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Sperrmüllsammeln in MV : Schatzjäger im Wohlstandsmüll

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Sie heißen Mirek, Vasco, Mehmet oder Yasar. Sie leben von dem, was die Wegwerfgesellschaft aussortiert. Ein Blick in die Schattenwelt der Sperrmüllsammler.

Sie heißen Mirek, Vasco, Mehmet oder Yasar. Sie fahren in Transportern durch Dörfer und durchstöbern den Sperrmüll. Sie leben von dem, was die Wegwerfgesellschaft aussortiert. Von muffigen Teppichen, alten Fernsehern, klapprigen Fahrrädern... Die einen halten sie für Kriminelle. Die anderen für pfiffige Zweitverwerter.

So sehen die zwei Seiten der Geschichte aus. Einer Geschichte über Recht und Unrecht, über Vorurteile und Geschäftemacherei. Einer Geschichte über das schmutzige Geschäft mit dem Sperrmüll. Ein Blick in die Schattenwelt der Sperrmüllsammler.

Der Pole Mirek bestreitet sein Lebensunterhalt mit dem Sammeln von Müll. Fotos: Lisa Kleinpeter
Der Pole Mirek bestreitet sein Lebensunterhalt mit dem Sammeln von Müll. Fotos: Lisa Kleinpeter

„Ein guter Pole ist ein Pole ohne Hände.“ Grinsend steht Mirek an seinem weißen Transporter, blinzelt in die Sonne und lässt die Handkante auf seinen Arm herabschnellen. „Ist doch so", sagt der 41-Jährige und zieht an seiner Zigarette. „Die Leute denken, wir Polen klauen alle."

Blumenkästen, eine abgebrochene Harke, Tapetenrollen, eine rostige Schubkarre liegen auf einem Haufen im Amselweg in Krenzliner Hütte bei Ludwigslust. Morgen wird der Sperrmüll abgeholt. Heute ziehen neun alte Transporter hier ihre Kreise. DMI, POT, P – ausländische Kennzeichen. Das fällt auf in dem kleinen Ort. Mirek und seine Frau Agnes stehen mit ihrem Sprinter vor dem Müll. Das Paar lebt von dem, was wir wegschmeißen. „Haste Glück, findest du was, haste kein Glück, haste nichts.“

Steffen Grünwaldt sitzt in seinem Büro vor einem Aktenordner mit Zahlenkolonnen. „Die Bewohner fühlen sich massiv belästigt von den Sammlern." Belästigung, Angst, Diebstahl, Ärger sind die Worte, die fallen, wenn der Betriebsleiter des Abfallwirtschaftsbetriebes Ludwigslust-Parchim auf die Sperrmüllsammler angesprochen wird. Sie würden nachts durch die Orte fahren, Krach machen, Grundstücke betreten, an Ortseingängen campieren, Chaos im Müll anrichten.
Zum Wegschmeißen zu Schade: Ein Amselwegbewohner (r.) gibt dem Polen Thomas, was er selbst nicht mehr braucht.
Zum Wegschmeißen zu Schade: Ein Amselwegbewohner (r.) gibt dem Polen Thomas, was er selbst nicht mehr braucht.

Mirek deutet auf den Schlafplatz hinter der Fahrerkabine. „Da liege ich. Meine Frau schläft auf dem Sitz." Er lacht. Eine Fahrerkabine – das ist alles. Für Mirek und Agnes, beide 41, die meiste Zeit ihr rollendes Zuhause. Geduscht wird in Raststätten, Freunde trifft man auf Parkplätzen. Ein Mikrokosmos im Transporter. Immer auf der Suche nach dem Schatz im Sperrmüll. Einmal war es eine alte Suzuki. Für die beiden ist das seit zwölf Jahren Alltag. Ihr anderes Leben: Zwei erwachsene Kinder, ein Haus in der Nähe von Breslau in Polen. Demnächst werden sie Großeltern. Warum sie das machen? „Sperrmüll bringt das beste Geld", sagt Mirek. 2000 bis 3000 Euro pro Schatz-Ladung verdienen Agnes und er. Mehr als früher. Da war sie arbeitslos und er Erntehelfer auf einer Apfelplantage bei Hamburg. Heute freut sich Mirek über einen Stepper von Kettler am Straßenrand – 150 Euro.

