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Auftakt der 8. "Kulturtage Dechow" : Scheinbar harmlos, dann gnadenlos

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"46 Muskeln braucht der Mensch, um seine Stirn zu runzeln, aber nur 17, um zu lächeln." Mit verblüffenden Fakten wie diesen, begann Axel Pätz sein Publikum darauf einzustimmen, was es am Freitag im "Haus Dechow" erwartete.

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erstellt am 05.Mär.2012 | 10:28 Uhr

Dechow | "46 Muskeln braucht der Mensch, um seine Stirn zu runzeln, aber nur 17, um zu lächeln." Mit verblüffenden Fakten wie diesen, begann Axel Pätz sein Publikum darauf einzustimmen, was es am Freitagabend im "Haus Dechow" erwartete. Die meisten der zum Teil weit gereisten Gäste im rappelvollen Saal der kleinen mecklenburger Dorfbühne schienen jedoch dafür gewappnet, von dem frisch gekürten Vizesieger beim Hamburger Comedypreis "Die Ganze Wahrheit" zu ertragen.

Gastgeberin Irmgard von Puttkamer jedenfalls war sich des Erfolgs dieses Abends sicher. Immerhin hatte es die ehrenamtliche Organisatorin zwei Jahre Beharrlichkeit gekostet, um den seinerzeit in Alma Hoppes Hamburger Lustspielhaus kennen gelernten Tastenkabarettisten für den Auftakt des inzwischen 8. Jahrgangs der "Kulturtage Dechow" zu gewinnen.

War Axel Pätz - ganz in der Art des legendären amerikanischen TV-Serien-Inspektors "Columbo" - zunächst recht harmlos auf der Bühne erschienen, so deckte er bald gnadenlos seine "in dunklen Schluchten des brutalen Alltags" gewonnenen Erkenntnisse aus nahezu allen Gebieten des Lebens mit glasklaren Worten und stimmig handgemachter Musik auf.

Bei seiner Schilderung von Herausforderungen langjähriger Ehe, Geburtstrauma, Kindererziehung und nicht zuletzt den in Endlosschleifen kreisenden Oma-Dialogen folgte ihm das sehr spontan reagierende Dechower Publikum noch aufgeschlossen durch die Abgründe eines bekannten schwedischen Möbelhauses. Ja, die Entschlüsselung des vierbuchstabigen Akronyms dieser 1942 durch einen pfiffigen smaländischen Jungen begründete Weltfirma wurde mit Eingreifen eines Landsmanns aus seiner Mitte sogar zum Heimspiel. Derart ermuntert trieb der Kabarettist sein "Premium-Gold-3 Sterne-de Luxe-Publikum" fast in Ekstase, bis schließlich vielen seiner Zuhörer bei der hammerharten Satire um Gelüste, mal einen zu "erschießen" oder das "Baby im Gefrierfach" buchstäblich das Lachen im Halse stecken blieb.

Als versiertem "Party- und Lebensberater" sowie Gründer einer Selbsthilfegruppe der "Anonymen Nichtumarmer" gelang es Axel Pätz allerdings rasch wieder, die Stimmung zu retten und sein Publikum sogar erfolgreich zum Mitsingen des Liedes "Leben ist schön" zu animieren. Kamen darin doch solche unumstößlichen Wahrheiten vor, wie "Leben ist Gefahr. Wer lebt, der ist ein Held, ein Held wie Du und ich".

Nach mehr als zwei Stunden Gefühlschaos schenkte der sichtlich begeisterte Künstler Dechow mit dem hoch aktuellen Vorschlag "Morgen gründen wir ´ne Bank" eine grandiose Zugabe, die quasi eine Bühnenpremiere war. Wer demnächst noch mehr von Axel Pätz live erleben will, muss ihm wohl oder übel zu seinen kleinen, aber feinen Gastspielen quer durch die Bundesrepublik folgen oder am 4. Mai "Ottis Schlachthof" im Bayerischen Fernsehen anschalten.

Die "Kulturtage Dechow" indes präsentieren bereits am 13. April den "Karneval der Tiere" als Trio sowie am 8. Mai den Weltstar Giora Feidman in gefühlvoller Begleitung mit "The Spirit of Klezmer".


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