Thyssen Krupp soll über Jahre die Preise für Schienen abgesprochen haben. Betroffen war laut Bundeskartellamt in jedem Fall die Deutsche Bahn. Inzwischen stehen auch Nahverkehrsaufträge im Visier der Ermittler.

"Der Verdacht liegt nah, aber wir warten weiter auf die Ermittlungsergebnisse", so Norbert Klatt, Geschäftsführer der Nahverkehr Schwerin GmbH. Eine Million Euro hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren in Schienen investiert. Jetzt werden die Belege noch einmal geprüft. Ein möglicher Schaden sei schwer zu beziffern, so Klatt. Es gäbe nur wenige Hersteller, die fast ausnahmslos in die Affäre verstrickt seien. "Wenn wir davon ausgehen, dass deren Angebote abgesprochen waren, fehlen uns die Referenzwerte."

Auch in Rostock prüft man derzeit die Belege, so Jochen Bruhn vom Vorstand der Rostocker Straßenbahn AG. "Wenn sich der Verdacht bestätigt, wird es wohl um größere Summen gehen", vermutet er. Schließlich seien dreistellige Millionenbeträge in den Nahverkehr investiert worden. Die wolle man gegebenenfalls auch vor Gericht zurück fordern.

Die Süddeutsche Zeitung hatte gestern unter Berufung auf die Ermittlungsakten berichtet, dass Rostock und Schwerin von den Geschäften des Schienenkartells betroffen seien. Weder das Kartellamt noch die Unternehmen wollten dies auf Nachfrage bestätigen.

Als unverhofften Geldsegen will Jochen Bruhn die möglichen Ansprüche nicht sehen: "Es ist nie schön, wenn man betrogen wird, zumal wenn es um öffentliche Gelder geht". Die Affäre zeige zudem die Abhängigkeit von den Herstellern. "Der Betrug wäre nie ans Licht gekommen, wenn nicht eines der Unternehmen reinen Tisch gemacht hätte", so Norbert Klatt.

Ob es illegale Preisabsprachen im Nahverkehr gab, sei Thyssen-Krupp nicht bekannt, erklärte Pressesprecher Stefan Ettwig auf Nachfrage. "Wir haben den Ermittlern unsere Akten zu Verfügung gestellt und warten auf die Ergebnisse." Man habe allerdings Rücklagen gebildet, für den Fall, dass weitere Schadenersatzforderungen auf das Unternehmen zukommen.

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