 

37 550 000 000 Kilogramm wiegt der Müllberg, den die Deutschen Jahr für Jahr produzieren – statistisch mehr als 450 Kilo pro Person. 29 Kilo davon landen als Sperrmüll  am Straßenrand.  Dazu kommen weitere neun Kilo Elektroschrott. Der Landkreis Ludwigslust-Parchim entsorgt 11200 Tonnen Sperrmüll  – 50 Kilo pro Person. Jedes Jahr werden es 200 bis 300 Tonnen mehr. Und dennoch: Von einst 1000 Tonnen Altmetall erreichen nur noch sieben bis acht Tonnen die Entsorger. Der Rest – verschwindet.
Der Kurde Yasar (l.) und der Bulgare Vasco stehen in Alt Krenzlin vor Vascos Transporter: Man kennt sich. Man lässt sich in Ruhe. Links: Mirek aus Polen sammelt  seit zwölf  Jahren Sperrmüll.
Der Kurde Yasar (l.) und der Bulgare Vasco stehen in Alt Krenzlin vor Vascos Transporter: Man kennt sich. Man lässt sich in Ruhe. Links: Mirek aus Polen sammelt seit zwölf Jahren Sperrmüll.

Vasco, 55, kämpft am Rande von Alt Krenzlin mit einem Teppich – 20 bis 30 Euro. Im HSV-Dress hievt der Bulgare die Beute in seinen weißen Transporter. Als Mirek und Agnes vorbeifahren, nickt er. Man kennt sich. Man lässt sich in Ruhe. Ein grünes sattelloses Fahrrad, ein staubiger Fernseher, ein Radio –  es ist noch viel Platz im Transporter. Kaputte Geräte repariert der gelernte Elektriker selbst oder seine Freunde in Bulgarien. Nebenan steht sein Sohn Dennis, 32, im Bayern-T-Shirt an einem zweiten Sprinter. Sperrmüllsammeln als Familienunternehmen. „Eine Woche, bis die Wagen voll sind", schätzt Vasco. Dann geht es zurück in die Heimat – 2000 Kilometer bis in den bulgarischen Bezirk Russe. 2000 Kilometer für eine Ladung Wohlstandsmüll. Das Geschäft wird mühsamer. Patrouillierten früher noch fünf Sperrmüllsammler durch die Dörfer, sind es inzwischen zehn oder 15. „Mehr Konkurrenz, weniger Ausbeute", sagt Vasco und winkt ab. Warum die beiden das machen? „Scheiß Politik in Bulgarien. Wenig Geld."

Zweimal im Jahr dürfen die Dorfbewohner im Landkreis Ludwigslust-Parchim ihren Sperrmüll an die Straße stellen. Auf polnischen Märkten bieten Händler Pläne mit den Abholzeiten an – für die Schatzjäger. In anderen Kreisen in MV und auch in Schwerin gilt ein Bestellsystem. Jeder Haushalt kann einmal oder zweimal im Jahr seinen Sperrmüll entsorgen lassen. Ein Angebot, das die Einwohner wenig nutzen. Bei 53 000 Haushalten in Schwerin gibt es im Jahr nur 6000 bis 7000 Abholungen.  Zu diesem System will auch der Landkreis Ludwigslust-Parchim – und nebenbei die lästigen Schatzsucher loswerden.  Am 1. Januar 2017 soll es so weit sein.

„Brauchst du ihn, kaufst du ihn. Brauchst du ihn nicht mehr, kommen wir und sammeln ihn ein." So sieht Yasar das Thema Kühlschrank. Der Kurde, Halbglatze, Schnauzer, ist offiziell arbeitslos, lebt seit 1973 in Hamburg. Zum Sperrmüll fährt er nur, wenn er Lust hat. Warum er das macht? Für seine Frau und seine zwei Jungs. Einen Wandhaken emporhaltend, verkündet der 58-Jährige im Schatten der Bäume von Alt Krenzlin: „Egal was – wir nehmen das mit." Er lacht. Sein Glück: „Wenn etwas nicht funktioniert, schmeißen die Deutschen es weg."  Ein kaputter Kühlschrank bringt in der Billstraße in Hamburg 10 bis 20 Euro.

