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Nordeuropäische Erdgasleitung (NEL) : Schatzsucher buddeln sich durchs Land

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Den letzten Coup des Jahres haben Archäologen kurz vor Weihnachten bei NEL-Arbeiten im winzigen Dorf Rey gelandet. Bei Altkalen stießen sie völlig überraschend auf eine riesige Wohnsiedlung aus der Zeit um 400 n. Chr.

Schwerin | Den letzten Coup des Jahres haben Archäologen kurz vor Weihnachten im winzigen Dorf Rey bei Altkalen (Landkreis Rostock) gelandet. Auf einem 400 Meter langen Abschnitt der künftigen Nordeuropäischen Erdgasleitung (NEL) stießen sie völlig überraschend auf eine riesige Wohnsiedlung aus der Zeit um 400 n. Chr., wie Landesarchäologe Detlef Jantzen sagt. Mit fast 1300 Einzelfunden wie Hausgrundrissen und Keramikscherben gehöre das Dorf der späten römischen Kaiserzeit zweifelsohne zu den bedeutendsten Fundstellen auf der 230 Kilometer langen Gastrasse quer durch MV.

Fast 100 Großgrabungen nahmen die Bodendenkmalpfleger gemeinsam mit bis zu 200 befristet eingestellten Helfern seit Juni 2010 an der NEL vor. Etwa 80 Fundorte seien bereits bekanntgewesen. Doch auf jeder fünften Stelle seien die "Schatzsucher" so wie in Rey ganz zufällig während der Erdarbeiten kurz vor dem Trassenbau gestoßen, sagt Jens-Peter Schmidt, verantwortlich für Sonderprojekte beim Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Schwerin.

Insgesamt müssten mehr als 500 größere und kleinere Fundplätze auf der 30 Meter breiten Trassenstrecke analysiert und eingeordnet werden. Die wissenschaftliche Auswertung sämtlicher Dokumentationen und Fundstücke aus mehreren Jahrtausenden werde mindestens bis Mitte 2012 andauern.

Beim letzten Schnitt quer durch den Nordosten, den der zehnjährige Bau der Küstenautobahn A 20 den Archäologen bescherte, seien nur ausgewählte Fundplätze und damit rund zehn Prozent der 300 Kilometer langen Baustelle untersucht worden. Ganz anders das Vorgehen bei der NEL: Der Bau der Gastrasse durchs Binnenland sei ständig und lückenlos über 18 Monate hinweg begleitet worden, sagt Jantzen. Nur so eine kontinuierliche Suche mit den Baggern im Rücken habe Sensationen ermöglicht wie jetzt in Rey oder jüngst den Fund eines riesigen Teerofens bei Dargun (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte). "Wir bremsen Investitionen nicht aus, sondern machen sie erst möglich", betont Landesamtschef Michael Bednorz die Pflicht zur Geschichtsbewahrung von Bauherren. "Archäologen retten das kulturelle Gedächtnis des Landes." Erst großflächige Grabungen könnten alle Siedlungsepochen einer Region anschneiden und Puzzleteile in einen Zusammenhang bringen.

Die Trasse selbst, die an die Ostseepipeline in Lubmin anschließt und gen Westen insgesamt 440 Kilometer durch Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen nach Bremen führt, soll im Herbst 2012 fertig sein.

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erstellt am 26.Dez.2011 | 05:45 Uhr

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