Wem gehört der Sperrmüll überhaupt? „Die zur Abfuhr bereitgestellten Abfälle dürfen von Unbefugten nicht durchsucht und nicht entfernt werden, das gilt insbesondere für den am Straßenrand abgelegten Sperrmüll sowie Haushalts-, Elektro- und Elektronikschrott." So heißt es in Paragraf 8 der Abfallsatzung des Landkreises.  „Sobald die Menschen den Müll herausstellen, gehört er der Abfallentsorgungsgesellschaft", stellt Synke Kern vom LKA in MV klar. Wer dagegen verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Die niemand ahndet.
Zweimal im Jahr wird der Sperrmüll in Krenzliner Hütte abgeholt.
Zweimal im Jahr wird der Sperrmüll in Krenzliner Hütte abgeholt.

Sperrmüllsammeln heißt vor allem  warten. Mirek und Agnes stehen wieder  im Amselweg in Krenzliner Hütte. Ein türkisfarbener Transporter fährt vor. „Thomas“, sagt Mirek. Zigaretten glimmen auf. Seit fünf Jahren lebt Thomas vom Sperrmüll. In Polen war der 39-Jährige arbeitslos. Drei Kinder muss er versorgen: 3, 8 und 18 Jahre alt.  Sie warten in  Militsch auf ihren Vater. Warum er das macht? Weil das alle machen. Militsch – das sei quasi der Geburtsort der Sperrmüllsammler, Deutschland ihr Mekka. 900 Transporter pendeln  ununterbrochen  allein zwischen dem 12000-Einwohnerort und der Bundesrepublik hin und her. „Vor 25 Jahren fuhr der erste. Dann auch der Nachbar und irgendwann alle."

Steffen Grünwald ist überzeugt, dass sich organisierte Banden über seinen Müll hermachen. Der Landkreis registriere „ganz viele Beschwerden“ von Anwohnern. Viele hätten Angst, die Einbruchszahlen stiegen. Wie viele Anrufe gibt es? Das lasse sich nicht genau sagen, so der 43-Jährige. Vor einigen Jahren habe es Kontrollen mit der Polizei gegeben. Ergebnis: Einige Bußgelder wegen fehlender Papiere. „Du verjagst die, und nach drei Monaten sind die wieder da.“

Vasco sagt: Mit den Anwohnern gibt es keine Probleme. „Manche kommen und sagen: Könnt ihr alles mitnehmen." Mirek sagt: „Viele Leute haben Angst. Sie warten in ihren Häusern, bis wir weg sind."

Nachgefragt bei der Polizei. Vereinzelt gebe es Anzeigen im Landkreis, etwa fünf im vergangenen Jahr, „keine  Welle“, heißt es bei der Polizei  in Ludwigslust. Ein Zusammenhang zwischen der Sperrmüllentsorgung und der Einbruchszahl  sei nicht zu erkennen. In Stralendorf eskaliert Anfang Juni die Situation am Sperrmüllhaufen.  Ein Anwohner zückt eine Schreckschusswaffe, als ein Mann nach Brauchbarem stöbert. Die Polizei rückt an. Der Sammler hat sie aus Angst gerufen.

„Thomas! Thomas!“ Ein Rentner in Shorts lehnt sich über seinen Jägerzaun im Amselweg in Krenzliner Hütte und winkt dem Polen. „Willst du eine Waschmaschine mitnehmen? Funktioniert noch.“ Thomas lehnt ab. Zu schwer. „Ich finde das gut, was die machen“, sagt der Anwohner, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will. Wegschmeißen sei zu schade, verkaufen zu aufwendig. Der Rentner übergibt seine Schätze direkt, damit die Sammler keinen Ärger bekommen. Vor seiner Garage füllt er mit Thomas eine Schubkarre: Fußbad, Fleischwolf, eingeschweißtes Bettzeug, Kirschentkerner, Kleiderbügel… Die Überbleibsel von drei Haushaltsauflösungen verstorbener Verwandter. Ab in den türkisfarbenen Bulli. Zum krönenden Abschluss zaubert der Shortsträger noch eine Flex aus der Garage. 30 Euro.

Fünf bis sechs Lkw bringen täglich mehr als 40 Tonnen Sperrmüll nach Schwerin.
Fünf bis sechs Lkw bringen täglich mehr als 40 Tonnen Sperrmüll nach Schwerin.
Altmetall und Elektroschrott  – das ist das einzige, was vom Sperrmüll Geld in die Kassen spüle, sagt Steffen Grünwaldt. Neben den Schatzsuchern verwandeln Händler und selbst Feuerwehren die Metalle in bare Münze. „Das ärgert uns schon“, räumt der Betriebsleiter ein. „Abfallentsorgung kostet Geld.“ Als Subunternehmer entsorgen Remondis und Alba den Sperrmüll. Für Einsammeln  und  Verwertung werden  für den Kreis 150 Euro netto pro Tonne fällig.  Wer das zahlt? Die Bewohner mit der Abfallgebühr.
Hier sollte der Sperrmüll landen: Sven Gesierich (l.) und Steffen Grünwaldt  stehen in der Abfallsortieranlage in Schwerin.
Hier sollte der Sperrmüll landen: Sven Gesierich (l.) und Steffen Grünwaldt stehen in der Abfallsortieranlage in Schwerin.

„Wegwerfen und teuer neu kaufen, so sind wir",  sagt Amselwegbewohner Rolf Albers.  Der 75-Jährige drückt irritiert auf dem platten Reifen einer Schubkarre vom Müllberg herum. „Warum die hier steht, weiß ich auch nicht.“ Kurz überlegt er, ob er die Karre selbst mitnehmen soll. Er überlässt sie den Polen.

Mit der Einführung eines individuellen Bestellsystems  will der Landkreis  „die negativen Begleiterscheinungen der Straßensammlungen auf ein Mindestmaß  reduzieren“, so Grünwaldt. In 15 Abfallsammelfahrzeuge und bis zu 23 Stellen soll investiert werden. Schluss mit der Straßensammlung, mehr Flexibilität. Kostengünstiger soll es außerdem sein. Die Kunden müsste es freuen, weil dann doch keine Banden mehr in ihren Vorgärten herumgeistern.  Oder? Eine Umfrage dazu liefert ein überraschendes  Ergebnis: 80 Prozent wollen die  Straßenabholung beibehalten. Grünwaldt ist nicht sicher, „ob die Meinung der Bürger abgebildet wurde“. Am vergangen Mittwoch war das Thema im Umweltausschuss des Kreises, im September soll eine Entscheidung fallen.

Hamburg, Billstraße am späten Abend. Es riecht nach Fisch und Benzin. In dem Meer aus Transportern wartet auch Yasars Beute aus MV auf Käufer. Nur eine Zwischenetappe für den Wandhaken aus Alt Krenzlin. Auf zwei Kilometern Länge wachsen in den Hinterhöfen Berge aus Kühlschränken, Waschmaschinen, Fahrradgerippen und Matratzen in den Himmel. Schilder mit „Import – Export“, „Verschiffung – Einkaufsvermittlung“, Lkw mit Kennzeichen aus der ganzen Welt.  Afrikaner, Türken, Hamburger  wuseln umher. Die Weiterverwertungskette ist multikulturell. Mittendrin: Mehmet, blaue Augen, Fünf-Tage-Bart, Jogginganzug, Crocs. Das Kapital für sein Geschäft hat der Türke vor 15 Jahren  in Schwerin und Umgebung erarbeitet – als Sperrmüllsammler. Inzwischen lebt der 50-Jährige von Haushaltsauflösungen. „Noch drei oder vier Jahre, dann ist Schluss, dann kümmere ich mich nur noch um den Sperrmüll, das ist leichter." Warum er das plant? Dann sind drei seiner vier Kinder mit ihrem Studium fertig.

Wenn die Transporter weg sind,  treten die Müllmänner  des Landkreises in Aktion.  Michael Jastram , 57, und David Peschel, 29,  werfen Sonnenschirme und Kunststoffwellplatten in den Sperrmüllwagen, der 8,5 Tonnen schlucken kann. „Die schütten alles aus, wühlen alles durch“, sagt Jastram über ihre Vorgänger am Müllhaufen. „Das ist ein Ärgernis für die Anwohner.“ Doch die Haufen am Wegesrand sehen ordentlich aus.  Knirschend zermalmt die Maschine die Schirme und Platten. Im zweiten Lkw dahinter sieht es aus wie in einem Elektromarkt. Herd, Kühlschrank, Fernseher, reihenweise Computerbildschirme... Ungewöhnlich, findet Jastram. Die Sammler würden sonst alles nehmen, was aus Metall ist, würden Geräte aufbrechen, Kabel abschneiden. Vieles höre man über die Schatzsucher. Zum Beispiel: „Die lagern vorne in den Transportern ihr Diebesgut und nehmen den Sperrmüll nur als Tarnung.“ Die Polizei kontrolliere die vollen Wagen nicht mehr. Heißt es.
Sperrmüll, der in der Billstraße landet, wird meistens nach Afrika verschifft.
Sperrmüll, der in der Billstraße landet, wird meistens nach Afrika verschifft.

Hamburg, Billstraße: Inmitten von Puppenhäusern, Fahrrädern und Kerzenständern steht Mehmet im Laden seines Cousins, des Schrottexperten. Fast alles hier landet früher oder später in einem Schiffscontainer Richtung Afrika. „Das eine Land braucht Fahrräder, zum Beispiel Ghana, das andere Möbel.“ Der Türke klopft einem jungen Mann aus Kamerun auf die Schulter. „Der arbeitet sieben Tage die Woche, immer.“ Der Afrikaner schüttelt den Kopf. Er sucht die Waren selbst aus, die in seine Heimat verschifft werden. Von Hamburg in die Zwei-Millionen-Einwohner-Stadt Douala, ein Monat Seeweg. 3000 Euro kostet der Containertransport, sagt Mehmet. Wie viel Gewinn da noch übrig bleibt, verrät er nicht. Nur so viel: Zum Ausschlachten der Geräte wegen des  Metalls sei der Transport zu teuer. „Das macht keinen Sinn“, behauptet er. Und: Nicht alles, was sich hier stapelt, lässt sich am Ende zu Geld machen. Was geschieht mit dem Rest? „Sperrmüll“, sagt der Türke und zuckt mit den Schultern. Zehn Prozent kann er nicht verkaufen. Für 45 Euro pro Kubikmeter muss er alles entsorgen lassen. Beim Recyclinghof.

Zwei Bagger fressen sich durch meterhohe Berge aus 700 Tonnen Müll  in Schwerin-Görries.  Ein Lkw  spuckt polternd 7,5 Tonnen Sperrmüll aus. Staub wirbelt auf. „Ich bin mit Abfall großgeworden“, sagt Sven Gesierich, Niederlassungsleiter der Alba Nord.  Der 32-Jährige ist seit 15 Jahren im Geschäft und Chef von 150 Mitarbeitern. In Schwerin wird der Sperrmüll aus  Ludwigslust-Parchim sortiert. Fünf bis sechs Lkw bringen täglich mehr als 40 Tonnen davon. Es ist der legale Weg des Mülls.   Das Ziel: „So viele noch nutzbare Stoffe wie möglich aussortieren, so wenig Restmüll wie möglich übrig lassen.“  Holz  verheizen Anlagen in der Region. Der wertvolle Schrott  wird weiterverkauft und teilweise wieder zu neuen Produkten verarbeitet. Der aktuelle Schrottpreis: 80 Euro pro Tonne. Der Restmüll kehrt zurück nach Ludwigslust und wird in der Thermischen Abfallverwertungsanlage verbrannt und damit zu Energie. In Krenzliner Hütte lag Sperrmüll an der Straße. Von ihm sind geblieben: Asche, Schrott und Strom.

Vasco und sein Sohn verkaufen ihre Schätze auf Märkten in Bulgarien, Mirek und Thomas  in Polen. „Du brauchst dafür eine Firma“, sagt Mirek. Er musste sich versichern, schreibt Rechnungen, zahlt 22 Prozent Steuern. „Alles, was verkauft wird, muss notiert werden." In Krenzliner Hütte lag Sperrmüll an der Straße. In Ghana fährt ein Afrikaner mit einem deutschen Fahrrad. In Bulgarien kocht eine Frau an einem reparierten Herd. In Warschau arbeitet ein Pole mit seiner neuen Flex. 

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erstellt am 28.Jul.2016 | 06:00 Uhr

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